FeedDorset
VerkehrBrockhaus 1882

Dorset, Grafschaft im südl. England (im Altertum Land der Durotriges), begrenzt im S. von dem Britischen Kanal, welcher hier die Halbinseln Purbek und Portland bildet, im W. von den Grafschaften Devon und Somerset, im N. von Somerset und Wiltshire und im O. von Hampshire, hat ein Areal von 2538 qkm und 190979 E. Der hier gesprochene Dialekt ist ein direkter Zweig des Angelsächsischen, reiner und weicher als das National-Englische. Der Boden, dessen vorherrschendes Gestein die Kreide bildet, ist im ganzen flach, aber von Reihen niedriger gerundeter Berge (Downs) durchzogen, welche hier enden, aber mit malerischen Steilküsten zun: Kanal abfallen. Die Dorsethöhen erreichen 275— 280 m. Sie werden von den Flüssen Stour, Frome, Piddle, Wey und Brit durchbrochen. Die Küste hat zwei tiefe Einschnitte: die Bai von Studland mit dem Hafen Poole, und die durch die Halbinsel Portland gebildete Weymouthbai. Wiewohl einzelne Striche sehr fruchtbar, das Klima der Grafschaft außerordentlich mild, fehlt ihm doch ein begründeter Anspruch auf die herkömmliche Benennung des „Gartens von Englando. Zwischen Blandford und Hampfhire erstreckt sich ein beträchtlicher Wald, und Poole ist von ausgedehnten Torfmooren umgeben. Der Boden hat überwiegend Weiden und Wiesen, aber es findet auch viel Acker⸗, Hanf- und Flachsbau, Schafzucht und Fischerei, sowie Woll-, Hanf- und Leinspinnerei und Weberei und Handel mit den Landeserzeugnissen statt. Die Southdownuschafe sind berühmt, sowie die Käse. Purbek liefert ausgezeichnete Töpfererde und Portland vorzügliche Quadersteine. Die Hauptstadt ist Dorchester (s. d.). Zahlreiche Eisenbahnen durchziehen D. Von der Grafschaft selbst werden 3, außerdem von den Städten noch 11 Abgeordnete ins Parlament geschickt. Vgl. Warne, HDorsetshire, its vestiges, celtie, roman, saxon and danisho (1865); Hutchins «IIistory of the county of D., revised by R. Gougho (4 Bde., 1795—1815). . —. war früher der Titel der Familien Beaufort (s. d.) und Grey (s. d.); später aber wurde er der Familie Sackville verliehen, die von Hildebrand Sackville abstammte, einem der normann. Häuptlinge, die mit Wilhelm dem Eroberer nach England kamen. Der erste Graf von D. war Thomas Sackville, geb. 1536, der als Lord Buckhurst ins Oberhaus trat. Lord Leicester brachte ihn zwar bei der Königin Elisabeth in Ungnade; doch nach Leicesters Tode wendete sie sich ihm nur um so mehr zu, machte ihn zum Kanzler der Universität Oxford und 1598 zum Großschatzmeister. Nach dem Tode der Königin bemühte er sich in seiner hohen Stellung für König Jakob J., der ihn dafür zum Grafen von D. erhob. D. starb 1608 und ist der Verfasser des bekannten Mirrour of magistrateso (1559), eines erzählenden Gedichts, sowie der ersten regelrechten engl. Tragödie: Ferrex and Porrexv, die seit 1565 öfters (von 1590 an unter dem Titel Gorboduco) gedruckt erschien. — Edward Sackville, Graf von D., Enkel des vorigen, geb. 1590, wurde unter Jakob I. zu den wichtigsten Staatsgeschäften gebraucht. Bekannt ist er insbesondere als Verteidiger des der Bestechung angeklagten Kanzlers Bacon von Verulam im Unterhause. Als Karl J., bei dem D. wegen seiner Rechts ananre in großem Ansehen stand, 1640 nach Schottland reiste, ward er zum Reichsverweser ernannt. In dem Streite des Königs mit der Nation stand er demselben erst vermittelnd, dann kämpfend zur Seite. Durch die Hinrichtung des Königs tief erschüttert, starb er 1652. — Charles Sackville, Graf von D., bekannt als Dichter und Staatsmann, geb. 1637, stand, ohne ein Amt zu bekleiden, am Hofe Karls II. in Port Ansehen. Er begleitete 1665 den Herzog von Hork in den Krieg gegen die Holländer. Hier dichtete er vor dem großen Seetreffen das auf der engl. Flotte beliebte Lied To all vou ladies now at lando. Unter Jakob II. widersetzte er sich ener⸗⸗ gisch den despotischen Übergriffen der Regierung. und wurde deshalb seines Postens als Lord-Lieutenant von Sussex enthoben. Am Hofe Wilhelms III., der ihn zu seinem Lord-Kämmerer ernannte, glänzte D. als Schöngeist und Mäcen. Er starb 1706 zu Bath. Seine Gedichte sind gesammelt in Johnsons Ausgabe brit. Dichter (Lond. 1780 u. öfter). Lionel Cranfield, Sohn des vorigen, wurde 1720 von Georg I. zum Herzog von D. erhoben. — John George Frederick, Herzog von D., ein Jugendfreund Byrons, geb. 1815, vererbte die Würden des Hauses auf seinen Vetter, Charles Germain, Viscount Sackville und Baron Bolebroocke, geb. 1767, der unter Georg IV. und Wilhelm IV. das Amt eines Oberstallmeisters bekleidete und 29. Juli 1843 ohne Leibeserben verstarb, sodaß der Herzogstitel mit ihm erlosch.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 497Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Verkehr 6