FeedEinteilung
HeilkundeBrockhaus 1882

Einteilung (lat. divisio) bezeichnet die logische Operation, durch welche der Umfang eines allgemeinen Begriffs in vollständigen Reihen der ihm untergeordneten Artbegriffe dargestellt wird. Diese Artbegriffe, die Einteilungsglieder (membra divisionis), entstehen dadurch, daß der einzuteilende Gattungsbegriff durch verschiedene Merkmale determiniert wird, welche in einer und derselben Reihe liegen, resp. die sämtlichen möglichen Einzelfälle eines Allgemeinmerkmals im Gattungsbegriffe darstellen. Nach der Zahl der Einteilungsglieder heißt die E. Dichotomie bei zwei, Trichotomie bei drei, Polytomie bei mehrern Teilungsgliedern. Das Merkmal des eingeteilten Begriffs, nach welchem sich die E. richtet, heißt der Teilungsgrund (Principium divisionis), und jede C. bedarf eines solchen Einteilungsgrundes, weil sonst die Glieder einer E. nicht in einer Reihe der Unterordnung liegen würden. Es gibt daher für jeden Begriff so viel mögliche Einteilungsgründe, wie viele seiner Merkmale nähern Bestimmungen zugänglich sind; daher man z. B. den Begriff Mensch nach den Unterschieden des Alters, des Geschlechts, der Stände u. s. w. einteilen kann. Die Anwendung mehrerer Einteilungsgründe führt zu koordinierten C. oder Nebeneinteilungen (codivisiones), die fortgesetzte E. schon gewonnener Teilungsglieder zu subordinierten oder Untereinteilungen (subdivisiones). Ferner unterscheidet man in den Naturwissenschaften die künstlichen Klassensysteme von den natürlichen. Jene beruhen darauf, daß man unter vielen möglichen Einteilungsgründen einen leicht sich darbietenden herausgreift und danach ein gegebenes Gebiet einzuteilen sucht, z. B. die Pflanzenwelt nach der Zahl der Staubfäden; diese dagegen suchen durch die Verknüpfung mannigfaltiger, den Typus einer Klasse von Naturwesen charakterisierender Merkmale eine geordnete übersicht hervorzubringen, und ordnen die verschiedenen Glieder der C. in eine von den einfachsten und unvollkommensten zu den verwickeltern und vollkommenern aufsteigende Reihe an. Dabei erfordert eine gute C., daß die Teilungsglieder einander vollkommen ausschließen und zugleich den Umfang des Begriffs erschöpfen, sodaß in ihrer Reihenfolge keine Sprünge oder Lücken (hiatus in dividendo) vorkommen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 838Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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