Dumas (Alexandre) der Jüngere (D. fllso), Sohn des vorigen, ebenfalls vielgenannter franz. Roman⸗ und Theaterdichter, geb. 28. Juli 1824 zu Paris, begann seine litterarische Lausbahn als Ljähriger Jüngling beim Abgange vom Gymnasium mit einem Band Gedichte. Nachdem er seinen Vater auf der Reise nach Spanien und Nor begleitet, schrieb er die KAventures de quatre femmes et d'un perroqueto (6 Bde., Par. 1846—47). Bald nachher veröffentlichte er seine Romane: La Dame aux caméliase (2 Bde., Par. 1848), Le roman d'une femmes (4 Bde., 1849), Diane de Lyso (3 Bde., 1851), (La dame aux perleso (3 Bde., 1852), La boite d'argento (1855), WLa vie à vingt anso (1856), die seinen Ruf nicht bloß in Frankreich, sondern auch im Auslande begründeten. Später folgte namentlich noch L'affaire Clémenceaus (1867). Diese Romane zeichnen sich aus durch einfachen, natürlichen Stil, dramatische Situationen und pikante Schilderungen. Gleichzeitig begann D. auch seine Romane zu Theaterstücken umzudichten. La Dame aux caméliaso (1852), Diane de Lyso (1853) und Le Demi-Monden (1855) gefielen so, daß jedes dieser drei Stücke sogleich mehr als hundert Vorstellungen hintereinander erlebte. Etwas geringern Erfolg hatten La question d'argento (1857), Le fils naturelo (1858), Le père prodigues (1859); dagegen war „L'ami des femmeso (1864) das einzige von allen seinen Stücken, das vollständig durchsiel. Sodann folgten: Le supplice d'une femmen (1865; gemeinschaftlich mit E. de Girardin), Les idées de Madame Aubrayn (1867), Le filleul de Pompignace (1869), La visite de noces (1871), La Princesse Georgesv (1872), La femme de Claude- (1873), Monsieur Alphonses (1873), LEtranschaftlich mit dem Russen Corvin und unter dem Pseudonym Pierre Newski erschienen), La comtesse Romani (1876; gemeinschaftlich mit G. Fould und unter dem Namen Gustave de Jalin erschienen), Joseph Balsamo „ (1878; aus dem Roman D. des Altern ausgezogen und unter dessen Namen veröffentlicht). Als dramatischer Dichter hat D. einen eigentümlichen Entwickelungsgang durchgemacht und Werke von sehr verschiedener Beschaffenheit hervorgebracht. Die Stücke aus seiner ersten Zeit (1852 —59 bewirkten eine rasche und entscheidende Umwandlung der berrie Bühne und erzeugten den seitdem darauf herrschend gebliebenen Realismus, der Stoffe der Gegenwart behandelt, ihre Farbe trägt und ihre Sprache redet. Le Demi-Monde ist unstreitig sein bestes Lustspiel, da es ohne +* dringliche Tendenz und dem wirklichen Leben a gelauscht ist. Auch in seinen spätern Werken, wie La visite de noceso, 4La Princesse Georgeso u. s. w., in denen die tendenziöse Färbung schon schärfer hervortritt, zeigt sich noch ein fleißiges Studium der Wirklichkeit und die eigentümliche Schärfe der Beobachtung, welche die Stücke seiner frühern Zeit auszeichnet, in denen zwar auch schon das Recht gefallener Frauen auf die Achtung und Sympathie der Männer, das Wünschenswerte der Ehescheidung und andere Lieblingsideen des Dichters zur Sprache kommen, aber auf eine Art, die man sich gefallen lassen kann, weil dieselben in einer lebendigen und natürlichen Handlung vorgeführt werden. Den Tendenzstücken seiner dritten Periode fehlt es dagegen an wirklichem Leben; alles darin ist falsch oder schief: Situationen, Charaktere, Sprache und Leidenschaften. D. wähnt sich berufen, die Gesellschaft zu bessern und umzugestalten, und seine Stücke sind dazu bestimmt, seinen Reformideen und sozialen Hypothesen Ausdruck zu verleihen. Für dieselben trat er auch ein in einer Reihe von Broschüren: Lettres sur les choses femmes qui tuent et les femmes qui votento (8. und in der Streitschrift Le divorce 1880). In der Ausgabe seines Théatre complete (4 Bde., Par. 1868— 70; neue Ausg., 5 Bde., 1877) ist jedes seiner Stücke mit einer Vorrede eingeleitet. D. wurde 12. Febr. 1875 in die Französische Akademie aufgenommen.