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NaturlehreBrockhaus 1882

Durham eine der nördlichsten Grafschaften Englands, im Bergbaudistrikt, im N. durch Tyne und Dervent von Northumberland, im S. durch den Tees von Yorkshire getrennt, im W. an Cumberland und Westmoreland und im O. an die Nordsee grenzend, hat auf 2620,—j2 qkm 867586 E. (1881, gegen 390997 im J. 1851). Man hat drei Teile zu unterscheiden; ein kleiner Teil im W. liegt in den Moorlanden der Penninischen Kette und enthält Bleibergwerke; ein breiter Streifen Kohlenland erstreckt sich von Northumberland durch die Mitte, und eine Zone welligen Ackerlandes zieht deh längs der Küste hin, im +1 Teile mit Salzergwerken. Der Boden des Landes ist also im 4 und besonders im W. gebirgig, ziemlich rauh und unfruchtbar, aber dort gerade am besten kultiviert,‚ der — größere Teil mehr eben, schön und mild. — Bergkette, die meist kahl und mit großen warzen Torfmooren und Schafheiden bedeckt sind und im Kilhope Law 669 m Höhe erreichen. Hier entspringen der Wear und der Tees (letzterer mit einem 15 m hohen Wasserfall, dem größten in ganz England), welche, wie die Tyne, weit landeinwärts selbst für Seeschiffe fahrbar sind. Den Hauptreichtum des Landes bilden seine Mineralien und insbesondere sein berühmtes Steinkohlenfeld, welches mit dem von Northumberland zusammen einen Kohlendistrikt von 1191,5 akm bildet. Die labrliche Ausbeute beträgt 30 Mill. t Kohlen. Die jährliche wovon die am Platze befindlichen Schmelzhütten 50000 t konsumieren. Die Gießereien am Tyne liefern jährlich 50000, die am Tees 100000 t. Am Tyne werden 3000 t Stahl produziert und etwa 5500—6000 t Blei in und um Neweastle geschmolzen. Die Ofen am Tyne, Wear und Tees liefern ährl. 50 Mill. Glasflaschen. Neben dem ausgeehnten Berg- und Hüttenbetrieb besteht auch einiber Ackerbau und bedeutende der Riech Ein groer Teil des Bodens gehört der Kirche; aber die Zahl der Pachtungen ist dennoch groß. Die kurzgehörnte 1 Mich, die f die Teeswater-Rasse) gibt täglich 27 1 Milch, die sich besonders zur Käsebereitung eignet. (Vgl. Rau, „Das Durham-Viehv, Stuttg. 1857.) Andere Nahrungsquellen gewähren die Benutzung der Solquellen, Fischerei, Schiffbau, rege Industrie und beträchtlicher Ausfuhrhandel, namentlich mit Kohlen. Hauptsächlich fabriziert man Eisen⸗ und Bleiwaren, Glas, Papier, Leder, irdenes Geschirr, Vitriol, Salmiak, Leinwand und Drill. Viele reiche und angesehene engl. Familien haben hier ihre Wohnsitze. Zahlreich sind die Eisenbahnen. Die Grafschaft schickt vier Abgeordnete in das Parlament, sechs andere schicken die Städte und zwar D. und Sunderland je zwei, Gateshead und Shields je einen. ie Hauptstadt Durham, Parlamentsborough, Municipalstadt und als Bischofssitz City, liegt 370 km im NNW. von London, an der Eisen1055 18 km von der Nordsee, auf einer steilen An⸗ — e, die auf drei Seiten von dem dreifach überrückten Wear umgeben ist (daher der alte Name Dunholm, d. h. 00 auf einer Insel) und an deren Gehänge schöne «schwebende Gärtenv und Promenaden sich anlehnen. Alte Ringmauern umgeben den obern Stadtteil; im Osten des Wear liegt der gut gebaute Stadtteil Elvet. D. ist der Sitz eines prot. Bischofs der Erzdiöcese Vork, der an 20000 Pfd. St. Jahreseinnahme hat und in frühern Zeiten die bürgerliche und peinliche Gerichtsbarkeit des Landes (Patrimonium St. Cuthberti) übte, überhaupt wie ein Landesherr schaltete, weshalb die Grafschaft auch Bishopric oder Bistum D. hieß. Erst 1832 wurde sein Titel Pfalzgraf von D. aufgehoben. Den Gipfel der Anhöhe krönt die von Mauern umgebene große, prächtige Kathedrale, welche im normann.⸗sächs. Stil 1093—1220 erbaut wurde, 140,5 melang, 61 m breit und im Mittelturm 65,8 hoch ist und die Gräber des heil. Cuthbert und des Beda Venerabilis enthält. Auf derselben Höhe steht etwas gegen Norden das von Wilhelm dem Eroberer 1072 erbaute Schloß, lange Zeit Sitz des Bischofs, jetzt der Universität, die 1657 von Cromwell gegründet wurde. Sie ging wieder ein, ward aber 1831 vom Domkapitel erneuert und 1837 durch königl. Brief inkorporiert (1869 mit 80 Studierenden). Daran stößt der alte imposante Turm und das große viereckige Gebäude der Schatzkammer nebst der prächtigen Bibliothek. Unter den öffentlichen Gebäuden sind noch bemerkenswert: das 1555 erbaute Rathaus auf dem mit einem Springbrunnen gezierten Marktplatz, das 1850 aufgeführte Stadthaus, das Theater und das Gesellschaftsgebäude, besonders aber das 1809 für 140000 Pfd. St. erbaute Gefängnis bei dem Gerichtshofe. D. besitzt eine Lateinschule, ein Priesterseminar der Hochkirche, eine wissenschaftliche Akademie, ein Handwerkerinstitut, eine Korrektionsanstalt, ein Kranken- und Versorgungshaus und zählt (1881) 14932 E., die Teppiche, Papier, Hüte, Leder⸗, Eisen⸗ und Messingwaren fabrizieren und Senf und Bier bereiten. In der Nähe sind Kohlengruben und Mineralquellen. D. ist von den Angel672 Durham (John George Lambtor sachsen gegründet und hieß anfangs Dunholm (lat. Dunelmia), wurde 998 Sitz des hierher verlegten Bistums von Lindisfarne (Holy-Island, an der Küste der an der schott. Grenze liegenden Exklave der Grafschaft) und 1069 von den Normannen, 1088 von König Wilhelm II. wegen Felonie des Bischofs erobert. Hier wurde 1138 ein Friede zwischen England und Schottland 49. Volte 17. Okt. 1346 Schottlands König, David Bruce, von der engl. Königin Philippa bei dem nahe im Norden gelegenen Orte Nevills-Croß besiegt und gefangen. Die Schotten eroberten 1645 die Stadt, räumten sie aber schon im folgenden Jahre.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 671Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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