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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Deutschland ist von jeher durch natürliche Reichtümer und beharrlichen Gewerbfleiß wie durch seine vermittelnde Lage einer regen Handelsthätig⸗ (keit ergeben gewesen. Zu den wichtigsten Ausfuhrartikeln gehören: Getreide, Holz und Holzwaren, Vieh, Häute, Horn, Knochen, Leinen, Woll- und Baumwollwaren, Glas- und Thonwaren, Cisen- und Stahlwaren, Blei, Zink, Kobalt, Galmei, Pottasche, Kalk, Gips, Vitriol, Mühlsteine, lithographische Steine, Quecksilber, Salz, Wachs und Honig, Spiritus, Bier und Wein. Unter die Einfuhrartikel gehören vorzugsweise: Zucker, Kaffee, Thee, Kakad, Reis, Vanille, Rum und andere Kolonialwaren, Spezereien und Drogueriewaren, Fische, Käse, Tabak, Olivenöl, Südfrüchte, Wein, Baumwolle, Seide, Twist, Mode- und Galanteriewaren, Leder, Thran, feine Hölzer und Färbematerialien. Obschon eine kräftige Vertretung des deutschen Handels im Auslande immer noch fehlt, ist doch im Laufe des Jahrhunderts durch die Entfesselung des Handels von drückenden Zöllen, die Gründung des Zollvereins, die Entwickelung der Posteinrichtungen, des Straßen⸗ und Eisenbahnbaues, durch die Förderung des Bankwesens, der Assekuranz⸗ und Handelsgesellschasten u. s. w. namentlich für den innern Verkehr Bedeutendes geleistet worden. Ein in den Hauptlinien beinahe vollständig ausgeführtes Eisenbahnnetz verbindet bereits die mehr oder weniger hervorragenden Verkehrspunkte Deutschlands miteinander. Ebenso ist ein großartiges und vielverzweigtes Netz von Telegraphenlinien ausgeführt worden. Die wichtigsten Handelsplätze des Binnenverkehrs sind: Augsburg, Nürnberg, Stuttgart und Straßburg für den Südwesten, Breslau für den Osten, Frankfurt a. M. und Köln für den Westen, Magdeburg, Leipzig und Berlin für den Norden. Die bedeutendsten Messen werden abgehalten in Leipzig und Frankfurt a. O., minder bedeutende in Braunschweig und Frankfurt a. M. Die wichtigsten Seehandelsplätze sind an der Ostsee: Stettin, Rostock, Lübeck, Kiel und Flensburg; an der Nordsee: Hamburg, Bremen und Emden. Was den Wert des Umsatzes wie überhaupt den Umfang des deutschen Handels betrifft, so ist der Warenverkehr innerhalb des Reichs aus Mangel einer Güterstatistik der Eisenbahnen nicht festzustellen; der Verkehr mit dem Auslande ergibt sich teilweise aus der Höhe des Ein- und Ausgangszolls (s. weiter unten Finanzen). Das deutsche Bankwesen ist durch das Gesetz vom 14. März 1875 reorganisiert worden. An Eisenbahnen besaß 15. Mai 1882 das Deutsche Reich 52 Bahnverwaltungen mit 34727 km. Hierein teilten sich die Staatsbahndirektionen mit 25952 km, die Privatbahnen unter Staatsverwaltung mit 2609 Km, die Privatbahndirektionen mit 6166 km. Von Staatsbahnen besitzt Preußen 14843, Bayern 4290, Sachsen 2084, Württemberg 1541, Elsaß-Lothringen 1240 und Baden 1222 km. Mit Ausnahme einiger Lokal- und Industriebahnen gehören sämtliche Eisenbahnen Deutschlands und Ssterreich-Ungarns dem 10. Nov. 1846 gegründeten Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen an, zu dessen Gebiet auch alle Eisenbahnen der Niederlande und Luxemburgs, Russisch-Polens und Rumäniens, sowie einige belg. Privatbahnen gehören. Er umfaßt (1882) 98 Bahnverwaltungen mit 57939 km Bahnlinien. Das Telegraphennetz des Deutschen Reichs umfaßte Ende 1881 an Länge der Linien 72577 km, wovon 61656 Kkm auf die Reichstelegraphen, 8172 auf Bayern, 2749 auf Württemberg kommen; an Länge der Drähte 260790 km, wovon 218089 auf die Reichstelegraphen, 35436 auf Bayern, 7265 auf Württemberg kamen. Die Gesamtzahl der Stationen war 10308 (8770 Reichstelegraphenstationen, 1147 in Bayern, 391 in Württemberg). Die Gesamtzahl der telegr. Depeschen belief sich 1881 auf 17507099 (15 008 414 im Reiche, 1607093 in Bayern, 891592 in Württemberg). Davon waren 11585617 interne aufgegebene Privatdepeschen, 846 368 amtliche, 2103120 internationale aufgegebene, 2315804 internationale angekommene und 656 190 Transitdepeschen. Der Deutsch-Osterreichische Postverband umfaßt das Deutsche Reich und die Ssterreichisch-Ungarische Monarchie. Der größte Teil des Deutschen Reichs hat gemeinsame Reichspostverwaltung; nur Bayern und Württemberg haben selbständige Postverwaltungen behalten; aber auch in diesen Staaten steht dem Reiche ausschließlich die Gesetzgebung über die rechtlichen Verhältnisse der Postund Telegraphen dem Publikum gegenüber, über Portofreiheiten und Posttaxwesen u. s. w. zu. Im J. 1881 war die Zahl der Bureaus 11088 (Reichspost 9143, Bayern 1410, Württemberg 535). Expediert wurden Briefe 681 976 350 (durch die Reichspost 585694 350, in Bayern 68007200, Württemberg 28274800); Postkarten 168 929480 (durch die Reichspost 154182880, in Bayern 8396 700, in Württemberg 6349900); Warenproben wurden versandt 14013710 (durch die Reichspost 12369 310, in Bayern 1314000, in Württemberg 330400); Drucksachen 154496 960 (durch die Reichspost 142616 160, in Bayern 5348500, in Württemberg 6532300). Zeitungen leinschließlich der außergewöhnlichen Zeitungsbeilagen) 480295 815, und zwar durch die Reichspost 365765552, in Bayern 81067300, in Württemberg 33462 963; also in Summa Sendungen 1499 712315, wovon 1260628 252 durch die Reichspost, 164 133 700 in Bayern, 74 950363 in Württemberg. Dazu kommen Päckerei⸗ und Geldsendungen 150 857 714 (Reichspost 120017727, Bayern 23454537, Württemberg 7385 450). Eingenommen hat die Reichspost (in Mark) 145 860 743, ausgegeben 124654536; üÜberschuß 21206207; Bayern: Einnahme 11363971, Ausgabe 10611551, überschuß 752420; Württemberg: Einnahme 7034 658, Ausgabe 5467434, überschuß 1567224 Mark. (Hierzu eine Karte: Deutsches Reich und Deutsch-Osterreich. Verkehrskarte.) Schiffahrt. Am 1. Jan. 1881 besaß das Deutsche Reich an Kauffahrteischiffen 4660, und von dieser Zahl kamen 1911 auf das Gebiet der Ostsee und 2749 auf das der Nordsee. Darunter befanden sich 161 Vollschiffe von 169923 t mit 3172 Mann Besatzung, 960 Barken von 471058 t mit 12657 Mann Besatzung, 110 Schonerbarken und dreimastige Schoner von 29688 t mit 1026 Mann Besatzung, 462 Briggs von 111757 t mit 4315 Mann Besatzung, 190 Schonerbriggs und Brigantinen von 37642 t mit 1453 Mann Besatzung, 571 Schoner von 64798 t mit 3165 Mann Besatzung, 351 Schonergalioten, Galeassen und Galioten von 27627 t mit 1524 Mann Besatzung, 41 Gaffelschoner und Schmacken von 2631t mit 165 Mann Besatzung, 671 andere zweimastige Schiffe von 26439 t mit 1876 Mann, 729 einmastige Schiffe von 24204 t mit 1650 Mann. Von den Seeschiffen gehörten 3079 mit 474 923 t zu Preußen, 381 mit 112328 t zu Mecklenburg-Schwerin, 345 mit 69 720 t zu Oldenburg, 42 mit 9729 t zu Lübeck, 325 mit 270260 t zu Bremen, 488 mit 244 565 t zu Hamburg. Nachstehende Tabelle zeigt den Bestand der deutschen Handelsmarine im J. 1881: Bremen ... . 3325 Schiffe v. 270 260 t mit 6665 Mann, da West-Hannover 6565 v „ 60 328 „ 3167 „ Ost-Schleswig-Osthannover.. 474 v »„ 48 695 „ 1697 »„ Westpreußen 115 „ „ 45717% „ 1779 »„ Ostpreußen. 101 „ „ 35 501 »„ 1044 »„ Der preuß. Staat 3079 v » 474 923 » 18 910 „ Das Deutsche Reich zusammen 4660 v » 1181 525 »„ 39 660 » Das Verhältnis der Dampfer zu den Segelschiffen war 1: 10,28; 90 Proz. der Dampfer waren Schraubenschiffe. Die Besatzung der Handelsmarine bestand aus 39660 Mann. Der Gesamtraumgehalt belief sich auf 1181505 Registertons. Im Nordseegebiete sind 1880 angekommen 42203 Schise von 3588097 t, abgegangen 43 676 Schiffe von 5540516 t; im Ostseegebiete angekommen 12079 Schiffe von 4187462 t, und abgegangen 11345 Schiffe von 2222521 t. Üüberhaupt Dampfer angekommen 12 963 von 4564 866 t, und abgegangen 11189 von 3616 804 t. Verkehrt haben in Hamburg 5462 Schiffe, in Kiel 3257, Lübeck 2301, Stettin 3508, Flensburg 1680, Pillau 396, Neufahrwasser 1841, Königsberg 1344, Bremerhaven 1397, Memel 898, Bremen 953, Swinemünde 544 u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 213Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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