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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Drache (mythologisch und symbolisch). Der D. spielt in den Sagen und Mythologien fast sämtlicher Kulturvölker eine bedeutende Rolle, und zwar vorzugsweise als Schatzhüter. Er ist ein fabelhaftes Tier von ungeheurer Größe, geringelt, mit furchtbarem Blick, oft Mothis und mit vergiftendem Hauche. Im griech. Mythus bewacht er die goldenen Apfel der Hesperiden, wird von Hercules getötet und durch Jund als Sternbild an den nördl. Himmel versetzt. In Kolchis behütet er das Goldene Vlies und wird von Jason überwunden. In der un stets 111 ist seine Darstellung nicht häufig und stets gemäßigt. Das ener Asien, woher ohne Zweifel die Sage stammt, seltener Afrika, wird ihm als Wohnsitz angewiefen. In der nordischen Sage findet der D. als Midgardsschlange seine Hauptbedeutung und umspannt als solche das ganze Erdenrund. In der altdeutschen Kunst, namentlich der Ornamentik der roman. Periode, wird er mit besonderer Vorliebe angebracht, airche ve⸗ in Schlangen-oder Eidechsenform. Die Kirche verlieh ihm, um seine Darstellung ihren Zwecken dienstbar zu machen, die Bedeutung der Paradiesschlange und des Landen als letzterer spielt er noch heute im Aberglauben eine Rolle, indem er solchen, die mit ihm im Bunde stehen, 98— den Schornstein Schätze ins Haus bringen soll. Der D. als Teufel findet vielfach Verwendung unter den Attributen der Heiligen (Michael, Georg, Longin, Margareta u. s. w.). Nachdem sein Bild lange, und zwar schon bei den alten Griechen, als Schmuck des Helms und Auszeichnung des Schildes gedient, ward es endlich auch Feldzeichen und Wappenschild. Es war das Heerzeichen der Dacier, und auch die röm. Kaiser bedienten sich desselben seit Konstantin. In der nordischen Sage ist Sigurds Helm mit einem D. geschmückt. Die alten Sachsen hatten ihn neben andern als Feldzeichen, Otto IV. auf seinem Fahnenwagen und die engl. Könige seit Wilhelm dem Eroberer im Panier. In der Begleitung des Papstes erschienen bei öffentlichen Prozessionen Soldaten, die auf einer Lanze das Drachenbild unter dem Kreuze trugen, Draconarii, welchen Namen auch die Träger der Drachenfahne der röm. Kaiser führten. Die neuere Heraldik kennt den D. als Figur im Schilde, auf dem Helme und als Schildhalter. In der Numismatik kommt der D. als Münzbild, namentlich auf den Münzen Chinas und Japans vor.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 516Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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