FeedDidynama stamina
ErdkundeBrockhaus 1882

Didynama stamina, zweimächtige Staubgefäße, nennt man in der Botanik die Staubgefäße, die in einer Blüte in der Vierzahl vorhanden sind und von denen zwei länger sind als die andern beiden. Eine solche Ausbildung des Andröceums haben alle Gewächse, welche die 14. Klasse (Didynamia) des Linneschen Systems bildeten, also die meisten Arten aus den Familien der Labiaten und Scrophularineen. „Die (Dea Augusta Vocontiorum), Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Depart. Drme im Dauphiné, 61 km im SO. von Valence, in 294 m Höhe, liegt malerisch am Fuße des steilen, 2025 m hohen Mont-Glandaz oder Glandasse, in dem Thale der hier den Merosse aufnehmenden Dröme, welches reich an Getreide und Früchten jeder Art ist, besonders an vortrefflichem weißen Muskatweine (Clairette de Die). Der Ort ist altertümlich gebaut, zum Teil noch mit alten, betürmten Mauern und altem Schlosse, ist Sitz eines Tribunals ault Instanz und eines prot. Konsistoriums und zählt (1876) 3427, als Gemeinde 3841 E., welche starke Seidenzucht, Wein⸗ und Melonenbau treiben, sich mit Papier⸗, Leder⸗ und Tuchfabrikation, sowie mit Seidenweberei beschäftigen und mit ihren Fabrikaten, mit Wein, 5—3 und Vieh, besonders mit Maultieren handeln. B. hat eine Kathedrale mit einem 8um langen Schiff, mit schönen Granitsäulen eines antiken Cybeletempels und eine prot. Kirche, einen ehemals bischöfl. Palast, viele Überbleibsel aus der Römerzeit, namentlich Reste einer Wasserleitung und auf dem Wege nach Gap einen wohlerhaltenen Triumphbogen, la Porte St.⸗ Marcel genannt. Vor der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) hatten hier die Calvinisten eine Universität. In der Umgegend von D. finden sich Bergkrystalle und mehrere Mineralquellen, 8 km entfernt die Ruinen der Cistercienserabtei Valcroisrsant aus dem 12. Jahrh. Bei dem Dorfe St.⸗ Julien en Quint, 10 km entfernt, liegt der Berg Forduries mit einer merkwürdigen Eisgrotte; bei tdem Berge Solore eine große Tropfsteinhöhle, und „in der Entfernung einiger Stunden der sog. Unersteigliche Berg (Montagne inaccessible) und der tMont-Aiguille, welcher letztere die Form einer umgestürzten Pyramide hat. Dieé (Saint-⸗) oder Saint-Diey (St.⸗Diez), Stadt im franz. Depart. Vogesen in Lothringen, „an der Meurthe, in einem herrlichen Thale am dile des Ornion, durch eine Zweigbahn nach Lune⸗ ]ville mit der Französischen Ostbahn verbunden, Hauptort eines Arrondissements und Sitz eines „Bischofs, eines Gerichtshofs und einer Gewerbekammer. Die Stadt hat eine alte Domkirche, eine hübsche prot. Kirche, ein Seminar für Geistliche, ein Kommunal-Collége, eine öffentliche Bibliothek, einen Triumphbogen von 1757, schöne malerische „Promenaden und (1876) 12020, als Gemeinde 14511 C., welche sich mit Weberei von Baumwollwaren und Teppichen, mit Baumwollspinnerei, Gerberei, Färberei, Buchdruckerei und Bierbrauerei beschäftigen und starken Handel mit Getreide, Holz, Vieh, Lein, Hanf, kurzen Waren u. s. w. treiben. . Die hier befindliche Abtei (um 660 gestiftet durch Dieudonné oder Dié, Deodatus), der die Stadt ihren Ursprung verdankt und deren Prior Papst Leo IX. war, wurde 1625 in ein Stift umgewandelt und 1777 in ein Bistum, welchem König Stanislaus Leszezynski die Grafschaft Diez überließ. Ebenderselbe sorgte nach dem Brande der Stadt im Juli 1757 für deren Aufbau, errichtete Wohlthätig⸗ [keits⸗ und Bildungsanstalten, legte Kanäle und Springbrunnen an, und seitdem hat sich der Ort weiter verschönert. Bei D. finden sich drei Mineralquellen, Marmorbrüche, Kupfer⸗ und Eisenminen. Diebesdaumen, ein im Volksaberglauben eine große Rolle spielender Gegenstand. Alles, was von einem Hingerichteten herrührt, gilt für glückbringend: ein Fingerglied oder ein anderes Knöchelchen eines Karmen Sünders »‚ in dem Geldbeutel aufbewahrt, mehrt das Geld und läßt den Beutel nie leer werden; es schützt den Dieb, daß der Bestohlene nicht aufwacht, bewahrt vor Ungeziefer, schafft, unter der , dalm. vergraben, bestänalem Haussegen u. dgl. m. Letzteres bewirkt vor allem ein Daumen eines ander ten Diebes, der auch dem Kaufmanne unveränderliches Glück bringt, wenn derselbe neben oder unter die Waren gelegt wird. Für solche Reliquien entstand daher unter Abergläubischen eine starke Nachfrage, die nicht immer befriedigt werden konnte. Deshalb wurden auch wohl aus Bein und sonstigem Material geschnitzte sog. D. als chere Schrauke“ getragen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 320Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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