FeedDelphi (arch. Delphoi)
ErdkundeBrockhaus 1882

Delphi (arch. Delphoi), Stadt im südwestlichsten Teile der altgriech. Landschaft Phokis, gerade unterhalb der steil aufsteigenden Felsen des Par⸗ „ nassos (der sog. Phädriaden) an den terrassenförmigen Abhängen einer ziemlich engen und tiefen Schlucht, welche, vom Rudli Pleistos durchflossen, tden Parnaß von einem südlichern Gebirgszuge der Kirphis, trennt, gelegen. Der Ort verdankte seine 3Bedeutung hauptsächlich dem uber einem schmalen Erdspalt, aus welchem an eblich begeisternde Dämpfe aufsteigen sollten, befindlichen Orakel, das ursprünglich der Erdgöttin (nach andern der The-Die Gründungssage desselben erzählt, daß der Gott, nachdem er den diese Gegend verwüstenden Drachen Python getötet, in Delphingestalt sich ins Meer gestürzt und ein kretisches Schiff nach der phokischen Küste geleitet, dann als es gelandet, in Jünglingsgestalt die kretischen Männer aus demselben nach der Stelle von D. hinaufgeführt und diesen geboten habe, ihm hier einen Tempel zu gründen und den Geschlechtern der Menschen zu weissagen. Aus dieser Legende darf man schließen, daß kretische Apollondiener, wahrscheinlich im Verein mit den alten (dryopischen oder thrazischen) Anwohnern des Parnassos, den Kult des Apollo Delphinios hier begründet haben. Das Ansehen des Orakels wurde en früh so bedeutend, daß der Bund der Amphiktyonen (s. d.) D. zu seinem zweiten Versammlungsort (neben dem Tempel der emeter in den Thermopylen) erwählte und dadurch den Ort samt dem 4 unter seinen unmittelbaren Schutz stellte. (gl. Bürgel, «Die pyläisch-delphische Amphiktyoniev, Münch. 1877.) Daher kennen schon die Homerischen Gedichte in Pytho, wie sie den Ort nennen (der Fragestätte), einen mit Weihgeschenken reich „versehenen Temel, dessen Erbauung den myt ischen Baumeistern Agamedes und Trophonios zugeschrieben wurde. Politisch war D. damals noch Stadt von der 6 km er Hafe davon gelegenen Stadt Krisa, der auch der Hafen Kirrha, in welchem die zu Schiffe B000 dem Heiligtum kommenden Pilger zu landen pflegten, gehörte. Dieser Abhängigkeit wurde ein Ende gemacht durch den von den Amphiktyonen angeblich wegen Bedrückungen, welche die Krisäer gegen die Pilger geübt haben sollten, unternommenen ersten Heiligen Krieg (596 — 586 v. Chr.), der mit der gänzlichen Zerstörung von Krisa und Kirrha endete. Vr Gebiet wurde dem delphischen Gotte geweiht und dessen Benutzung zu profanen Zwecken unter Androhung schwerer Strafe untersagt. Zugleich wurden die Pythischen Festspiele, die bis dahin nur aus musikalischen Wettkämpfen bestanden hatten, neu begründet und durch Hinzufügung von gymnastischen Spielen und Wagenrennen, für welche man das Stadion nordwestlich oberhalb der Stadt und den Hippodrom in der trisäischen Ebene am Meere anlegte, zu höherm Glanze erweitert. Als 548 v. Chr. der alte Tempel abgebrannt war, sammelte man in allen von Griechen bewohnten Gegenden für den Wiederaufbau. Diesen übernahm die damals aus Athen vertriebene Adelsfamilie der Alkmäoniden im Accord 92 die Summe von 300 Talenten (141457⁵ Mark) und ließ ihn durch den Architekten Spintharos von Korinth in prächtigerer Weise, als es im Accord bestimmt worden war, mit einer Fagade aus parischem Marmor ausführen. Nach den Perserkriegen, während deren D. angeblich durch unmittelbares, wunderbares Eingreien der Gottheit von der Zerstörung durch die Verserscharen verschont blieb, wurde der Tempel durch attische Künstler mit Bildwerken in den Giebelfeldern und in den Metopen des Frieses geschmückt. Da den durch die Reichtümer, welche sich mehr und mehr in dem Tempel anhäuften, übermütig gewordenen Delphern auch das Bundesverhältnis, in welchem sie zu den übrigen Städten von Phokis standen lästig geworden, rissen sie sich 448 v. Chr. mit Hilfe der Spartaner von dem Phokischen Bunde los. Zwar wurden sie nach Abzug der Spartaner von den Athenern im sog. zweiten Heiligen Kriege den Phokern wieder unterworfen, aber in dem Frieden des Nikias (421 v. Chr.) erkannte auch Athen D. als selbständigen lautonomen) Staat an. Mit Ausnahme der Unterbrechung durch den Phokischen oder dritten Heiligen Krieg (357 — 346), während dessen die Phoker die bis dahin offene Stadt befestigten und den reichen Tempelschatz, sowie die kostbarsten Weihgeschenke zu Kriegszwecken verwendeten, be-Zeney 5 D. seine Selbständigkeit bis in die letzten eiten des Römischen Reichs, wo mit dem Falle des Heidentums auch das Orakel, das schon seit eraumer Zeit nicht mehr, wie früher, in Versen, sondem nur noch in Prosa geweissagt hatte, erlosch. Gegenwärtig steht auf der Stelle des Tempels und des ihn umgebenden heiligen Bezirks (Peribolos) das Dorf Kastri, dessen Existenz bisher ausgedehntere Nachgrabungen und eine systematische Bloßlegung der Reste der alten Bauten unmöglich gemacht hat; doch sind neuerdings wiederholt partielle Ausgrabungen besonders durch franz. Gelehrte vorgenommen worden, welche zur Entdeckung sehr zahlreicher Inschriften und verschiedener Gebäudefundamente geführt haben. Man erkennt noch den Unterbau des in dor. Stil erbauten Tempels, die Mauern des Peribolos und innerhalb desselben nördlich vom Tempel die heilige Quelle Kassotis, die Lesche (Versammlungs-Haand welche von den Knidiern erbaut, von Poygnotos mit großartigen Gemälden ausgeschmückt worden war, das Theater und die Fundamente einer von den Athenern erbauten, mit Schiffschnäbeln und ehernen Schilden geschmückten Stoa, außerhalb des Peribolos westlich das Stadion und den Versammlungsplatz der Amphiktyonen (die sog. Pyläa), östlich unterhalb einer Schlucht des Parnassos die Quelle Kastalia, weiterhin das Gymnasion und die Fundamente mehrerer Tempel, unter denen der der Athene Pronäa der wichtigste war. Die große Bedeutung und der mächtige Einfluß, welchen das Orakel auf die hellenischen Staaten ausübte, beruhte hauptsächlich auf der Klugheit einer wohlorganisierten Priesterschaft, welche in allen Teilen der hellenischen Welt ihre Verbindunen hatte und daher sowohl über die innern Verhältnisse der Einzelstaaten als über die Beziehungen derselben zueinander, endlich insbesondere über die Gründung von Kolonien und Handelsplätzen im Auslande jederzeit die besten Aufschlüsse und einsichtige Ratschläge zu erteilen wußte. Sie stand besonders mit Sparta, zu dessen polit. System die mit einer gewissen Ostentation zur Schau getragene Ehrfurcht für das Delphische Orakel gehörte, später auch mit den Herrschern von Macedonien in enger Verbindung. Ein bloßes Werkzeug in den Händen dieser Priesterschaft war die Prophetin des Gottes, die Pythia (s. d.). Früher erteilte man nur einmal im Jahre, am siebenten Tage des Frühlingsmonats Bysios, regelmäßig Orakel, wovon man wohl nur für die Gesandten mächtiger Staaten oder auswärtiger Fürsten, die mit reichen Geschenken kamen, Ausnahmen machte. Später anden allmonatliche Orakelverkündigungen statt. gl. Hüllmann, ⸗Würdigung des Delphischen Orakelso (Bonn 1837); Götte, Das Delphische Orakel in seinem polit., religiösen und sittlichen Einfluß auf die Alte Welte (Opz. 1839); Foucart, Mémoire sur les ruines et Phistoire de Delpheso in den „Archives des missions scientifiques et littéraires (2. Serie, Abteil. 1, Par. 1865); Mommelphin (Delphinus) heißt eine sehr artenreiche Familie der Waltiere oder Cetaceen, welche sich durch kegelförmige, in beiden Kiefern ringsherum stehende Zähne unterscheidet und von den Systematikern je nach dem Vorhandensein oder Fehlen der Rückenflosse, nach der Gestalt des Kopfes, der Anzahl der Zähne und der Länge der Kiefern in mehrere Gattungen (Meerschwein, D., Schnabeldelphin, Narwal, Dögling, Nacktdelphin) getrennt worden ist. Die D. haben einen cylindrischen, oft sehr großen Körper und mehr oder minder schnabelförmige Kinnladen ohne deutlichen Gelenkkopf, welche aber auch bei manchen ganz kurz und abgerundet sind. Sie leben in allen Meeren verbreitet, zeigen sich als gefräßige, den Menschen indes ungefährliche Raubtiere, kommen meist gesellig vor und schwimmen mit großer Schnelligkeit und Ausdauer. Ihr Fleisch ist schlecht und wird nur von rohen Völkern und armen Strandbewohnern gegessen. Thran enthalten sie in ziemlicher Menge: auf 4* Arten findet eine regelmäßige Jagd statt. Am bekanntesten ist der gemeine D. (D. Delphis), der auch von allen am weitesten, in allen Meeren der nördl. Halbkugel verbreitet gefunden wird; er wird 2 melang und trägt eine gegen 46 em hohe Rückenflosse, wenig hinter der Mitte des Rückens. Die Schnauze ist durch einen Wulst von der Stirn geschieden. Dies ist der D. der Alten, der allerdings e de einigermaßen zähmbar ist. Ihm nahe steht der weit größere Tümmler (D. tursio), mit rasch abfallender Stirn, der besonders im Atlantischen Ocean vorkommt. Das Meerschwein oder der Braunfisch (Phocaena communis) ist im Mittelmeere selten, sonst in allen europ. Meeren, wo er herdenweise lebt, der häufigste D., wird 1—1,5 mlang, hat einen stumpfen Kopf und trägt eine 9 em hohe Rückenflosse. Seine Oberseite ist schwärzlich und seine Unterseite weiß. Sein schwärzliches Fleisch ist thranig und von widrigem Fischgeruche; dennoch galt es einstmals in England für einen Leckerbissen. Der weiße D. oder Beluga ODelphieide a Leucas) zeichnet sich durch seine weißgelbe Färbung und den Mangel der Rückenflosse aus. Er lebt in kleinen Gesellschaften nur in den hochnordischen Meeren und besonders in fischreichen Flußmündungen. Die Grinde oder Butzköpfe (Globicephalus), von schwarzer Farbe, mit kurz abgestutztem Kopfe und weit auseinander stehenden Hakenzähnen, bis 6 mlang, bewohnen die nördl. Meere und werden besonders an den Färöern gejagt. Die Döglinge (Hyperoodon) sind große D., die bis zu 6mlang werden und die Zähne des dünnen, schnabelartigen Mauls ganz verlieren, während im Gegenteile die noch größern, die Nordsee bewohnenden Schwertfische (Orca) einen so furchtbar bewaffneten Rachen haben, daß sie den Kampf mit Haifischen und selbst Finn⸗ und Walfischen mit Erfolg aufnehmen. Eine eigentümliche Gruppe bilden dann die Schnabeldelphine der großen Flüsse, von denen eine Gattung (Platanista) den Ganges, eine andere (Inia) den Amazonenstrom und Orinoco bewohnen. Griech. und röm. Schriftsteller erwähnen oft der D., die in fabelhafter Gestalt abgebildet wurden, während man ihre Naturgeschichte mit Märchen ausstattete.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 27Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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