FeedElephantiasis
HeilkundeBrockhaus 1882

Elephantiasis (grch.) ist der Name zweier ganz verschiedener Krankheiten, welche bis in die neuere zeit infolge unklarer Schilderungen vielfach miteinander verwechselt wurden, obwohl sie außer ihrem Namen durchaus nichts miteinander gemein aben. Die Krankheit, welche die griechischen irzte so benannt haben (daher auch das Elephantiasis Graecorum oder Lepra Graecorum unterschieden), ist eine verderbliche konstitutionelle Krankheit, der eeDe Aussatz (Lepra nodosa), und bezeichnet eine Veränderung der Haut, bei welcher knollige Beulen auf derselben entstehen, die sich nach und nach, oft erst im Verlauf von mehrern Jahren, über den ganzen Körper verbreiten und endlich in Geschwüre übergehen, welche eine blutige, ekelhafte Jauche absondern, immer weiter um 10 greifen und bedeutende Zerstörungen im Körper bewirken, bis der Kranke endlich der Entkräftung unterliegt. (S. Aussatz.) Die andere Krankheit, von den arabischen Arzten E. genannt (deshalb auch als E. Arabum, Lepra Arabum, wohl auch als 2 chydermie beschrieben), stellt ein rein örtliches eiden dar, bestehend in einer chronischen Entartung der Haut, die sich mehr auf einen einzelnen Teil, besonders die Hände oder die Füße, beschränkt und nicht Beulen, wie jene, sondern eine mehr verbreitete gleichmäßige Anschwellung und Verhärtung der Haut und des Zellgewebes unter derselben herbeiführt und den befallenen Teil zuletzt auf eine außerordentliche Art entstellt. Die Krankheit entsteht durch wiederholte Entzündungen der Haut, namentlich aber wiederholte und andauernde Verstopfung ihrer Venen und Lymphgefäße, beginnt meist unter Fiebererscheinungen wie ein Rotlauf und bewirkt bald infolge der Blutstauung und einer enormen Wucherung des Bindegewebes eine so unförmliche Massenzunahme des betroffenen Gliedes, gewöhnlich des Unterschenkels, daß dadurch das Gehen auf das äußerste beeinträchtigt, ja nicht selten ganz unmöglich wird. Daher auch der Name Elefantenfuß (Pes elephantinus). Außer am Unterschenkel kommt die —1 auch am Hodensack und den großen amlippen vor. Auch diese Krankheit hat, wenigstens in ihren spätern Stadien, bis jetzt aller Kunsthilfe Trotz geboten, obgleich die Kranken oft bei übrigens leidlichem Befinden viele Jahre ein so entartetes Glied mit sich herumtragen; nur im Anfang kann man hoffen, durch methodische Druckverbände, durch Jod und Galvanokaustik völlige Heilung zu erzielen. Beide lübel sind beonders in südl. Ländern, in Ägypten, Arabien, st⸗ und Westindien, einheimisch. Hierher gehört auch das sog. Barbadoesbein auf den Antillen. Seltener kommen diese Krankheiten gegenwärtig in Europa vor; nur in Norwegen wird der Aussatz in einzelnen Küstenstrichen noch heutigestags namentlich bei Fischern beobachtet, welche in schlechten Wohnungen und von schlechten Fischen leben; im Mittelalter jedoch in den Zeiten der Kreuzzüge kam der knollige Aussatz auch nach Mitteleuropa, wo er . Verheerungen anrichtete. Leichtere Grade es Elefantenfußes treten, besonders infolge juckender, zu stetem Kratzen und Reiben veranlassender autübel, auch in unsern Gegenden auf, sogar bei austieren, z. B. die Warzenmauke der Pferde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 45Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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