Ausfuhr oder Export ist die eine Seite des internationalen Handels, der die Teilung und Vereinigung der Arbeit in der Weltwirtschaft vermittelt. Ein Volk führt Waren aus, entweder weil es sie unter günstigern Bedingungen und infolge dessen billiger herstellen kann als andere, oder weil es gewisse fremdländische Produkte notwendig bedarf und für diese einen Gegenwert liefern muß. Im letztern Falle kann es vorkommen, daß die Produktionskosten der Ausfuhrartikel im Inlande erheblich höher sind, als die der aus dem Auslande bezogenen Gegenstände, ja es könnten für letztere möglicherweise sogar Monopolpreise zu zahlen sein. Ein solcher onerendr Lan würde au nguing für das exportierende Land im ganzen ungünstig Rer wenn es auch mit Bezug auf seine konkreten Verhältnisse durch denselben mehr an Gebrauchswert empfinge, als es hingäbe. Im allgemeinen jedoch werden die Fälle der ersterwähnten Art überwiegen, die einzelnen Länder also diejenigen Warengattungen miteinander austauschen, die sie unter besonders vorteilhaften Umständen produzieren können, wobei sich die relativen Begünstigungen auf beiden Seiten mehr oder weniger uheen und beide auf die reichlichste und billigste Weise mit nützlichen Gütern vsurwe werden. Als besonders naturgemäß und für beide Teile vorteilhaft erscheint die A. von tropischen Naturerzeugnissen aus der warmen Zone nach den hen Berhmtn und Imsweit tum und die klimatischen Verhältnisse vorzugsweise für die industrielle Produktion ausgerüsteten Ländern der gemäßigten Zone, die ihrerseits Fabrikate als Gegenwert ausführen. Je mehr eine Nation im Stande ist, die A. ihrer industriellen Produkte auszudehnen, um so unabhängiger wird sie hinsichtlich ihres Nahrungsbedarfs von ihrem eigenen Territorium und um so höher kann ihre Kopfzahl und die Dichtigkeit ihres Zusammenwohnens steigen. Aber andererseits kann die Notwendigkeit, einen bedeutenden Bruchteil der unentbehrlichen Lebensmittel statt durch eigene Produktion, durch den auswärtigen Handel zu beziehen, auch schlimme Folgen aben, namentlich in Kriegszeiten. Für England ist schon seit weseutl Zeit der Ausfuhrhandel in dieser Art ein wesentlicher Existenzfaktor geworden; dabei kommt diesem Staate neben seiner großartigen Seemacht auch besonders die Thatsache zu tatten, daß er in seinem ungeheuern Kolonialbesitz tets eine relativ gesicherte Kundschaft findet. Jedenfalls erscheint eine einseitige künstliche Begünstiung der A., wie sie namentlich früher durch die Vertreter des Merkantilsystems (s. d.) empfohlen wurde, durchaus unzweckmäßig. Die Merkantilisten hatten hauptsächlich die Vermehrung des Edelmetallvorrates des Landes im Auge, und sie suchten zu 1 Zwecke besonders die A. von Fabrikaten zu fördern, weil diese in der kleinsten Masse den rößten Wert repräsentieren und keine bedeutenden ransportkosten bedingen. Indes kann die A. von rohen Massenprodukten (3. B. Kohlen und Roheisen) ebenso gewinnbringend sür ein Land sein, wie die von derichhmung derfelt namentlich wenn es selbst die Verschiffung derselben besorgt. Da im auswärtigen Handel der Hauptsache nach Produkte mit Produkten bezahlt werden (s. Absatz), so wird durch künstliche Beschränkung der Einfuhr auch die A. erschwert; daher findet man auch in dem + stem der neuern Zeit, das — von der merkantilistischen Rücksicht auf die Geldzufuhr ziemlich emanzipiert hat, mancherlei Bemühungen zur Erleichterung der A. In manchen dan eschützten Zweigen der Großindustrie wird es en Produzenten durch eine förmliche oder stillschweigende Koalition möglich, ihre Preise im Inlande bedeutend brien zu halten als die, welche sie sfür I ausgeführten Erzeu isse verlangen. Bei den letztern können sich die Fabrikanten mit einem minimalen Gewinne begnügen, unter Umständen sogar auf unmittelbaren Gewinn verzichten, indem diese Produktion hauptsächlich nur den Zweck hat, den Großbetrieb in der zwecknäßigsten Ausdehnung zu erhalten, während gleichzeitig auf dem innern Markt die Konkurrenz den erhöhten Preisen entsprechend beschränkt bleiben soll. In dem konsequenten Schutzzollsystem wendet man jedoch auch direkte Mittel zur Förderung der A. von Industrieerzeugnissen an. (S. Ausfuhrprämien, Ausfuhrverbot, Ausfuhrzölle.) Von diefen sind die Bemühungen zu unterscheiden, durch freie, privatwirts 93 nitiative, durch Association, durch Veranstaltung handelsgeogr. Expeditionen u. s. w. ie A. zu heben. Solche Bestrebungen sind in neuester Zeit in Deutschland namentlich in Verbindung mit der Kolonisationsfrage hervorgetreten. In Berlin hat sich 1879 ein «Centralverein für Handelsgeographie und Förderung der deutschen Interessen im Auslander gebildet, als dessen Organ ein Wochenblatt mit dem Titel 4Exportv apcheem Pa Jan. 1881 wurde in Düsseldorf auch ein «Westdeutscher Verein für Kolonisation und Exporto gegründet. Auch von amtlicher Seite wird auf die Hebung der deutschen A. in int: und ßiger Weise hingewirkt, indem in Konsular⸗ und veröffentlicht) den Exporteuren nützliche Winke gegeben und vorkommende übelstände gerügt werden.