Fabriano, gewerbreiche Stadt in der ital. Provinz Ancona (Compartimento Marken), in einem reizenden Thale des röm. Apennin, an dem zum Esino gehenden Giano und an der Linie Ancona (Falconara)⸗Folignol-Rom) der Römischen Eisenbahnen, 71 kKmim SSW. von Ancona, hat seit dem 14. Jahrh. berühmte Papiermühlen und Pulverfabriken, eine dem Marchese Possenti gehörige Sammlung von Elfenbeinskulpturen, im Stadthaus antike Inschriften, sowie eine kleine Gemäldesammlung und zählt (1881) 17154 E. Von ihr führt der hier 1365 geborene Maler Gentile den Namen da Fabriano (s. d.). Von der hier einst blühenden Malerschule, deren Haupt Gentile war, besitzen die Kirchen und mehrere Privathäuser der Stadt zahlreiche Gemälde. abriano (Gentile da), ital. Maler, wurde zu Fabriano, einer kleinen Stadt der Mark Ancona, zwischen 1360 und 1370 geboren und erhielt den ersten Unterricht wahrscheinlich von Allegretto di Nuzio. Sehr bald wandte sich jedoch F. nach Florenz zu Fiesole. Zu seinen ersten, schon rühmlichen Arbeiten gehört ein Freskobild der Madonna im Dom von Orvieto. Dann malte er eine Anbetung der Könige für Sta.⸗Trinità zu Florenz (jetzt in der Galerie der dortigen Akademie). Das Bild trägt die Jahreszahl 1423 und ist in seiner idealen Schönheit, seiner epischen Fülle und feinen, prachtvollen Ausführung eines der trefflichsten Werke aus den von Giotto abhängigen Schulen. In diese Zeit gehört auch eine Madonna mit Heiligen, die sich jetzt im berliner Museum befindet. In den folgenden Eudbis malte F. Kirchenbilder zu Siena, Perugia, ubbio und in seiner Vaterstadt, von denen aber fast nichts erhalten ist. Dann begab er sich nach Venedig, wo er 1411—22 mit vielem Erfolg manche öffentliche und Privatgebäude mit seinen Werken ausschmückte und zuletzt auch an der Ausmalung des Saals vom Großen Rate im Dogenpalast teilnahm. Er führte die blutige Seeschlacht zwischen der Flotte der Republik und der des Kaisers Barbarossa auf der Höhe von Pirano so glücklich aus, daß er vom Senat mit der Toga der Patricier bekleidet und ihm ein lebenslänglicher Gehalt von einem Dukaten täglich ausgesetzt wurde. Auch dieses Bild ist längst untergegangen. Des Künstlers Ruf aber war durch dasselbe nach Rom gedrungen, und so wurde er zusammen mit Vittore Pisanello von Papst Martin V. dorthin gerufen, um die Kirche San-Giovanni in Laterano auszuschmücken. F. malte darin die Begebenheiten aus dem Leben Johannes des Täufers, fünf Propheten und den Papst Martin mit zehn Kardinälen. Hiermit beschäftigt sah ihn noch 1450 Rogier van Brügge. Mit der Arbeit noch nicht ganz fertig, starb er, nach einigen als 80jähriger Greis.