FeedAconitsäure
NaturlehreBrockhaus 1882

Aconitsäure, Equisetsäure, Citridinsäure, von Peschier 1820 in Aconitum Napellus entdeckt, von Bennerscheidt in Aconitum Stoerckeanum, von Wicke in Delphinium Consolida L. nachgewiesen; Liebig zeigte die Identität der von Braconnot und von Regnault in vielen Equisetumarten gefundenen, als Equisetsäure bezeichneten Säure mit der A. Zur Darstellung der Säure werden die durch Aufkochen von Eiweiß u. dgl. befreiten ausgepreßten Pflanzensäfte zur Honigkonsistenz verdampft, worauf nach längerm 2. dur aconitsaurer Kalk auskrystallisiert: dieser, durch Waschen von anhängender Aianrem Ain befreit, wird durch Kochen mit kohlensaurem Natron in leicht lösliches Natronsalz verwandelt; nach dem Neutralisieren der Iese mit Essigsäure wird durch Bleizucker unlösliches aconitsaures Blei gefällt, welches nach gründlichem Waschen mit Wasser durch Schwefelwasserstoff zersetzt wird. Die vom Schwefelblei getrennte Lösung der Säure wird im Wasserbade zur Trockne gebracht, der Rückstand in AÄther gelöst, wobei Verunreinigungen zurückbleiben; die ätherische Lösung wird vetßumitet und die Säure dann aus Wasser umkrystallisiert. Nach dem Krystallisieren aus Wasser bildet die A. ungefärbte Blättchen, Warzen oder Krusten von der Zusammensetzung CHe O6 oder CHa (CO OLU)s; sie ist leicht in Wasser, Alkohol und Ather löslich; die ätherische Lösung effloresziert beim Verdunsten sehr stark; schmilzt bei 140˙, kommt bei 160 in lebhaftes Sieden, wobei sie unter Abspaltung von Kohlensäure sich in IJtaconsäure verwandelt. Die A. ist eine dreibasische Säure und bildet demnach drei Wader von Salzen, in denen je ein, zwei oder drei Wasserstoffatome der Karboxylgruppe durch Metalle ersetzt sind. Die Salze sind meist in Wasser löslich und krystallisierbar, die neutralen Blei⸗, Silber⸗ und Eisenorxydsalze sind in Wasser unlöslich, aber in stärkern Säuren leicht löslich. Der neutrale Ather entsteht beim Sättigen der Säurelösung in absolutem Alkohol mit Salzsäure und Abscheiden mit Wasser; derselbe bildet eine schwere ölige Flüssigkeit, die nicht, ohne Zersetzung zu erleiden, zu destillieren ist. Die AÄ. steht in naher Beziehung zur Citronensäure (CeHs Or); sie unterscheidet sich von dieser durch einen Mindergehalt der Elemente von einem Molekül Wasser und kann auf leichteste Weise aus Citronensäure dargestellt werden. Zu dem Behufe erhitzt man Citronensäure in einer Retorte anfangs ziemlich stark, wobei Schmelzung und lebhaftes Aufschäumen stattfindet, unter Abgabe von Wasserdämpfen, Kohlensäure und Kohlenoxyd, darauf folgen weiße Nebel von weitern Zersetzungsprodukten, worunter Aceton, bei weiterm Erhitzen verschwinden die weißen Dämpfe und es erscheinen ölige Streifen von Itaconsäure im Retortenhalse. Sobald diese bemerkt werden, ist die Erhitzung zu unterbrechen; der Rückstand in der Retorte besteht nunmehr zum größten Teil aus A. nebst wenig unzersetzter Citronensäure. Nach dem Erkalten behandelt man diesen mit Ather, welcher frei von Wasser und Alkohol ist; die A. wird davon leicht aufgenommen und so von der darin so gut wie völlig unlöslichen Citronensäure getrennt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 118Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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