FeedDias (Antonio Gongalves)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Dias (Antonio Gongalves), ausgezeichneter brasil. Dichter, geb. 10. Aug. 1823 zu Caxias in der brasil. Provinz Maranhäo, erhielt seine wissenschaftliche Bildung in Portugal und widmete sich auf der Universität zu Coimbra der Rechtswissenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Brasilien ward er Staatsanwalt zu Maranhäo, entsagte aber nach kurzer Zeit dieser Stellung, um sich zu Rio de Janeiro seiner Neigung für Poesie und litterarische Beschäftigung hinzugeben. Er beteiligte sich mehrfach an Zeitschriften, besonders im Interesse des Theaters, und trat selbst mit mehrern Dramen auf: Leonor de Mendoçav, Boabdib, Beatrice Cencio, die jedoch von geringer Bedeutung sind. Seinen Ruf als Dichter begründeten die Primeiros cantos v (Rio Janeiro 1846). Hierauf wurde er zum Lehrstuhl für brasil. Geschichte in Rio de Janeiro berufen und von der Regierung 1850 nach Europa Glands um die wissenschaftlichen Anstalten Deutschlands und Frankreichs kennen zu lernen. Nachdem D. eine welz von Jahren besonders in Deutschland verweilt, wo er auch mehrere seiner Werke veröffentlichte, kehrte er 1858 nach Brasilien zurück. Hier ward er als Historiker und Ethnograph der Gesell09 15 von Gelehrten beigegeben, welche auf Kosten er Regierung die Provinz Ceara und die Uferlandschaften des Amazonenstroms zu bereisen hatte. Doch fand er sich durch die Beschwerden dieser Erpedition so aner Geun daß er 1862 zur Wiederherstellung seiner Gesundheit abermals nach Europa reiste. Er lebte erst in Dresden und Teplitz, den Winter 1863—64 in Lissabon, dann in Sapoven, Ems und Paris. wieder nas als zuvor, schiffte er sich im Sept. 1864 wieder nach Brasilien ein, starb aber auf dieser Reise gerade in dem Moment, wo das S 0 angesichts der Küste von Maranhäo Schiffbruch litt, 3. Nov. 1864. D. hatte sich mit der franz., engl. und deutschen Litteratur vertraut gemacht und ist als der bedeutendste Lyriker zu bezeichnen, welchen Brasilien bisher aufzuweisen hat. Er verstand es, eine stark ausgeprägte Subjektivität mit einer durchaus nationalen Färbung zu vereinigen und seine schwungvollen Ergüsse doch in edler Einfachheit, seine vaterländischen Schilderungen im volksmäßigen Balladenton, seine erotischen Empfindungen in vollendet musikalischen Rhythmen ausseine Dort Daß Garrett, Espronceda und Zorrilla seine Vorbilder gewesen, * nicht zu verkennen. Eine Gesamtausgabe seiner lyrischen Poesie, welche außer den erwähnten Primeiros cantos v auch die „Segundos cantoso (1848) und Ultimos cantoso 1851) umfaßt, hat er in Deutschland selbst veranstaltet unter dem Titel Cantos (4. Aufl., 2 Bde., Ipz. 1865). Von seinen übrigen Werken sind noch die vier ersten Gesänge eines amerik. Epos: 408 Timbyraso (Lpz. 1857), und das DDiccionario da lingua Tupyr (Lpz. 1858) zu nennen. Nach seinem Tode erschienen seine hinterlassenen Werke als«Obras Posthumaso (mit Biographie, Rio de Janeiro 1866). Vgl. Wolf, Le Brésil Littéraire (Berl. 1863); Bulhas Pato, 4Sob os Cipresteso (Lissab. 1877) und Almanaque de lembranças de 18730 (Lissab.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 304Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6