FeedAksäkow (Sergei Timofejewitsch)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Aksäkow (Sergei Timofejewitsch), russ. Schriftsteller, geb. 1. Okt. 1791 in Ufa, besuchte das Gymnasium zu Kasan und die dortige Universität, gin 1807 nach Petersburg und fungierte bis 1812 bei der Gesetzgebungskommission, lebte dann mehrere Jahre auf seinen Gütern im Gouvernement Orenburg und ließ sich 1826 in Moskau nieder, wo er einige Zeit Censor war. Nachdem ein 1846 in der Zeitschrift Moskoyskij Véstnik Aassehen lichtes Bruchstück seiner Familienchronik‘ Aufsehen erregt hatte, fesselte das unter dem bescheidenen Titel „Demerkungen über den Fischfango (Mosk. 1847) erschienene Buch durch lebendige Naturschilderungen und liebenswürdigen Humor die allgemeine Aufmerksamkeit. In den Memoiren eines Jägers im Gouvernement Orenburgo (Mosk. 1852), deren Fortsetzung die Erzählungen und Erinnerungen eines Jägers) (Mosk. 1855) bilden, schildert A. die romantische Welt seiner heimatlichen Steppen und Wälder. Sein Hauptwerk ist die genannte «Familienchroniko (Mosk. 1856; deutsch von Ratschinski, Opz. 1858), ein den Eindrücken 1 Jugendzeit entnommenes Gemälde altruss. Stilllebens, das sich durch psychol. Wahrheit und Tiefe des Gefühls auszeichnet. Ein zweiter Teil erschien unter dem Titel „(Bagrows Kindheito (Mosk. 1858). Außerdem hat man von A. eine Biographie (Mosk. 1853) seines Freundes, des Romanschriftstellers Sagoskin (s. d.) und eine Auswahl kleinerer Schriften (Mosk. 1858). Er starb in Moskau 12. Mai 1859. — Konstantin A., des vorigen Sohn, Dichter und Schriftsteller, geb. zu Moskau 10. April 1817, studierte, nachdem er durch seinen Vater eine sorgfältige Erziehung genossen, auf der moskauer Universität und wurde dort 18479 3Ahe nach Verteidigung seiner (1846 erschienenen) Abhandlung: «Lomonossow in der Geschichte der russ. Litteratur und Sprache v5. In dem Lustspiele Knjaz Lupovickijo (3. Aufl., Lpz. 1861) stellte er den gesunden Naturalismus des russ. Volks der Afterbildung der höhern Stände gegenüber, machte sich auch durch die dramatische Parodie «Oleg vor Konstantinopelo (Petersb. 1858) bekannt. über die von der russ. Regierung bei Aufhebung der Leibeigenschaft getroffenen Maßregeln schrieb er Bemerkungen: Zamédanija na ustrojstvo krestjano (über die Organisation des russ. Bauernstandeso, Lpz. 1861), in denen er sich als enthusiastischen Verehrer des altslaw. Gemeindesystems zeigte, an deren Vollendung er jedoch durch den Tod verhindert wurde. Seit der Mitte der vierziger Jahre war A. der Mittelpunkt der von ihm, seinem Bruder Iwan und seinen Freunden Juri Samarin, Chomjakow, Kirejewski u. a. begründeten sog. Slawophilenpartei, welche eine Rückkehr des russ. Lebens zu seiner nationalen, von Peter d. Gr. verlassenen Grundlage erstrebt und in der griech. Kirche und dem Institut des ungeteilten Gemeindebesitzes die Bürgen für Rußlands und des Slawentums Zukunft sieht. Er starb im Dez. 1860 auf der Insel Zante. Neben eigenen Poesien veröffentlichte A. auch übersetzunen von Schiller und Goethe. — Sein Bruder wan A., geb. 8. Okt. 1823, besuchte 1857 im Auftrag der russ. Geographischen Gesellschaft die Hercht Messen der Ukraine, von welchen er eine eschreibung (&IZslödovanija o torgovlé ete.„, Petersb. 1858, deutsch in Bodenstedts Russ. Fragmenteno, Lpz. 1862) veröffentlichte, und war seit 1861 Herausgeber einiger moskauer Zeitschriften, welche panslawistische Peen mit Eifer und nicht ohne Geschick verfechten. Nachdem der Dens 1866 eingegangen war, begründete A. die Moskva und etwas später Moskviso (der Moskowite), die beide wegen ihrer Richtung verboten wurden. Vor Beginn des Russisch-Türkischen Kriegs von 1877— 1878 hielt er in der «Slawischen philanthropischen Gesellschafto in Moskau eine energische und scharfe Rede im slawophil-⸗nationalen Geiste, wegen derer die Regierung ihn auf einige Monate aus Moskau auswies und die Gesellschaft selbst aufhob. Vom Ende 1880, als sich die Lage der Litteratur in Bezug der Censur etwas verbesserte, begann er wieder eine wöchentliche Zeitschrift „Ruso (Rußland) in derselben slawophilen Richtung. A. ist jetzt der einflußreichste Vertreter des sog. Moskauero Panslawismus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 298Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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