Elektrische Lichterscheinungen kommen in verschiedenen Formen vor. Zu denselben gehört zunächst der elektrische Funke, welcher entsteht, wenn hochgespannte und entgegengesetzte Elektricitätsmengen sich in der Luft oder in einem andern schlechten Leiter neutralisieren. Bei größerer Schlagweite (s. Elektricität) beschreibt der elektrische Funke eine zickzackförmige Bahn. Dies kommt daher, weil er, infolge seiner großen Geschwindigkeit, die Luft vor sich her verdichtet; die stark verdichteten Stellen bieten ihm endlich einen solchen Widerstand, daß er eine andere Richtung nehmen muß. Cbenso verhält es sich mit der Zickzackbahn jenes mächtigen elektrischen Funkens in der Natur, welcher Blitz (s. d.) heißt. Wenn man den mit positiver Elektricität geladenen Konduktor einer Elektrisiermaschine (s. d.) mit einer sehr kleinen Kugel oder einer stumpfen Spitze versieht, so erhält hier der Konduktor eine so große elektrische Dichtigkeit, daß die Elektricität aus jenem Kügelchen Spitze, ohne gegenüberstehenden Luft als ein, nur im Finstern elektrisches Büschel übergeht, viele, nach außen divergierötliche Strahlen mit einem aus. Versieht man den nega-Konduktor der Clektrisiermaschine Spitze, so erscheint geräuschlos oder ein Lichtstern. An einer der Hand und gegen den ne-Konduktor der Elektrisiermaschine Entfernung hält, bemerkt man, Elektricität gegen den negativen Konelektrisches Lichtbüschel. Der dagegen negative Clektricität als ihr gegenüberstehende Kon-Elektrisiermaschine positiv elektrisch ist. und feine Spitzen strömt zwar leichtesten aus, aber die elektrischen Büschel der positiven Elektricität sind dann so klein, daß sie sich vom negativen Lichtstern nur schwer unterscheiden lassen. Auf einem solchen büschelartigen Ausströmen der Elektricität beruht das Elmsfeuer (s. d.). Jedes geräuschlose schwache elektrische Leuchten heißt elektrisches Glimmen. Das elektrische Glimmlicht tritt in ausgedehntem Grade auf, wenn man die Elektricität des positiven Konduktors, mittels eines Zuleiters, in den luft- oder gasverdünnten Raum eines geschlossenen Glasballons, eines sog. «Elektrischen führt, und am andern Ende, mittels eines Drahts, zum negativen Konduktor ableitet. Hierbei tritt dann das elektrische Glimmlicht zwischen zwei entgegengesetzt elektrische Spitzen oder auch Kugeln auf. Stärke des Leuchtens der nach der Gasart, in welcher überschlagen, verschieden. In der Luft intensiven Die Tarbe Mengen verschiedener Gase oder Dämpfe. Das elektrische Glimmlicht des Stick- und Wasserstoffs „erscheint rot, des Chlors grün, des Leuchtgases „weißlich, der Luft violett. über die verschiedenen 1Farbenstrahlen des elektrischen Lichts entscheidet die „Spektralanalyse (s. d.). Nach den Ergebnissen dereselben wirken in erster Linie an der Farbe des elektrischen Funkens und elektrischen Lichts überhaupt die glühenden Metalldämpfe mit, welche von den „durch die elektrische Entladung abgerissenen Teilschen der Konduktoren herrühren; dann beteiligen „sich auch dabei die glühenden Gasteilchen. Ein reines Gasspektrum kann man erst erhalten, wenn die glühende Zerstäubung der Konduktoren oder anderer Stromzuleiter hintangehalten wird (Aluminiumpole der Zu⸗ und Ableitung). Als Elektricitätsquelle für die Geißlerschen Röhren dient seltener die gewöhnliche Elektrisiermaschine, weil dieselbe zu ungleichmäßig und spärlich wirkt; noch weniger eine Voltabatterie (s. Galvanismus), weil dieselbe für diesen Zweck zu vielplattig, und daher zu teuer werden müßte, und man mittels eines Ruhmkorffschen Induktors (s. d.) mit nur wenigen Volta-Elementen zu den herrlichsten Leistungen auf diesem Gebiete gelangt. Es wird daher hier ein solcher Induktor am häufigsten angewendet; dann auch die Influenzmaschine (f. d.). In neuerer Zeit könnte man ferner die dynamo'elektris chen Maschinen (s. d.) und elektrische Accumulatoren Polarisation, galvanische) für das elektrische Licht der Geißlerschen Röhren verwenden. Sowohl im elektrischen Ei als in den Geißlerschen Röhren ist der negative Pol von einem blauen Glimmlicht umflutet, dem ein dunkler Raum folgt. Hieran schließt sich wieder ein helles elektrisches Glimmlicht, welches vom positiven, kräftig glühenden Pole ausströmt und welches bei höhern Verdünnungsgraden eine Schichtung, Streifung oder Stratifikation zeigt, die (Fig. 2) aus abwechselnd lichten und dunkeln Querbändern besteht. Dieselben sind etwas gebogen, mit der konkaven Seite gegen den positiven Pol. Ihre endgültige Erklärung ist noch nicht gegeben. Im allgemeinen tritt diese Schichtung besonders deutlich auf, wenn die Röhren sehr verdünnte brennbare Dünste, z. B. von Alkohol, Ather oder Terpentinöl enthalten; ferner wenn der Leitungswiderstand der Zuleitung erhöht wird, z. B. durch Einschaltung eines nassen Fadens. Je mehr man die Röhren auspumpt, desto mehr schreitet, jedoch schwächer werdend, das blaue Glimmlicht gegen den positiven Pol vor, und desto mehr verschwindet jener dunkle Raum, (1869) entdeckten Verhalten des negativen Glimmlichts bei hohen Verdünnungsgraden wollte Crookes aus einer Reihe herrlicher Glimmversuche auf einen vierten Aggregationszustand schließen (éStrahlende Materien 1879); seine Ansicht wurde jedoch mehrseitig (Gintl 1880, Puluj 1880) widerlegt. Die Untersuchungen über die elektrische Entladung in Gasen der Geißlerschen Röhren wurde überhaupt neuerdings (1879—81) mehrseitig gepflogen (Goldstein, Reitlinger und Urbanitzty, Voller, Zoch u. a. m.), nachdem das Licht derselben schon früher (1865 u. s. f.) von Plücker, Hittorf, Wüllner, Reitlinger und Kuhn u. a. m. studiert worden war. Wenn endlich die Verdünnung in den Röhren so weit gekommen ist, daß sich dieselben als luftleer ansehen lassen, dann geht kein elektrischer Funke mehr durch dieselben; ein vollkommenes Vacuum gehört also zu den Nichtleitern der Elektricität (s. d.). Auf den Lichtstrom in den Geißlerschen Röhren wirken Magnetpole gerade so wie auf bewegliche Stromleiter (s. Elektromagnetische Rotationen). Da auch das Nordlicht (s. d.) auf Magnetnadeln ablenkend wirkt, so hält man es meist für ein großartiges, kräftig leuchtendes elektrisches Büschel⸗- oder Glimmlicht. Bestrahlt man mit dem elektrischen Lichte der Geißlerschen Röhren Canarienglas, Chininlösungen und andere sluoreszierende Körper, so erhält man prächtige Erscheinungen der Fluoreszenz. In ähnlicher Weise ergeben sich auch Erscheinungen der Phosphoreszenz, wenn das elektrische Licht empfindliche Phosphoreszenzkörper bestrahlt. Läßt man über ein Stück Zucker, Kreide, Schwer⸗ oder Flußspat kräftige elektrische Funken hinschlagen, so zeigen sich diese Substanzen nachher im Dunkeln leuchtend (sie phosphoreszieren). Die sog. Lichtsauger oder Insolationsphosphore (wie z. B. Schwefelcalcium, Schwefelbaryum und Schwefelstrontium, wenn sie unter hoher Temperatur bereitet worden sind) leuchten, selbst in Glas eingeschlossen, schon, wenn sie nur in der Nähe der Stelle sich befunden haben, wo der elektrische Funke uberspringt, ohne daß derselbe sie unmittelbar berührt, wenn nur sein Licht sie bestrahlt hat (Phosphoreszenzröhren und nachleuchtende Glasröhren). Mit dem nur schwach leuchtenden Glimmlichte der Geißlerschen Röhren darf man das kräftige elektrische Licht der weißglühenden Drähte oder weißlühenden Kohlenfäden (s. Elektrisches Glühen), Iwie des Bogens von weißglühenden Kohlenteilchen und der weißglühenden Kohlenspitzen bei der elektrischen Beleuchtung nicht verwechseln. Das elektrische Licht sowohl der Glüh⸗ als Bogenlampen entspringt dem elektrischen Glühen. Bei den erstern ist dies ohne weiteres verständlich, bei letztern ergibt es sich aus Folgendem: Wenn man die Pole einer starken Voltabatterie (s. Galvanismus und Galvanische Batterie) mit Kohlenspitzen versieht und diese einander bis zur Berührung nähert, so geraten jene Spitzen ins kräftigste Weißglühen. Entfernt man dann die Pole langsam voneinander, so bildet sich an der Unterbrechungsstelle derselben ein Bogen weißglühender Kohlenteilchen, welche von den beiden Polen gegeneinander, doppelt stark aber vom positiven zum negativen Pole, übergeführt werden. Auf der großen Leuchtkraft dieses Bogens und der beiden Glühspitzen, besonders der positiven Kohle, beruhen die Bogenlampen der elektrischen Beleuchtung.