Escorial (el Escoriäl, nicht Escurial, Schlackengrube, von den Schlacken einiger Minen in der Sierra Guadarrama) heißt das Schloß und Hieronymitenkloster San-Lorenzo-el-Real in der span. Provinz Madrid, an der Spanischen Nordbahn, 48 km nordwestlich von Madrid, nach dem nahe dabei gelegenen Flecken gleiches Namens mit etwa 2000 E. An das großartige, kahle Gebirge gelehnt, einem Kloster ähnlicher als einer Königsresidenz, entspricht sein Bau wie seine Lage dem fanatisch strengen Charakter seines Erbauers. Seinen Ursprung verdankt dieser in 1100 m Meereshöhe liegende Palast, dem kein anderer an Größe und Pracht sich an die Seite stellen läßt, einem Gelübde König. Philipps II. in der Schlacht von St.⸗Quentin 10. Aug. 1557. Da der heil. Laurentius, dessen Gedächtnis an diesem Tage die röm. Kirche feiert, und welchen der span. König als den Heiligen des Tages um den Sieg angerufen hatte, der Sage nach auf einem glühenden Roste den Märtyrertod in Rom starb, so ward dieses ihm geweihte Kloster in Form eines Rostes 1563—84 von Juan Bautista de Toledo und Juan de Herrera erbaut. Die Spanier pflegten ihn das achte Weltwunder zu nennen. Er hat 240 m Länge und 190 m Breite, 7 Türme, 15 Thore und 1110 Fenster und dient zugleich als Schloß und Kloster. Das Kloster bewohnten ehe⸗⸗ dem 200 Mönche; jetzt stehen die Zellen leer. Das ganze Gebäude ist aus kunstvoll zusammengefügten Quadern von Granit erbaut. Die nach Westen schauende Hauptfagade hat drei monumentale Portale, macht aber, wie der ganze Bau, einen monotonen und kalten Eindruck. In der prachtvollen, nach dem Muster der Peterskirche in Rom erbauten Hauptkirche, welche, außer dem unter einer imposanten, 107 m hohen Kuppel gelegenen Hochaltar, 48 Altäre und 2 Orgeln in sich faßt und prächtige, von Giordano, Carduchi, Pellegrini und andern ital. Meistern ausgeführte Fresken enthält, befinden sich zwei große betende Gruppen aus vergoldeter Bronze zu Seiten des Hochaltars, Karl V. und Philipp II. mit Gemahlinnen und Verwandten darstellend. Vier kolossale Pfeiler, in Quadratform, deren Seite je 8 mmißt, tragen das Dach. In der Sakristei ist das aus Marmor und Bronze gearbeitete Sakramentshaus, Santa-Forma genannt, sowie ein Bild von Claudio Coello von wirklichem Kunstwert, das die Perspektive der Sakristei und der Kirche selbst darstellt. In einer Seitenkapelle steht der Sarkophag der 1878 verstorbenen jungen Königin Mercedes. Unter dem Hochaltar „Pant sich die Begräbniskapelle des königl. Hauses, Pantheon genannt, die durch ein aus vergoldeter Bronze sehr kunstlich gearbeitetes Thor verschlossen wird. Marmorstufen führen zu derselben hinab; aus Jaspis und Marmor besteht auch der Fußboden und aus Bronze die Kuppel. Das prachtvoll geschmückte Oratorium bewahrt ein großes, mit Diamanten und andern Edelsteinen geschmücktes Crucifix. Rings in den Wänden des achteckigen Raumes stehen in 26 Nischen ebenso viel schwarze marmorne Särge, teils mit den überresten der Könige und Königinnen Spaniens angefüllt, teils noch leer (nur noch acht). Es liegen hier die Könige Spaniens seit Karl I. (V.) bis Ferdinand VII., mit Ausnahme Philipps V. und Ferdinands VI., welche in Madrid begraben sind. Aus der Kirche gelangt man in die Kreuzgänge, und dann auf der berühmten großen Treppe, deren Wände rings mit Bildern von Lucas Giordano geschmückt sind, zum Kloster und zur Bibliothek. Philipp II. legte die berühmte Bibliothek im E. an, die große handschriftliche Schätze enthält, namentlich in der klassischen und arab. Litteratur. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. Einen Katalog derselben lieferte Casiri in der Piblioteca Aräbico-Hispänica (2 Bde., Madr. 1760 —70). Es befinden sich in dem Palast noch viele Gemälde lüber 450); doch sind die wertvollsten seit 1837 dem königl. Gemäldemuseum zu Madrid einverleibt worden. Ebenso hat man die früher im C. aufgestellte Münzsammlung mit dem Münzkabinett der Nationalbibliothek zu Madrid vereinigt. Der königl. Palast, etwa den vierten Teil des Ich aber Gebäudes einnehmend, ist nicht sehr ansehnlich, aber inwendig überaus prachtvoll und luxuriös ausgeschmückt und mit vielen Kunstschätzen versehen. Dasselbe gilt von dem im Park gelegenen Pavillon Karls IV., der Casa del Principe. Das Interessanteste im E. sind die Zimmer, in welchen h. lipp II. fast wie ein Mönch lebte, sein Andachtstuhl, in der Ecke des Chors neben der Galerie, in welcher das berühmteste Kunstwerk des E. hängt, ein 4 am Kreuz in Lebensgröße, von Benvenuto Cellini in Marmor wunderbar gearbeitet, und endlich sein Arbeits- und Sterbezimmer, das merkwürdigste und feierlichste unter allen. Von dort aus läßt eine OÖffnung in die Kirche neben den Hochaltar blicken, sodaß der König auf seinem Sterbebette den celebrierenden Priester sehen konnte. Einer der Türme des C. brannte 1. Okt. 1872 durch einen Blitzstrahl nieder, wurde aber restauriert. Der E. ist auch jetzt noch teilweise Sommer- und Herbstresidenz des Hofs. Vgl. Rotondo, Historia descriptiva, artistica y pintoresca del monasterio de San Lorenzo, co-