FeedAlbrecht der Beherzte
GeschichteBrockhaus 1882

Albrecht der Beherzte, Herzog von Sachsen, Stifter der Albertinischen, gegenwärtig königl. sächs. Linie, geb. 17. Juli 1443, war der jüngere Sohn des Kurfürsten Friedrich des Sanftmütigen. Proben seines Mutes legte er schon als 12jähriger Knabe ab, als er 1455 nebst seinem Bruder Ernst durch Kunz von — geraubt wurde. (S. Prinzenraub.) Am 11. Nov. 1459 ward zu Eger A.s Vermählung mit Zedena (Sidonie), der neunjährigen Tochter des hussit. Königs Georg Podiebrad von Böhmen, mit großer Pracht gefeiert, jedoch erst nach dem am 7. Sept. 1464 erfolgten Tode seines Vaters vollzogen. Von jetzt regierte er mit seinem Bruder Ernst, der die Kurwürde erhielt, gemeinschaftlich. Im J. 1466 eroberten die Brüder von Heinrich II., dem ehemaligen Burggrafen von Meißen, Stadt und Schloß Plauen. Als ihnen nach dem Tode ihres Oheims Wilhelm III. 1482 auch noch die thüring. Stammländer als Erbschaft zufielen, führte solcher Länderzuwachs zur Teilung der sächs. Stammländer und Trennung der Ernestinischen und Albertinischen Linie. Im Leipziger Vertrageß vom 26. Aug. 1485 wählte A., dem nach altem Rechte als dem Jüngern die Wahl zustand, die sog. Meißener Portion. Er unterstützte 1475 als Marschall und gewaltiger Bannerträgero den Kaiser Friedrich III. egen Karl den Kühnen; 1476 unternahm er eine ilgerfahrt nach Jerusalem. Nach seiner Rückkehr trat er als Vermittler in Händeln des Kaisers mit Matthias Corvinus von Ungarn auf. Auch später führte er im Interesse des bedrängten Kaisers das Reichsheer gegen Corvinus, mußte aber aus Manel an Mitteln den unvorteilhaften Vertrag von Markersdorf 1487 abschließen. Bald darauf eilte er, seinen Sohn Georg als Stellvertreter in Sachsen zurücklassend, nach den Niederlanden, um Maximilian I. zu befreien, der 1488 von den Bürgern zu Brügge gefangen genommen worden war. Er übernahm daselbst den Oberbefehl über das kaiserl. Heer und kämpfte nun mit Unterbrechung mehrere Jahre mit den Niederländern. Auf dem Reichstage zu Freiburg im Breisgau wurde ihm 1498 die Würde eines erblichen Gubernators und Potestaten von sarb 12. Übertragen. A., schon länger leidend, starb 12. Sept. 1500 in Emden. In seiner zu Mastricht 1499 aufgesetzten letztwilligen Verfügung bestimmte er seinem ältesten Sohne Georg die Regierung in den meißenschen Landen, Heinrich die Erbstatthalterwürde von Friesland und begründete auf diese Weise in der Albertinischen Linie die Erbfolge nach dem Rechte der Erstgeburt. Am 8. Nov. 1876 wurde zu Meißen ein Denkmal A.s, eine Bronzestatue von Hultzsch und Bierling, enthüllt. Vgl. Langenn, «Herzog A. der Beherzte (Lpz. 1838).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 349Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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