Diana, eine altital. Licht⸗ und insbesondere Mondgöttin (ursprünglich wohl die weibliche Seite des Licht⸗ und Sonnengottes Janus), die von verschiedenen ital. Völkerschaften, namentlich von den Aquern und Latinern verehrt wurde. Ihre angesehensten Kultstätten waren ein heil. Hain am See von Nemi, wo neben ihr ein männlicher Dämon Virbius (später mit dem griech. Hippolytos verschmolzen) verehrt ward, und der von Servius Tullius gestiftete Tempel auf dem Aventinischen Hügel in Rom, ein gemeinsames Bundesheiligtum der Latiner. Wie andere ital. Gottheiten wurde auch D. mit einer griechischen identifiziert: mit der Artemis, deren Kult gleich dem ihres Bruders Apollon (s. d.) frühzeitig in Rom Eingang fand. Artemis, nach der gewöhnlichen Tradition eine Tochter des Zeus und der Leto, ist ebenfalls ursprünglich Licht⸗ und Mondgöttin, daher sie, wie andere Lichtgottheiten, Bogen und Pfeile, und als Göttin des nächtlichen Lichts insbesondere die Fackel als Attribut hat. Mit ücksicht auf die Unfruchtbarkeit des Mondlichts ward sie als Jungfrau aufgefaßt. In manchen Teilen Griechenlands, wie namentlich in Arkadien und Atolien, galt sie jedoch für eine besonders in Wäldern, Flüssen und Quellen wirksame, schaffende Naturgottheit von allgemeinerer Bedeutung und Wirksamkeit. Als die mit Pfeil und Bogen bewaffnete Jungfrau ist sie die Gefährtin der Nymphen, ½ jede Verletzung der Keuschheit streng bestraft, die Schutzgöttin der Jäger (daher Elaphebolos, «die Hirschschießendey, benannt), aber auch die Hegerin und Pflegerin des Wildes. V. Gemeinschaft mit Apollon tritt sie als Rächerin des bermuts und der überhebung über die den Menschen von den Göttern gesteckten Schranken auf, wie bei der Tötung der Kinder der Roobe. Mie Apollon rafft sie durch einen Pfeilschuß die Menschen, und zwar besonders Frauen und Jungfrauen, plötzlich aus dem Leben hinweg, und sendet auch Seuchen unter Menschen und Tiere. Die bildende Kunst stellte Artemis als kräftige, blühende Jungfrau dar, in langen Frauengewändern oder auch mit aufgeschürztem Chiton, wie es einer Jägerin bequem ist. Dabei trägt sie gewöhnlich den Köcher, geschlossen oder geöffnet, und führt in den Händen Fackeln oder den Bogen, oder auch beides. Oft sieht man bei ihr eine Hirschkuh, wie z. B. bei der bekanntesten unter den erhaltenen Statuen der Göttin, der sog. D. von Versailles (vermutlich das Werk eines griech. Künstlers, im letzten Jahrhundert der Republik zu Rom gearbeitet, in der Villa Hadrians bei Tibur gefunden, ins Museum nach Versailles gebracht, gegenwärtig im Couvre zu Paris, s. Tafel: Bildnerei III, 12), oder der D. von Gabii in München, ebenso bei der D. von Jean Goujon (aus dem 16. Jahrh., ebenfalls im Louvre, s. Tafel: Bildnerei VI, 2). Auf einzelnen Denimälern reitet die Göttin auf einer Hirschiuh, auf manchen fährt sie auf einem von Hirschen gezogenen Wagen, wie z. B.(zusammen mit Apollon) auf dem Friese des Apollontempels von Bassäü. on der griech. Artemis ursprünglich verschieden, aber frühzeitig mit ihr verschmolzen sind die taurische und die ephesische Artemis, zwei altasiat., die zeugende aber auch wieder tötende Naturkraft personisizierende Gottheiten, welche die Griechen in ihrer Artemis wiederzufinden glaubten. Die erstere, deren Heimat Kappadocien und der Pontus ist, vertrat mehr die dem Leben abgewandte und feindliche Seite der großen Naturgottheit und wurde hauptsächlich in Brauron und Halä in Attika, wohin Iphigenia (ursprünglich ein Beiname der «zeugangskraftigen »Göttin selbst) ihr Bild aus dem taurischen Chersones gebracht haben sollte, als Artemis Brauronia oder Tauropolos, in Sparta als Artemis Orthia, in Unteritalien als Artemis Phakelitis verehrt, überall mit Gebräuchen, in welchen sich noch deutliche Spuren alter Menschenopfer erfche hatten. (S. Diamastigosis.) Die epheische Artemis, deren von verschnittenen Priestern und Tempelsklavinnen (Hierodulen) bedienter, ann von den Amazonen gegründeter Tempel eine er angesehensten Kultusstätten Kleinasiens war war in dem Kultbilde daselbst, das sein Altertum auch durch die mumienartig eingewickelte Gestalt der Göttin bekundete, als eine Gottheit der Fruchtbarkeit mit zahlreichen weiblichen Brüsten dargestellt. Auch die ursprünglich den arischen Völkerschaften des innern Asien, den Persern, Baktrern, Medern und Armeniern, anen weent Göttin Anahita wurde im griech. Kleinasien vielfach als «Persische Artemisv oder Anaitis verehrt. — D. ist auch der Name eines Asteroiden. (S. unter an Ciemir n