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ErdkundeBrockhaus 1882

Ili, asiat. Steppenfluß, Gebiet und Stadt in China. Der Fluß Ili, einer der Hauptflüsse Innerasiens, entspringt unter dem Namen Tekes am Nordabhange des Thian-schan oder Himmelsgebirges östlich von dem 6860 m hohen Tengri-an (Geisterkönig) und dem 3470 m hohen Tekespasse. Der Fluß durchströmt zuerst in nordöstl. Richtung den südl. Teil der Dsongarei und biegt sich, nachdem er den Namen J. erhalten hat, gegen Westen, indem er südlich von dem westlich streichenden Arme des Alataugebirges verläuft, wendet sich hierauf mehr gegen Nordwesten und ergießt sich, nach einem Laufe von 1150 km, mit einer dreiarmigen, 52 kKm langen und 22 km breiten Deltamündung in den Balkaschsee. In seinem obern und mittlern Laufe ist er reißend, im untern aber verliert er an Kraft und bietet der Schiffahrt keine Hindernisse. Das Thal des J. ist historisch merkwürdig als Durchzugsweg der gegen Westen strömenden Völkerwanderungen seit den ältesten Zeiten bis auf die Mongolen im 13. und die Kalmücken im 17. Jahrh. Die Stadt Ili, auch Küre oder Kura, Guldscha oder Kuldscha oder auch Houei⸗-Yüen genannt, 1 km nördlich vom J. gelegen, wurde 1760 von den Chinesen an der Stelle der schon im 13. und 14. Jahrh. vorkommenden und später als Residenz der Dsongaren-Chane blühenden Ortschaft Almalig oder Armalig (Armalico) gegründet. Die Stadt war früher blühender und bevölkerter als jetzt, zählt noch gegen 20000 E., Dsongaren, —— ren, Tadschiks und Chinesen. Ihre frühern Festungswerke verfallen mehr und mehr. Die Stadt ist schlecht gebaut, die Straßen sind eng und schmutzig und von den öffentlichen Gebäuden, wie die chines. Tempel, die Moscheen, Kasernen, Schau⸗( spielhäuser u. s. w., sind nur wenige bemerkenswert. Der Ort entwickelt viele Handwerksthätigkeit und ist ein wichtiger Handels- und Meßort Mittelasiens, welchen selbst Kaufleute aus Kaschmir und Indien besuchen. Nachdem die Dunganen (s. d.) 1866 die chines. Herrschaft in J. gestürzt hatten, gab der Schutz, den flüchtige Kirgisen in J. fanden, für Rußland Veranlassung zur militärischen Besetzung des Landes, die mit der Einnahme der Stadt J. 4. Juli 1871 beendigt war. Doch versprach die russ. Regierung dasselbe beim Einrücken chines. Truppen wieder zu räumen; demnach wurde in dem Grenzvertrag vom 24. Febr. 1881 der größere Teil des Gebiets mit der Hauptstadt wieder an China zurückgegeben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 536Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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