Desmonlins (Benoit Camille), einer der hervorragendsten Charaktere der Französischen Revolution, geb. 1760 zu Guise in der Picardie, studierte auf dem Collége Louis-le-Grand die Rechte, verließ jedoch die hurist Laufbahn und ward, von seiner angesehenen Familie halb aufgegeben, in Paris ein litterarisches Talent dritten Ranges. Für die polit.Verfassungen der Alten schwärmend, suchte er in der beginnenden Staatsumwälzung seine klassischen Ideale geltend zu machen. In diesem Sinne schrieb er: La France libres (Par. 1789). Nach der Entlassung Neckers entflammte er 12. Juli 1789 im Palais-Royal die Volksmenge durch die heftigsten Reden und unter der Aufforderung zur Ergreifung der Waffen, was bald darauf zur Erstürmung der Bastille führte. Dann begann er die Herausgabe der Zeitschrift Révolutions de Erance et de Brabanto, die durch ihre extremen Lehren und pikanten Ton, mit dem sie D. auszusprechen wußte, einen ungeheuern Erfolg hatte. Von Malouet in der Konstituierenden Versammlung 2. Aug. 1790 als Aufwiegler angeklagt, entging er nur durch die Guuiht der Verhaftung. In dieser Zeit heiratete er Lucile Duplessis, ein junges, schönes, reiches Mädchen, das er leidenschaftlich liebte. Bei den Vorgängen vom 10. Aug. 1792 spielte er dieselbe aufwiegelnde Rolle wie sein Freund Danton; während der Septembermorde hielt er mit Danton und seinen Genossen ein prunkendes Festmahl ab. Von der Hauptstadt in den Konvent gewählt, stimmte er für Ludwigs XVI. Tod, unter Hinzufügung der Worte: »vielleicht zu spät für die Ehre des Konventsv. Auch an dem Kampfe gegen die Gironde beteiligte er sich noch mit ungeminderter Heftigkeit. In einer Flugschrift: listoire des Girondinso, überschüttete er die Gemäßigten mit 99. 0d Spotte. Nach deren Katastrophe jedoch von Robespierre mit Danton in den Hintergrund gedrängt, begann er selbst einzulenken. Gegen Ende 1793 ließ er die ersten Nummern seines Blattes Le vieux Cordeliero erscheinen, worin er, im Einverständnisse mit Danton, den revolutionären Ausschweifungen entgegentrat. Hebert, den er besonders angriff, klagte ihn an, die Herstellung des Königtums zu beabsichtigen, und Robespierre trug in voller Versammlung, nachdem er seinen Hrenmt anscheinend verteidigt hatte, auf die Verrennung aller Nummern der Zeitschrift an. Verbrenneno, rief D., eist nicht widerlegeno, und bald darauf erschien die siebente Nummer des Blattes, in der die Männer des Terrorismus und die Jakobiner noch heftiger angegriffen wurden, mit den Schlußworten: Die Götter haben Durst.v» Sofort ließ Robespierre 30. März 1794 D. und Danton verhaften. Saint-Just, der D. persönlich feind war, betrieb besonders seine Verurteilung. Am 5. April wurde er mit Danton und vielen andern hingerichtet. D. war, wie Danton, von häßlichem Außern, aber ein Mann von großen Fähigkeiten und edelm Kern, wie sehr auch seine polit. Ausschweifungen diese Eigenschaften verdunkelten. Seine Gattin, Lucile D., die alles aufgeboten hatte, um ihn zu retten, bestieg 13. April 1794 mit großer Fassung das Blutgerüst. Claretie gab heraus: Oeuyres de Camille D. (2 Bde., Par. 1874), und schrieb auch: Camille D., Lucile D.5 (Par. 1875).