Thier-Garten, Vivaria ferarum, Parc des Bêtes sauvages, pflegen von grossen Herren deswegen angelegt und beliebet zu werden, daß man darinnen so wol lebendig gefangenes, als von anders woher gesandtes Wild, an Hirschen und Rehen etc. aufbehalten, die Dam-Hirsche vor den räuberischen Wölffen sicher bewahren, die Thiere selbst in diesem Gehege desto leichter und geschwinder zur Nothdurfft erhaschen, auch wol insgemein zur Belustigung angenehme Spatzier-Fahrten darinn anstellen könne. Zu welchem Ende man zu solchen Thier-Gärten keinen andern Ort aussiehet, als wo schattigtes Gehöltze von häuffigen Eich- und Buch-Bäumen, anmuthiger guter Wiese-Wachs, reines Fließ-Wasser oder wenigstens frische Teiche anzutreffen sind. Zu desto sicherer Beybehaltung des Wildes pfleget man um diesen ihme zur Alimentation gewidmeten District und eingegebenen Raum an einigen Orten eine Mauer, anderwerts eine Plancke, wiederum anderwerts eine starcke Seule (darinn kleine Balcken eingezapffet und mit aufstehenden Reisern ausgezäunet sind) und endlich noch anderswo grosse tieffe wohlbezäunte Gräben aufzuführen. An jetzt besagten rings herum geführten Befestigungen dieses Thier-Gartens, giebt es auch hier und dar verschiedene Thore, und in denenselben, ausser der grossen Pforten, noch kleine Thüren, dadurch man aus- und einreuten kan, ohne daß man nöthig hat, die rechten Haupt-Thore zu öffnen. Nicht weniger zieret auch ein auf einem lustigen Hügel errichtetes Lust- Haus den Thier-Garten hauptsächlich. Doch muß vor allen dieses als etwas überaus nothwendiges remarqviret werden, daß man einen wohlgestalten Thier-Garten mit einer oder (nach Proportion des darinne logirten Wildes, welches sich, wenn ihrer viel beysammen, nicht allzu wohl vertragen kan) mehr Heu-Scheunen und Ställen versehe, in solche eine zulängliche Qvantität Heu, und nach Befindung etwas Haber verlege, auch Krippen und Rauffen drein baue, damit bey harter Winters-Zeit, sonderlich, die von der kurtz vorhergegangenen Brunst annoch entkräffteten Hirsche sich wieder refraichiren, und nicht ins Gras beissen müssen. Damit man auch seinen Thier-Garten vermehren, und die Anzahl des inhafftirten Wildes ie länger ie ansehnlicher machen möge, so verstattet man auch fremden Thieren mit sonderbarem Fleiß hie und da gewisse Einsprünge, welche also beschaffen, daß die Thiere sich zwar hinein machen, keinesweges aber wieder heraus setzen können. Die Sache wird also practiciret: Man lässet den Zaun um den Thier-Garten an einem Orte etwas niedriger, schüttet ausserhalb desselben einen Berg auf, darauf das neugierige Thier treten, und von dannen recta in den Garten hinein schauen kan. Jnwendig aber muß gleichfalls ein Hügel, wiewol etwas niedriger Höhe als der auswendige aufgeworffen, um denselben her aber höltzerne und mit Stangen-Reisern und Rasen belegte höltzerne Böcke gesetzt seyn, auf solche Weise wird das fremde Weide suchende Wild dieses für einen festen Grund ansehen, und getrost einen Sprung hinein wagen. Wolte hergegen das im Thier-Garten eingeschlossene Wild auf gleiche Art versuchen heraus zu springen, wird es doch, wenn es mit den Läufften durch hin fähret, davor erschrecken und zurücke lauffen.