Destutt de Tracy (Antoine Louis Claude, Graf), bedeutender philos. Schriftsteller Frankreichs, geb. 20. Juli 1754 zu Paris, war bei Ausbruch der Französischen Revolution Oberst der Infanterie und Deputierter bei den Generalstaaten für den Adel von Bourbonnais. Er zeigte sich als reund der liberalen Ideen und stimmte für die lbschaffung der Adelsprivilegien. Als sein Freund und π Lafayette 10. Aug. 1792 Frankreich verließ, folgte er demselben, kehrte aber nach einiger Zeit heimlich wieder zurück und wurde 2. Nov. 1793 in Haft genommen. Erst der Sturz Robespierres verschaffte ihm die Freiheit wieder. Während der Dauer der Herrschaft Napoleons war D. Senator, obschon er keineswegs zu den Schmeichlern des Kaisers gehörte. Nach der Rückkehr der Bourbons wurde er 1814 zum Pair ernannt. Seit der Gründung des Nationalinstituts war er Mitglied desselben. Er starb 10. März 1836. D., welcher von den Franzosen für einen der besten Metaphysiker gehalten wird, gehört der Schule des Sensualismus, insbesondere der Richtung Condillacs (s. d.) an, dessen Lehre er zu dem sog. Ideologismus entwickelte. Sein Hauptwerk in dieser Beziehung sind die Eléments d'idéologier (5 Bde., Par. 1801—15; neue Aufl., Par. 1824—25), die unter anderm auch in das Italienische und Spanische übertragen wurden. Die beiden letzten Teile dieses Werks, den Traité de la volonté et de ses effetso enthaltend, bilden eine Darstellung der polit. Skönomie. Von Dis übrigen Schriften ist noch der ebenfalls vielfach übersetzte Commentaire sur L'Esprit des lois de Montesquieuo (zuerst engl., Philad. 1811; franz., Par. 1819; deutsch von Morstadt, 2 Bde., Heidelb. 1820—21) zu erwähnen, der besonders in Nordamerika lange in großem Ansehen stand. — Sein Sohn, Graf Antoine César Victor D. de Tracy, geb. 9. Sept. 1781, nahm als Offizier unter dem ersten Kaiserreich an den Feldzügen in Spanien und 1813 in Deutschland teil, schied aber 1818 aus dem Militärdienst, um sich der Bewirtschaftung seiner Güter zu widmen. Seit 1827 ununterbrochen Kammermitglied bis zur Februarrevolution, gehörte er stets zur Opposition. Im Kabinett vom 20. Dez. 1848 erhielt er vom Prinz-Präsidenten das Portefeuille der Marine, das er jedoch im Okt. 1849 niederlegte. Seitdem lebte er auf seinen Gütern zu Paray, wo er 13. März 1864 starb. Litterarisch hat er sich besonders durch agronomische und nationalökonomische Arbeiten bekannt gemacht. — Des letztern Gattin, Gräfin Marie de Tracy, aus der Familie Newtons, geb. 30. Nov. 1789 zu Stockport, gest. 27, Okt. 1850, war eine geistvolle, hochgebildete Frau, deren „Essais divers, lettres et pensées o (3 Bde., Par. 1855), darunter der vorzügliche Roman Marthay und ein Essai sur le mariagep, erst nach ihrem Tode veröffentlicht wurden. [das Schwitzen.