FeedEriwan (pers. Rewan)
ErdkundeBrockhaus 1882

Eriwan (pers. Rewan), befestigte Hauptstadt des russ. Armenien oder des Eriwanschen Gouvernements in Transkaukasien, nordwärts vom Ararat, 1046 müber dem Schwarzen Meere, auf der nackten und kahlen, vom obern Aras durchströmten Hochebene von Eriwan gelegen, besteht aus der eigentlichen Stadt, welche sehr schlechte Häuser und enge, ungepflasterte Straßen hat, und der in geringer Entfernung von ihr befindlichen Citadelle, die auf einem Basaltfels ruht. Die Stadt hat einen großen, jedoch nicht reichen Bazar, eine steinerne Brücke über die in den Aras mündende Sanga (den Zengi), den Abfluß des 1393 qkm großen Sees Goktscha oder Sewanga, drei Moscheen, vier armenische und eine russ. Kirche, eine Kanonengießerei und mehrere Kasernen. Für E. und dessen Umgebung besteht ein bewundernswürdiges Bewässerungsnetz, das in der Entfernung von 75 km am Goktscha beginnt, indem die Sanga zu Wasserleitungen verzweigt worden, deren sämtliche Gewässer sich bei dem 8 km von der Stadt entfernten Dorfe Kanakir vereinigen und hier das Netz der eigentlichen Eriwanischen Kanäle bilden, von denen vier Abzweigungen das Stadtebiet mit Wasser speisen. Im ganzen ist C. ein herangelymmener Ort mit (1882) 15 040 E., welche Handwerk, Acker- und Gartenbau sowie Handel treiben. Letzterer ist aber 7 gesunken, seitdem der pers. Warenzug andere Richtung genommen. Die Winter sind hier streng, die Sommer glühend heiß; heftige Stürme wehen von dem im Nordwesten bis zu 4070 m aufsteigenden Gebirge Alaös. Obst und Wein gedeihen in ausgezeichneter eise, und getrocknete Aprikosen bilden einen eigenen Handelsartikel. — C. war früher die Hauptstadt der pers. Provinz Aran. Den Grund zur Stadt soll ein von Timur begünstigter Kaufmann, der sich des Reisbaues wegen hier ansiedelte, gelegt haben, doch führen andere Spuren über den Ursprung der Stadt bis ins 7. Jahrh. n. Chr. zurück. Im Derehn des 16. Jahrh. legte der Chan Rewan auf Befehl des pers. Schah Ismael ein festes Schloß daselbst an und benannte es nach sich. Eine 1629 zu C. für armen. Studien errichtete Hochschule wurde schon 1631 nach Etschmiadsin verlegt. Am 15. Juli 1804 lieferten hier die Russen unter Zizianow dem Abbas-Mirza ein Treffen, und 1808 belagerten die Russen die Festung unter Gudowitsch. Im spätern russ.pers. Kriege wurde E. 13. Okt. 1827 vom russ. General Paskewitsch mit Sturm eingenommen, der deshalb den Beinamen Eriwanskij erhielt, und im Frieden zu Turkmantschai 22. Febr. 1828 mit der Provinz gleiches Namens von Persien an Rußland abgetreten. Durch das Erdbeben im Juli 1840 hat die Stadt mit allen dazu gehörigen Ortschaften viel gelitten. Das Gouvernement Eriwan zählt auf 27725 akm in den sechs Kreisen E., Nachitschewan, Alexandropol, Neubajasid, Etschmiadsin und Stadt Ordubad (1882) 547 693 E., welche Baumwolle, Wein (1872 wurden 56578 hl gewonnen), Tabak und Seide bauen, Viehzucht und Handel treiben und die Salzlager zu Nachitschewan und Kulpa ausbeuten, aus welchen (1872) an Steinsalz gegen 47 Mill. Pfd. gewonnen wurden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 292Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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