Elektrische Kondensatoren (Verdichtungs⸗, Ansammlungs⸗ oder Ladungsapparate der Elektricität) beruhen auf der elektrischen Influenz (s. Elektricität) und dienen dazu, die ungleichnamigen Elektricitäten auf isoliert entgegenstehenden Metallplatten zu verdichten, und dadurch kräftigere Wirkungen zu leisten, als durch die elektrischen Quellen (Elektrisiermaschinen, Voltasche Elemente u. dgl. m.) allein. Dies läßt sich zeigen, wenn (wie auf beistehender Fig. 1) zwei isolierte Metallplatten A und B eintät der Platte B. Die negative Elektricität wird anezogen, die positive abgestoßen. Ist Bmit der Erde eitend verbunden, so fließt von ihr die positive Influenzelektricität auf die Erde über. Dagegen wird ihre negative Elektricität durch die positive Clektricität der Platte 4 gebunden. Und umgekehrt wird auch diese positive Elektricität durch die daß auf der Platte B größtenteils gebunden, sodaß auf der Platte A nur ein sehr kleiner Teil der ihr zugeführten positiven Elektricität frei bleibt. Dadurch wird es möglich, daß aus der elektrischen Quelle 4211 neue positive Elektricität auf die Platte Aübergeht, welche abermals durch Influenz die Kucher2 Clektricität auf B vermehrt u. s. w. In solcher Weise ziehen sich die entgegengesetzten Elektricitäten nach dem isolierenden Zwischenmittel hin, binden sich gegenseitig und verdichten sich. Dies geschieht so ange, bis die Dichte des freien Teils der positiven Elektricität auf der Platte A derjenigen an der elektrischen Quelle (. B. am Konduktor der Elektrisiermaschine) gleich geworden ist. Von da an ist jede weitere Ladung obiger Platten unmöglich. Jeder auf diesem Prinzip beruhende, die Elektricität verdichtende Apparat heißt Elektrischer Kondensator (elektrischer Verdichtungs-, Ansammlungs- oder Ladungsapparat). Die Platte A, welche die Elektricität zugeleitet erhält, nennt man Kollektorplatte, die Platte B, welche die entgegengesetzte Influenzelektricität zur Erde fabiadie Kondensatorplatte. Die Ladungsfähigkeit oder die cKKapazitäto eines Kondensators heißt diejenige Menge der Elektricität, welche er aufnimmt, wenn er mit Clektricität von der Dichte leigentlich Potential, s. Elektrisches Potential) 1 geladen wird. Das Verhältnis der elektrischen Kapazität eines Kondensators zu jener seiner Zuleitplatte, wenn sie einfach, d. i. ohne Kondensation elektrisch geladen wird, nennt man die akondensierende Krafto oder die «Verstärkungszahlo des Kondensators. Diese sowohl wie die elektrische Kapazität hängt von der Form und Größe der Metallplatten des Kondensators, ferner von der Natur und Dicke des isolierenden Zwischenmittels (s. Dielektrische Körper), ja sogar von der Zu⸗ und Ableitungsweise der Elektricität ab. Beide wachsen proportional der Plattenfläche und der Dichte der zugeführten Elektricität und nehmen zu, je weniger dick das isolierende Zwischenmittel 3. B. die Glasscheibe C, Fig. 1) ist. Bei dicken Zwischenisolatoren ist daher der überschuß in freier Clektricität größer als bei dünnen. Die größte Verdichtung ist erreicht, wenn das mit der Kollektorplatte oder der zuführenden Elektricitätsquelle verbundene Elektroskop seinen höchsten Stand angenommen hat. Läßt man an einem Kondensator (Fig. 1) die Metallscheiben durch eine Glastafel trennen, so ergibt sich die Franklinsche Tafel (1756). Da man bei dieser die Scheiben nicht voneinander entfernen will, so wird dieselbe gewöhnlich so gebildet, daß auf beiden Seiten einer Glastafel Stanniol (die sog. Zinnblattbelege) angeklebt wird, jedoch mit der Vorsicht, daß einige Centimeter ringsum am Rande der Glastafel vom Stanniol frei bleiben. Dieser Saum wird überdies noch mit Schellackfirnis oder Siegellacklösung (Alkohol als Lösemittel) überzogen, was zur Vermeidung des Niederschlags von Wasserdämpfen, wodurch zwischen den beiden Belegen eine leitende Verbindung her⸗ —.f würde, notwendig ist. Wenn das eine Beleg (also die Metallfläche der einen Seite) mit einer elektrischen Quelle (Elektrisiermaschine u. f. w.), die z. B. positive Clektricität liefert, in Verbindung ist, während das andere Beleg mit der Erde leitend verbunden wird, so nimmt aus dem oben erörterten Grunde das erste Beleg eine große Menge positiver, das andere, mit der Erde in leitender Verbindung stehende, eine fast ebenso große Menge negativer Clektricität auf. Diese beiden entgegengesetzten Elektricitäten suchen sich zu vereinigen, und dringen daher beiderseits bis auf eine gewisse Tiefe in die Glastafel ein. Hiervon überzeugt man sich mittels der «Zerlegtafels (Fig. 1). Schiebt man nämlich von einer solchen elektrisch geladenen Tafel die Metallplatten ab, entladet sie dann beide und legt sie wieder an die Glastafel, so Ue sich die so hergestellte Franklinsche Tafel noch beiderseits elektrisch geladen, wenn auch etwas schwächer als früher. Dieser Versuch zeigt also, daß die entgegengesetzten Elektricitäten zu beiden Seiten des Glases eindringen. Ist dieses zu dünn, so wird es von jenen Clektricitäten durchbrochen, indem sie sich wirklich vereinigen. Die Franklinsche Tafel ist dann unbrauchbar geworden. Werden die Belege einer geladenen Franklinschen Tafel durch einen Leiter, z. B. einen Metalldraht, verbunden, so erfolgt, unter starker Lichterscheinung und lautem Knall, die plötzliche Vereinigung der beiden entgegengesetzten, auf den Belegen angesammelten Elektricitätsmengen. Man sagt dann, die Franklinsche Tafel wird entladen. Während dieser Entladung geht durch jenen Verbindungsleiter (Ausladere) ein elektrischer Entladungsstrom. Anstatt einer ebenen Glastafel kann man auch ein cylindrisches Glas oder eine Flasche (Fig. 2) inKamin und fast gleichzeitig auch von Fig. 2. Cunäus in Leiden erfunden wurde. flasche geht ein starker Draht, der am obern Ende eine Metallkugel trägt und mit seinem untern Ende die innere Belegung des Glases belegt. Man ladet die Verstärkungsflasche, indem man ihre äußere Belegung mit der Erde leitend verbindet (am einfachsten, indem man sie bei der äußern Belegung in der Hand hält), während man den Zuleitknopf an den Konduktor einer thätigen Elektrisiermaschine (s. d.) hält. Ihre Entladun erfolgt, ähnlich wie bei der Franklinschen Tafel, durch eine leitende Verbindung der beiden Belege, z. B. durch einen Draht oder mittels eigener «Auslader». Ein solcher besteht gewöhnlich aus zwei, vermittelst Gelenks verbundener Drahtarme (s. Fig. 2 im Art. Batterie lelektrische, Bd. II, S. 561), deren jeder eine Metallkugel trägt. Beim Entladen berührt die eine Kugel die innere, die andere die äußere Belegung, wobei der Entladungsfunke mit Knall auftritt. Gewöhnlich ist der Auslader mit einem gläsernen Handgriff versehen. Dieser ist jedoch entbehrlich, wenn der Auslader in seiner Mitte gehalten wird, indem sich die entgegengesetzten Elektricitäten durch den Draht vereinigen, ohne auf den Hälter überzuspringen. Die Entladung der Verstärkungsflasche sowie der Franklinschen Tafel läßt sich auch durch einen Menschen oder durch eine Menschenkette leiten, wenn dieselben die äußere und innere Belegung des Apparats dadurch leitend verbinden, daß die erste Hand die äußere Belegung und die letzte Hand der Menschenreihe die innere Belegung des Apparats berührt; alle empfinden dann einen mächtigen Entladungsschlag und zwar, wegen der großen Geschwindigkeit der Elektricität, nahezu gleichzeitig. Mehrere solcher Leidener Flaschen, deren erste Melege unter sich und mit einer Clektricitätsquelle, und deren zweite Belege wieder unter sich und mit der Erde in leitende Verbindung gesetzt werden können, bilden die sog. elektrische Flaschenbatterie (s. Batterie lelettrischel, Bd. II, S. 560). Sowohl mittels einzelner als auch miteinander verbundener Verstärkungsgläser lassen sich alle mit der ler h. maschine (s. d.) angestellten Versuche, unter erhöhtem Erfolge, wiederholen. Außerdem werden die Kondensatoren noch benutzt zu den Studien der Entladung der verstärkten Elektricität, ihrer mechan. Wirkung, der Dauer und Geschwindigkeit des elektrischen Entladungsstroms, der elektrischen Wärmegesetze, sowie des elektrischen Glühens, Schmelzens und der elektrischen Zündungen (s. 42 Elektrische Lichterscheinungen und Elektrische Entladung). Der elektrische Kondensator findet ferner Anwendung bei der Influenzmaschine (s. d.), beim Ruhmkorffschen Induktor (s. d.) und beim Betriebe der unterseeischen Telegraphie (s. d.). Trennt man (Fig. 1) die Metallscheiben nur durch eine dünne Luft⸗, Schellack- oder Firnisschicht und verbindet eine der Platten mit einem empfindlichen Doppelpendelelektroskop, so erhält man (Fig. 3) das Kondensationselektroskop (Kondensator im andel Sinne von Volta 1782). Um die Doppelpendel (gewöhnlich zwei sich berührende Goldblattstreifen) bequem anbringen zu können, liegen die eben geschliffenen Messing- oder Kupferplatten A und B wagerecht, und jede derselben ist an der innern Seite gefirnißt; die untere Scheibe trägt leitend das Doppelpendel. Im übrigen ist das ö Instrument wie ein empfindliches Elektroskop (s. d.) ein⸗ FJig. 3. gerichtet. Man denke 900 vorläufig nur die untere Platte A allein vorhanden und mit einem äußerst schwach elektrischen Körper verbunden, so wird zwar diese Platte auch elek—⸗ trisch, aber nur in so geringem Grade, daß die elektrische Anzeige nicht erfolgen kann. Bleibt alles wie bisher, und bedeckt man die untere Platte 4 mit der obern B, wobei letztere mit dem Finger ableitend berührt wird, so erfolgt (wie beim Kondensator Fig. 1) eine Verdichtung der zugeführten Elektricität in der untern, sowie der ungleichnamigen Elektricität in der obern Platte. Entfernt man jetzt den elektrischen Körper und hebt die obere Platte parallel zur untern ab, so ist keine bindende entgegengesetzte Elektricität mehr vorhanden. Infolge dessen wird die mit der Elektricität des untersuchten Körpers gleichnamige Elektricität der untern Platte B frei, und treibt die Doppelpendel auseinander. Jetzt wird auch klar, warum hier die isolierende Zwischenschicht auf jeder Platte auf—⸗ getragen, also gleichsam spaltbar ist. Da sich nämlich die entgegengesetzten Elektricitäten in den festen Zwischenisolator hineinziehen, so muß auch jene isolierende Schicht mit abgehoben werden, welche die entgegengesetzte Elektricität besitzt. Das Kondensationselektroskop wird angewendet, um die schwächsten Spuren der Elektricität zur Anzeige zu bringen, weshalb es auch Mikro-Elektroskop genannt werden kann. Es wird angewendet für den Nachweis des Auftretens von Elektricität beim Druck der Körper, bei Spaltung eines Glimmerblattes, bei der Verdunstung von Flüssigkeiten, bei chem. Prozessen, z. B. bei der Verbrennung u. dgl. m.