FeedDisentis oder Dissentis
ErdkundeBrockhaus 1882

Disentis oder Dissentis, Vorf im Bezirk Vorderrhein des Len M. Kantons Graubünden, liegt 1159 m über dem Meere, auf dem linken Ufer . 16 der Medeln mit dem sich 1 Km südlich vom Dorfe der Medelser⸗ oder Mittelrhein vereinigt, hat (1880) 1304 roman, und kath. E. und besitzt ein großes Benediktinerkloster, das 614 durch den schott. Mönch Sigisbert, einen Schuler des heil. Columbanus, gegründet wurde. Von hier aus verbreitete sich das Christentum durch die Thäler Graubündens, weshalb auch der Abt des Klosters die Albanssuß über den ganzen Bezirk und das Urserenthal führte. Während des franz. Revolutionskriegs wurde hier 1799 eine franz. Grenadierkompagnie von graubündner Schützen überfallen und niedergemacht. Aus Rache dafür steckten die Franzosen im Mai 1799 den Ort und die Klostergebäude in Brand, wobei eine merkwürdige Sammlung von sehr alten Handschriften zu Grunde ging. Die Klostergebäude, nach der Einäscherung von dem verarmten Stifte sehr einfach wiederhergestellt und 1847⁷ wieder von einem Brande hart beschädigt, beherbergen außer den wenigen Konventualen ein kath. Gymnasium und eine roman. Druckerei. Unter den Abten von D. sind zu erwähnen Peter Pultinger, der 1424 einer der Stifter des Grauen Bundes war, und Christian von Castelberg, welcher 1579 die Reichsfürstenwürde erhielt, von den Konventualen Pater Placidus a Spescha, geb. 1752, gest. 1833 zu Truns, einer der ersten Erforscher des bündner Oberlandes. Bei D. zweigt von der großen Straße des Rheinthals, die sich über die Oberalp (2052 m) nach Andermatt im Urserenthale fortsetzt, die 1878 vollendete Poststraße über den Lukmanier ab. Vgl. Theobald, „Das bündner Oberlando (Chur 1861).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 390Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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