FeedHospitalbrand
HeilkundeBrockhaus 1882

Hospitalbrand, Wundbrand, Wundfäulnis oder Wunddiphtherie (Gangraena nosocomialis), eine der Diphtheritis nahestehende miasmatisch-kontagiöse Krankheit, welche zu ausgedehnter brandiger Zerstörung von Wunden und Geschwüren führt und, sich selbst überlassen, in der Regel durch Blutvergiftung oder Erschöpfung mit dem Tode endet. Die Krankheit herrscht zeitweilig epidemisch in unsaubern, schlecht ventilierten, mit chirurgischen Kranken überfüllten Hospitälern und hat in frühern Zeiten unter den Verwundeten erschreckend viele Opfer gefordert, während sie neuerdings, seit Einführung der antiseptischen Wundbehandlung, weit seltener geworden ist und viel von ihrem frühern Schrecken verloren hat. Man unterscheidet zwei Formen des H.: bei der einen, der sog. pulpösen Form, bedecken sich sowohl die frischen Wunden als auch die ältern schon in Heilung und Benarbung begriffenen sehr bald mit einer gelblichen, schmierig breiigen Masse, welche sich nach der din de ausbreitet und auch die umgebende bis dain gesunde Haut überzieht, wogegen sich bei der andern sog. ulcerösen Form unreine scharfrandige jauchende Geschwüre bilden, welche rasch in die Tiefe greifen und die brandige Zerstörung der benachbarten Muskeln, Nerven, Knorpel und Knochen bewirken. Ein großer Prozentsatz der Kranken erliegt der hinzutretenden Blutvergiftung und Erschöpfung; aber auch bei günstigem Ausgang bleiben nicht selten erhebliche Verstümmelungen und Störungen im Gebrauch der befallenen Körperteile zurück. übrigens ergreift der H. nicht bloß größere Wunden und Operationsflächen, sondern ogft auch eringfügige und unbedeutende Verletzungen, wie lutegelstiche und Schröpfwunden, während er niemals unverletzte Hautstellen befällt. Über die Ursache des H., der außerordentlich ansteckend ist und meist durch die Hände der Arzte und Wärter, durch unsaubere Verbandstoffe u. dgl. übertragen wird, haben die neuern Untersuchungen ergeben, daß in der Luft schwebende mikroskopische Pilze (Bakterien) die Träger des Ansteckungsstoffs sind, daß dieselben in schlecht ventilierten Räumen besonders üppig wuchern und, auf Wunden gebracht, in diesen eine schnelle Gerinnung der Ernährungsflüssigkeit und durch Verschluß der feinsten Gefäße den brandigen Zerfall der Gewebe hervorrufen. Nur durch eine strenge Durchführung der antiseptischen Wundbehandlung und nur durch sorgfältige Ventilation und Desinfektion der Krankenhäuser läßt sich der Ausbruch und die Verbreitung des H. verhüten; ist die Krankheit einmal ausgebrochen, so kann bloß durch die strengste Isolierung der Erkrankten der weitern Entwickelung der Epidemie Einhalt gethan werden; alle brandigen Wunden müssen sofort energisch mit dem Glüheisen oder rauchender Salpetersäure ausgeätzt und antiseptisch verbunden und die Kranken selbst unter möglichst günstige Ernährungsbedingungen versetzt werden. (S. Krankenhäuser und Wunde.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 411Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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