FeedElektrische Polarisation
TechnikBrockhaus 1882

Elektrische Polarisation. Bei der Elektrolyse (s. d.) verdichtet sich an der positiven Platinplatte des Voltameters (s. d.) der negativ elektrische Sauerstoff, und an der negativ elektrischen Platinplatte der positiv elektrische Wasserstoff. Entfernt man nun die zersetzende Voltabatterie aus dem Stromkreise und verbindet man die Drähte des Voltameters miteinander, so läuft durch letztere ein elektrischer Strom, welcher die entgegengesetzte Richtung von demjenigen hat, der vordem durch die Platinplatten von der Batterie ausging. Dies kommt daher, weil jene Gase als Elektromotoren (. d.) wirken. Hierauf beruhen alle Gasbatterien, z. B. die von Grove. Es ist klar, daß durch die eben erwähnte Wirkung der Platinplatten der ursprüngliche elektrische Strom, als er noch durch die Platten ging, geschwächt werden mußte. Jede derartige, einen Gegenstrom bewirkende Ursache heißt elektrische, galvanische oder Voltasche Polarisation. In den geschlossenen Volta-Elementen (s. Galvanismus und Galvanische Batterie) bedecken sich die Metall- und Kohlenplatten mit den Bestandteilen der zwischen ihnen durch den elektrischen Strom zerlegten Flüssigkeiten; hierdurch wird die Oberfläche der in letztern tauchenden Plattenteile so verändert, daß der überzug die Quelle eines entgegengerichteten Polarisationsstroms wird. Infolge dessen tritt eine Schwächung jener Elemente ein, welche daher ungleichmäßig wirken. Um dieselben in ihrer Wirkung angenähert konstant zu erhalten, muß nach Möglichkeit der elektrischen Polarisation vorgebeugt werden. ö Bei den durch die elektrische Polarisation erhaltenen Gasbatterien läßt man von dem ursprünglichen elektrischen Strom eine chem. Arbeit vollbringen und wandelt dann letztere wieder in elektrischen Strom um. Diese Zurückerstattung der ursprünglichen Leistung des elektrischen Stroms läßt sich sogar auf spätere Zeiten verschieben, sodaß eigentlich in einem solchen Falle die Arbeit des Stroms für den zukünftigen Gebrauch aufgespeichert erscheint. Dieses Prinzip haben Sinsteden (1854) und Planté (1860) angewendet, um sehr wirksame Polarisationselemente zu konstruieren. In jüngster Zeit (1881) hat Faure diese noch wirksamer gestaltet und sie elektrische Accumulatoren genannt, weil sie die Arbeit des elektrischen Stroms für den künftigen Bedarf anhäufen. Im wesentlichen besteht der Fauresche Accumulator, ähnlich der Polarifationsbatterie von Planté, aus zwei großen, zusammengerollten, voneinander getrennten Bleiplatten, welche in gewässerter Schwefelsäure tauchen. Während jedoch bei Planté die reinen Bleiplatten mit den Gasen des zersetzten Wassers den Polarisationsstrom liefern, sind anfänglich bei Faures Accumulator die beiden Bleiplatten mit einer dicken Schicht von Mennige (s. d.) bedeckt. Leitet man einen längere Zeit dauernden elektrischen Strom durch ein solches Element, so verbindet sich der Sauerstoff des zersetzten Wassers mit der Mennige der positiv elektrischen Bleiplatte zu Bleiüberoryd, während der Wasserstoff die Mennige der negativ elektrischen Bleiplatte zu Blei reduziert. Verbindet man später die beiden Bleiplatten mittels eines Drahts, so erhält man einen kräftigen Entladungsstrom mit dem entgegengesetzten chem. Prozeß, wobei jenes Bleiüberoryd Sauerstoff verliert, und das reduzierte Blei der zweiten Platte wieder orxydiert. Das Element hat nun die in ihm einmagaziniert gewesene Arbeit zurückgegeben und kann aufs neue mit Elektricität geladen werden. Auf analogen Prinzipien basieren auch jene Accumulatoren, welche von andern nach Faure ausgeführt worden sind. Die Accumulatoren geben die angesammelte Arbeit in einem elektrischen Strome von höherer Spannung, jedoch in kürzerer Zeit wieder als die ursprüngliche Batterie, deren Strom von geringerer Spannung, dafür aber länger dauernd war.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 26Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Technik 6