Merw, Oase am Südostrande der Turkmenensteppe und Hauptstadt der Tekke-Turkmenen, 390 km nördlich von Herat, am Murghabfluß gelegen, Knotenpunkt der aus dem nördl. Persien und von Herat nach Chiwa und Bokhara, sowie weiter nach Samarkand und Taschkent führenden Karawanenstraßen, von strategischer Bedeutung als Etappe für den Vormarsch der Russen nach Afghanistan, beziehungsweise Indien, war bis vor kurzem wenig bekannt, da wegen des räuberischen Charakters der Bewohner, welche fanatische Sunniten sind und deshalb mit den Persern in beständigem Kampfe leben, nur selten europ. Reisende dorthin gelangt sind. Erst die Fortschritte der Russen in Centralasien verschafften zuverlässige Nachrichten über M. Die Oase war ehemals fruchtbar und dicht bevölkert, man baute dort viel Getreide und Handelsfrüchte; doch ist das Land seit 1795, wo der fanatische Perserschah Murad sich desselben bemächtigte, rößtenteils unbebaut geblieben und allmählich versandet. Die in der Mitte der Oase liegende Stadt Merw, die älteste Stadt Centralasiens, ist seitdem verödet, und der Handel liegt vollständig danieder. Von 1815 bis 1835 war M. dem Chan von Chiwa tributpflichtig, dann jedoch unabhängig. Die Telke-Turkmenen erhoben von allen Karawanen Tribut und verheerten das pers. Grenzland; ihre Züge erstreckten sich bis nach Chiwa und ins Gebiet von Bokhara, sowie nach Afghanistan, und ihre Schiffe trieben Seeraub auf dem Kaspischen Meere. Aus Persien wurden außer Vieh und Waren namentlich Menschen fortgeschleppt und, sofern man dieselben nicht loskaufte, als Sklaven verkauft. Im J. 1860 wurde ein Angriff der Perser blutig zurückgeschlagen. Nachdem Rußland das Sakaspigebiet erobert und sich in Serachs festgesetzt hatte, unterwarf sich M. dem russ. Gouverneur, welcher im Dez. 1883 Besatzung dorthin schickte und einen Aufstandsversuch niederschlug, nachdem die Stammhäupter am 31. Jan. 1884 die russ. Herrschaft anerkannt hatten. Im März 1884 war die Ruhe völlig hergestellt, und seitdem verkehren russ. Karawanen in M., wo ein Fort erbaut worden ist. Man beabsichtigt, die Benrnekoßwische Mili wiederherzustellen und die transkaspische Militärbahn bis M. zu verlängern. Außer den auf 40000 Zelte ( 200000 Köpfe) geschätzten Tekke-Turkmenen in der Oase M. wohnen in der Stadt Merw gegen 2000 seßhafte Usbeken. Die russ. Besatzung besteht aus vier Kompagnien Schützen, zwei Sotnien Kosaken und einer Kosakenbatterie. Das Gebiet von M. ist mit dem Sakaspigebiete vereinigt worden und bildet einen Teil des Generalgouvernements von Kaukasien.