Dohna, altes Dynastengeschlecht, welches schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. mit dem Burggrafentum D. bei Pirna in ½½ belehnt war und bereits im 13. Jahrh. sehr bedeutende Güter besaß. Schon zur Zeit Karls d. Gr. soll Stadt und Burg D. bestanden haben; letztere, von welcher nur noch geringe Trümmer übrig sind, wird 1107 in Urkunden n Mein Nachdem beide von Markgraf Wilhelm von Meißen 1402 zerstört worden waren, wandte sich die Familie nach Schlesien, der Lausitz und Böhmen. Die noch blühenden Linien stammen von Heinrich von D., von dessen Söhnen Christoph die Schlesische und Stanislaus die Preußische Linie Abral Der Schlesischen Linie gehörte an Graf braham II. von D., einer der bedeutendsten Staatsmänner seiner Zeit, welcher 1613 starb. Sein Sohn, Karl Hannibal von D., gest. 2I. Febr. 1633, ein gleich eifriger Katholik wie sein Vater, wurde von Kaiser Ferdinand II. zu den wichtigsten Unterhandlungen gebraucht. Der Dichter pitz war Sekretär bei ihn. Mit seinem Enkel Karl Hannibal II. erlosch 1711 die Schlesische Linie. Bis auf diese Zeit nannten sich die D. stets nur Burggrafen und Herren zu D.» Erst durch Kaiser Romifken III. 1648 wurden sie in des Heiligen ömischen Reichs Grafenstand erhoben. Stifter der Preußischen Linien war Burggraf Stanislaus zu D., dessen Nachkommen sich gegen die Mitte des 16. 100 dem Protestantismus zuwandten. Sein Enkel, Fabian von D., geb. 1550, nahm an einem Feldzuge des 155 Stephan von Polen teil, trat dann in des Pfalzgrafen Johann Kasimir Dienst, begleitete diesen im Kriege in den Niederlanden und führte 1587 und 1591 deutsche ½½ dem König Heinrich von Navarra (nachmals Heinrich IV.) zu. Nach seiner Rückkehr nach Preußen wurde er vom Kurfürsten Joachim Friedrich zum Oberstburggrafen von Preußen ernannt. Er starb unverehelicht 1622. Von seines Bruders, des Grafen Achatius (gest. 1619), Söhnen stammen die noch dabzan u Linien des Hauses D. ab, und zwar von Fabian II. (geb. 1577, gest. 1631) die Lauckische und Reichertswaldische, von Christoph, dem jüngern, die Schlobittensche und . Keiherten Linie. Die Majoratsherrschaften Lauck, Reichertswalde, Schlobitten-Pröckelwitz und Schlodien-Carwinden wurden 15. Okt. 1840 —* Grafschaft D. erhoben und die jedesmaligen Besitzer derselben sind seit 12. Okt. 1854 erbliche Mitglieder des preuß. Herrenhauses. A. Die ältere Fabiansche) Hauptlinie, welche noch in dem Zweige D.⸗Lauck besteht, wird durch den Grafen Friedrich von D., geb. 11. Juni 1844, Majoratsherr auf Lauck, vertreten, während ein zweiter Zweig, D.⸗Reichertswalde, 1878 erloschen it. B. Die jüngere Hauptlinie wurde von Graf Christoph von D. (geb. 1583, gest. 1637) begründet. Seine Nachkommen stifteten die beiden Speziallinien D.⸗Schlodien und D.⸗Schlobitten, welche noch in Blüte stehen. Ahnherr der Linie D.⸗Schlodien war Graf Christoph von D.⸗Schlodien, geb. 2. April 1665 auf Schloß Coppet am Genfersee, gest. 11. Okt. 1733, preuß. General der Infanterie, Werkl. Geh. Staats⸗ und Kriegsrat, 1689 Kommandeur des aus franz. Emigranten gebildeten Regiments im Feldzuge gegen Ludwig XIV., 1698 und 1699 Gesandter in London, seit 1716 verabschiedet auf seinen Gütern lebend. Er ist Verfasser der cMémoires originaux sur le règne et la cour de Frédéric Lr, roi de Prusser (Berl. 1833). Vgl. Voigt, (Des Grafen Christoph von THistor. und Gesandtschaftslebeno in Raumers «Histor. Taschenbuch v (1853). Die Wrr. des Grafen Christoph wurden Stifter der Unterlinien: 1) Schlodien und Carwinden, begründet vom Grafen Karl Florus von D. (gest. 1765), gegenwärtig vertreten durch den Grafen Karl von D., geb. 29. Sept. 1814, Majoratsherr auf Schlodien und Carwinden; 2) Kotzenau, begründet vom Grafen Wilhelm von D., gest. 1749, preuß. Generallieutenant, gegenwärtig repräsentiert von Graf Wilhelm von D., geb. 10. Jan. 1841. — Ahnherr der Linie D.⸗Schlobitten war Graf Alexander von D., geb. 25. Jan. 1661 zu Schloß Coppet am Genfersee, der Bruder Christophs, des Stifters der Linie D.⸗ Schlodien. Derselbe wurde 1691 kurbrandenb. Staatsminister, 1695 Generallieutenant und später Oberhofmeister des Kurprinzen, nachmaligen Königs Aurh er Wilhelm I. Seit 1713 Feldmarschall, tarb er 25. Febr. 1728. — Sein Sohn, Graf Alexander Amilius von D., starb bei Soro 30. Sept. 1745 den Heldentod. — Dessen Enkel, Graf Friedrich Ferdinand Alexander von D.⸗Schlobitten, preuß. Staatsminister, geb. 29. März 1771 auf Schloß Finkenstein in Preußen, machte in Frankfurt a. O., Göttingen und auf der Handelsschule zu Hamburg seine Studien und bewies als Kammerdirektor zu Marienwerder 1806 und 1807 große Energie. Er ermöglichte vorzugsweise die andauernde Verteidignng der Weichselfestungen, welche er rechtzeitig verproviantiert hatte. D. wurde 1808 an Stelle Steins Minister des Innern, führte viele Reformen, z. B. die Städteordnung, die neue Organisation der Staatsbehörden u. s. w. durch und schied 1810 aus dem Staatsdienste. Erst 1812 erschien er wieder im öffentlichen Leben und wirkte mit großem Eifer als Generallandschaftsdirektor zur Erweckung des Patriotismus. Er gehörte 0 den Männern, welche die preuß. Landwehr ins Leben riefen. Kurz zuvor hatte ihn der König zum Civilgouverneur der Provinz Preußen ernannt. Er starb 21. März 1831. Vgl. Voigt (Leben D.sv (Lpz. 1833). — Graf Karl Friedri Emil von D., Bruder des vorigen, preuß. Feldmarschall und Oberstkämmerer, geb. 4. März 1784, trat 1798 in die preuß. Armee, zeichnete 5 im Feldzuge von 1807 aus und stand später den Männern nahe, die für Preußens und Deutschlands Befreiung wirkten. Als Preußen gegen Ende 1811 das Bündnis mit Frankreich gegen Rußland schließen mußte, nahm D. den Abschied und ging nach Rußland, kämpfte bei Borodino und half die Konvention zwischen Nork und Diebitsch (30. Dez. 1812) abschließen. Bei Errichtung der Russisch-Deutschen Legion erhielt er deren 2. Husarenregiment, das er 1813 und 1814 ruhmvoll führte, trat 1815 in preuß. Dienste zurück und wurde 1839 kommandierender General des 2., 1842 des 1. Armeekorps, 1848 bei seinem 50jährigen Dienstjubiläum General der Kavallerie, nahm 1854 den Abschied, den er als Generalfeldmarschall erhielt, und starb 21. Febr. 1859. — Haupt der Linie D.⸗Schlobitten ist Graf Richard von D., geb. 6. April 1807, Majoratsherr auf Schlobitten und Pröckelwitz, Landhofmeister im Königr. Preußen, erbliches Mitglied des Herrenhauses.