Diniz (da Cruz e Silva, Antonio), portug. Dichter, Schöpfer des heroisch-komischen Epos in Portugal, geb. 4. Juli 1731 in Lissabon, studierte die Rechte in Coimbra, praktizierte dann als Advokat in Castello-de-Vide bei Portalegre, erlangte jedoch bald eine Stellung als Regimentsrichter in der Festungsstadt Elvas. Im J. 1774 weilte er in Lissabon, von wo aus er 1776 nach Rio de Janeiro, als Obertribunalsrat, versetzt wurde. Dort blieb er 11 Jahre, nahm von 1787 -91 Aufenthalt in Lissabon, um in diesem Jahre abermals nach Brasilien esandt zu werden, und zwar als Beirat des Kanzers Xavier de Vasconcellos Coutinho, welcher den Aufstand von Minas-Geraes unterdrücken sollte. Dort starb D. 5. Okt. 1799. D. ist einer der Mitbegründer der berühmten akademischen Gesellschaft ades neuen Arkadiens (Arcadia Ulysipponense), die es sich zur Aufgabe gemacht halen eine Erneuerung und Wiedergeburt der verfallenen Litteratur u erzielen; die aber, in ihrer kurzen Lebensfrist 1756—74), durch die Hilfe ihrer talentvollsten Mitglieder, des D., Domingos de Reis Quita, Garçäo und Figueiredo, nur das nebensächliche Ziel erreichte, die verwahrloste Dichtersprache zu der Reinheit und Echtheit der Sprache des 16. Jahrh. zurückzubilden. D., dessen arkad. Name Elpino Nonacrienses ist, hat mehr als 300 Sonette, viele Eklogen, Canzonen, Elegien, Epigramme u. s. w. verfaßt; außerdem ein längeres Gedicht: „Metamorphosen Brasiliensꝰ, eine Komödie; 40 falso heroismov, und mehrere Bände pindarischer Oden, welche bei seinen Lebzeiten großen Enthusiasmus erregten und ihm den Beinamen des portug. Pindar verschafften. Sein Meisterwerk ist jedoch das heroisch-komische Evos »Der Weihwedel⸗ (4O Hyssopen), das er zwischen 1760 und 1774 in wenigen Tagen, die noch dazu eine schwere Augenkrankheit trübte, während seines Aufenthaltes in Elvas auf Grund eines daselbst vor sich Dolleaus 4 Ereignisses dichtete. D. ahmt darin Boileaus Lutrino —v was Stoff, Form und einzelne Stellen betrifft, doch in so freier, eigentümlicher und vollendeter Weise, daß man sein Epos vom ästhetischen Standpunkte aus als ein ungleich gelungeneres komisches Epos bezeichnen muß. Herausgegeben wurde es mehrfach zu Paris (1802, 1817, 1821 und 1834); 1828 ward es von Boissonade in franz. Prosa übersetzt (Par.); eine neue Ausgabe mit vortrefflicher Einleitung von F. Deins erschien 1867 unter dem Titel Le Goupillono (Par.) — Eine Gesamtausgabe der Werke des D. (mit Ausschluß des Epos), erschien von 1807 bis 1817 in Lissabon (6 Bde., Poesiasv). Vgl. Reinhardstoettner, Der Hyssope des A. Diniz in seinem Verhältnisse zu Boileaus Lutrino (Lpz. 1877).