FeedDisconto
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Disconto (ital. sconto, frz. escompte) oder Discont heißt der bei der Auszahlung einer in der Summe anerkannten Schuld gemachte Abzug am Nennbetrage. Wenn z. B. der ind. 0 uldner seine Wechsel einlöst, ehe sie fällig sind, so berechnet er sich dafr einen D. Am gebräuchlichsten ist die Bezeichnung für diejenigen Abzüge, welche bei Auszahlungen, beziehentlich Ankäufen von später fälligen Schuldtiteln, besonders Wechseln, gemacht werden. Hier ist der D. eigentlich nur vorweg in Abzug gebrachter Zins. Am häufigsten ist der D. in Anwendung bei Schulden, welche in kurzen Fristen fällig sind, und zwar besonders bei Wechselschulden. Discontierung (Escomptierung) oder Discontogeschäft wird daher auch fast ausschließlich als technischer Ausdruck im Wechselgeschäft angewendet, und D. bedeutet in der Regel soviel wie Zins für Wechselschulden. Der D. wird herkömmlich stets in oder von Hundert berechnet, während er der Entstehung nach auf Hundert berechnet werden sollte. Er ist, anders als der Zinsfuß, ungemein veränderlich. Disconthäuser sind Bankhäuser, welche gewerbsmäßig Wechsel discontieren. Das Discontieren ist eine Folge der ausgedehnten Kreditwirtschaft. Der Verkäufer zieht auf den Käufer einen Wechsel für den Betrag des Kaufpreises auf die Grenzzeit der Stundung des letztern. Durch Discontierenlassen dieses Wechsels vermag er sich alsbald Geld zu verschaffen. Selbst hohen D. zahlt er unter Umständen gern, wenn er nur im Interesse seines Geschäfts zu augenblicklichen günstigen Einkäufen möglichst bald wieder über sein Kapital disponieren kann. Man ersieht hieraus, wie höchst wichtig das Institut der Discontierung für die gesamte Volkswirtschaft ist. Die Bestimmgründe für die Höhe des Zinses sind im wesentlichen auch die Bestimmgründe für die Höhe des D. Aber der durchschnittliche landesübliche Zinsfuß ist für längere Perioden meist höher als der durchschnittliche V der Discontkurs schwankt ungleich stärker als der Zinsfuß und ist in verschiedenen Ländern weniger gleichartig als dieser; noch sind weitaus nicht alle die besondern Einflüsse auf den oft sehr rasch schwankenden D. aufgeklärt, wenigstens nicht in mathem. Genauigkeit. Dies alles erklärt sich aus der Eigentümlichkeit der vorzugsweise zur Discontierung verwandten Kapitalien und aus dem raschen Wechsel, welchem unter dem Einflusse veränderter Konjunkturen Angebot und Nachfrage bei der Discontierun unterworfen sind. Wie jeder Preis, so richtet si auch der Mietpreis (Zins) des durch den Verkauf lurzfristiger Wechsel bis zu deren Verfallzeit gewissermaßen geliehenen Geldes, d. i. der D., nach Angebot und Nachfrage von und nach Discontierungen. Die auf seiten des Discontonehmers (Geldgebers) einzuhaltende „Discontopolitike findet am bedeutsamsten bei den großen Banken ihren Ausdruck; sie erhöht den Discontosatz bei anhaltend wachsendem großen Geldgesuch gegen Discontowechsel und erschwert dadurch zwar die Verdiscontierung, hält aber den nötigen Geldvorrat im Lande zurück; sie mindert den Discontofuß, wenn der Geldstand flüssig und der Discontobegehr mäßig ist, und erleichtert dadurch die Benutzung, die fruchtbare Cirkulation des Geldes. An manchen Handelsplätzen werden die Preise der realen Waren unter der Voraussetzung der Gewährung einer usancemäßigen Kreditfrist notiert, und es kommt dann für den Fall gleich barer Zahlung ein ebenfalls usancemäßig normierter Discontosatz (Rabatt; s. d.) in Abrechnung, welcher aber meist feststeht oder doch selten sich verändert. In neuester Zeit wendet man den Ausdruck adiscontiereno oder «escomptiereno im Handelsverkehr bisweilen für das Inrechnungziehen eines in Aussicht stehenden, eines vermuteten Ereignisses an, welches auf den Kurs von Einfluß sein muß; so wird z. B. in der Kursstellung ein erwarteter Friedensschluß, ein gewisses Ertragsergebnis eines Aktienunternehmens «eskomptierto. [Eris. iscordia (at.), Göttin der Zwietracht, s. unter

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 389Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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