Fabrice (Georg Friedr. Alfred von), königl. sächs. General der Kavallerie und Kriegsminister, Vorsitzender des Gesamtministeriums, stammt aus einer mecklenb. Adelsfamilie und wurde zur Zeit der Occupation Frankreichs durch die Verbündeten als Sohn des an dieser Occupation theilnehmenden königl. sächs. Generallieutenants und Oberstallmeisters von F. (gest. 1850) 23. Mai 1818 zu Quesnoysur-Deule unweit Lille geboren. Im J. 1834 trat er aus dem Kadettenkorps in die sächs. Reiterei ein und rückte schon 1848 zum Rittmeister auf, war 1848 bei den Bundestruppen in Thüringen, nahm am schleswig-holstein. Kriege von 1849 teil, wurde 1853 Major und im folgenden Jahre Souschef des Generalstabes, 1861 Oberstlieutenant, 1863 Oberst und 1864 Generalstabschef bei dem Bundes-Exekutionskommando in Holstein. In dieser schwierigen Stellung bewährte sich sein Takt, seine Gewandtheit und sein Organisationstalent. Diese Gaben traten noch merklicher hervor im Kriege von 1866, wo F., 1865 zum Generalmajor befördert, als Chef des Stabes des Kronprinzen Albert von Sachsen die Operationen des sächs. Armeekorps in Böhmen mit Festigkeit und Sicherheit leitete. Nach dem Bentenan chlusse wurde er im Oktober zum Generalieutenant befördert und an Stelle des zurückgetretenen Generallieutenants von Rabenhorst mit der Leitung des sächs. Kriegsministeriums betraut. F. schloß mit Preußen die noch jetzt bestehende Militärkonvention ab, nahm die Umgestaltung der sächs. Armee zum 12. Armeekorps des norddeutschen Bundesheers nach preuß. Muster in Angriff und führte dieselbe rasch durch. Beim Ausbruch des Deutsch⸗-Französischen Kriegs zum Generalgouverneur für den Bezirk des 12. Armeekorps ernannt, wurde er gegen Ende des J. 1870 zu gleicher Stellung nach Versailles berufen, von wo aus die Verwaltung derjenigen Departements geleitet wurde, welche durch die Armeen vor Paris, an der Loire unter dem Prinzen Friedrich Karl und im Norden Frankreichs unter General von Manteuffel, später unter General von Goeben besetzt waren. Während des Waffenstillstandes blieb F. als Vertreter des Reichskanzlers in Frankreich zurück und vermittelte in dieser Stellung alle auf die Durchführung der Friedenspräliminarien und die Occupationsarmee bezüglichen Verhandlungen. F. verhandelte in Soisy mit Jules Favre und vermittelte dessen Zusammenkunft mit Fürst Bismarck in Frankfurt a. M. Im Juni 1871 kehrte er nach Dresden zurück, um die Leitung des sächs. Kriegsministeriums wieder in die Hand zu nehmen, und wurde 1873 zum General der Kavallerie befördert. Seitdem hat er seine Thätigkeit neben der innern organisatorischen Entwickelung des Heers vorzugsweise der Kasernierung der vordem großenteils mangelhaft untergebrachten Truppen zugewendet und in den Anlagen der «Albertstadtbei Dresden etwas Mustergültiges geschaffen.