Dunganen, die mohammed. Bewohner des nordwestl. China und der Dsongarei (s. d.), türk.⸗tatar. Ursprungs, von den Chinesen Choi-Choi genannt, cien 4 Mill. zählend. Durch Abstammung, Reigion und Sitte von ihren sie hart bedrängenden chines. Herren geschieden und ihnen von jeher feindlich gesinnt, unternahmen sie es, das verhaßte Joch 1862 durch eine allgemeine Erhebung abzuschütteln. Die Städte Si-ning, Te-tung und Su-tscheu in der Provinz Kan-su waren bald in den Händen der Insurgenten; die chines. Besatzungen, soweit sie nicht auf die Seite der Empörer und zum Mohammedanismus übertraten, wurden niedergemacht. In festern Punkten behaupteten sich jedoch die chines. Garnisonen. Gleichzeitig erhoben sich die D. der nordwestlichern Dsongarei, im Thian-schan, und nahmen die Stadt Urumtschi; 1864 schlossen sich ihnen die ostturkestan. Tarantschi an, mit deren Hilfe 1866 die Stadt Kuldscha und das Gebiet des obern Ili den Chinesen entrissen wurde. Obgleich es den D. an jeder einheitlichen Organisation fehlte, machten sie weitere Fortschritte; 1869 verheerten sie nordöstlich vom Kukunor Ordos und Alaschan, 1870 plünderten sie Uljassutai und ein Jahr später Kobdo, die Hauptpunkte der westl. Mongolei. Die Besatzunn dieser Städte wagten keinen Widerstand zu leiten. Doch man würde irren, wollte man aus diesen Erfolgen mannhafte Tapferkeit als eine charakteristische Eigenschaft der D. ableiten. Der russ. Oberst und geogr. Forschungsreisende Prschewalskij bezeichnet die D. als ebenso feig wie die Chinesen; sie sind nur dann kühn und verwegen, wenn ihnen ein ernster Widerstand nicht entgegentritt. Der ganze Krieg besteht in gegenseitiger Überlistung, und die D. legen bei der grausamen Vertilgung ihrer Gegner dieselben unmenschlichen Eigenschaften an den Tag wie diese. Nachdem das ganze östl. Turkestan, das Thian-tschan-Gebiet und der westliche Teil der Provinz Kan-su verloren gegangen, ermannte sich die chines. Regierung, um die D. nicht in die nördl. Provinzen des eigentlichen China eindringen zu lassen, und sendete eine 40000 Mann starke Aurg Armee 1872 nach Kan-su. Aber General Tso-tsungtang mußte seine Milizen erst organisieren, sodaß die D. Zeit erhielten, sich bei der Stadt Si-ning bis gegen 70000 Mann stark anzusammeln. Die Belagerung wurde seitens der Chinesen auf die Absperrung des Platzes und Beschießung der Stadt aus vier leichten Kruppschen Kanonen beschränkt, während die D. sich feig hinter ihren Mauern hielten und selbst unter den günstigsten Verhältnissen keinen Ausfall wagten. Endlich fiel Si-ning durch Hunger, und nun begann die grauenhafteste Ermordung derjenigen, die sich nicht hatten durch die Flucht retten können; gegen 10000 D., ohne Unterschied des Geschlechts und Alters, sollen allein in die Abgründe des Gebirgs hinabgestoßen worden sein. Im Laufe des Winters 1872/73 eroberten die Chinesen die dunganischen Städte Ssen-huan, Ju-nan-tscheu und Te-tung; was nicht zum Buddhismus übertrat, wurde ermordet. Neu verstärkt, brachten sie auch endlich im Sommer 1873 den Hauptort der Insurgenten, die Stadt Su-tscheu, wieder in ihre Gewalt; auch 10 wurde niedergemacht, was sich nicht u den westl. Glaubensgenossen nach der Dsongarei üchten konnte. Somit war der Aufstand in der Provinz Kan-su bewältigt. Zwar unterstützte Jakub-Beg (s. d.), der Atalik-Ghazi von Kaschgar und Beherrscher des Reichs Dschiti-Schahar, nunmehr die D., doch gelang es dem General Tso-tsung-tang, den Aufstand bis zum Jan. 1878 völlig niederzuwerfen und alles vormals chines. Gebiet, mit Ausnahme des inzwischen von den Russen besetzten Kuldscha, der chines. Herrschaft wieder zu unterwerfen. Vgl. Prschewalstö, „(Die Mongolei und das Land der Tanguten» (Bd. 1, Petersb. 1875, russisch); Wassiljew, „Die mohammed. Bewegung in China (Petersb. 1867, russisch); von Löbell, „Jahresberichte über die Veränderungen und Fortschritte im Militärwesen (Bericht über die chines. Armee, Berl. 1879).