FeedFaussebraie
BaukunstBrockhaus 1882

Faussebraie (frz., ital. falsa braga) heißt ein unmittelbar vor dem eigentlichen Hauptwall einer Festung angelegter niederer Wall lentsprechend dem mittelalterlichen Zwinger), welcher eine rasantere Bestreichung des Vorterrains als jener ge-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. währt. Im Anfang des modernen Festungsbaues wurde Braie ein jenseit des Grabens nach Art eines gedeckten Wegs angelegter Herefremnt genannt, der das 999. Mauerwerk der eigentlichen Umwallung der Einsicht von außen her entziehen sollte. Zur F. wurde der Erdaufwurf, wenn ihn kein Graben von dem hohen Wall trennte. Im neuesten Profil permanenter Enceinten ist man — Anwendung des F. oder des Niederwalls zurückgekehrt, um eine Infanterieposition zu schaffen, da der Oberwall vorherrschend mit Geschützen ist. (S. Festungs bau.) (drehen. aussieren (frz.), verbiegen, krümmen, veraust (Buchdrucker), s. Fust. aust (Doktor Joh.), der Sage nach ein berüchtigter Schwarzkünstler und oft mit dem Buchdrucker Faust oder Fust (s. d.) verwechselt, gebürtig aus Knittlingen im Württembergischen, nach andern Angaben aus Roda bei Weimar, lebte Ende des 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. und soll in Krakau die Magie studiert haben, in der er später auch seinen Famulus Wagner unterrichtete. F. bediente sich angeblich, nachdem er die reiche Erbschaft seines Oheims verschwendet, der Magie, um den Teufel zu beschwören, machte auch mit diesem einen Bund auf 24 Jahre. Er erhielt einen Geist, Mephostophiles, dessen Namen spätere Bearbeiter mehrfach abänderten, zu seinem Diener, mit welchem er nun umherreiste und durch Wunder die Welt in Erstaunen setzte, bis endlich in dem meh-Rimlich unweit Wittenberg (doch werden auch mehrere andere Orte genannt) nachts zwischen 12 und 1 Uhr der Teufel ihn holte. Waren früher die Meinungen geteilt, ob überhaupt dieser F. gelebt habe, so ist gegenwärtig die Ansicht vorherrschend, daß es einen solchen Mann gab, welcher durch mannigfaltige gelehrte Kenntnisse, vielleicht auch durch Taschenspielerkünste imponierte und deshalb für einen Schwarzkünstler gehalten wurde, der mit bösen Geistern in geheimer Verbindung stehe. Sein weitverbreiteter Ruf veranlaßte, daß nicht nur die Wunderwerke, welche andern sog. Schwarzkünstlern einer frühern Zeit angehörten, sondern auch viele alte Märchen- und Sagenstoffe auf ihn übergetragen wurden. Gab nun die Erzählung von seinen Wundern dem Volke Unterhaltung, so benutzte man dieselbe auch zur Lehre und zeigte an F.s schrecklichem Schicksal die Gefahren geheimer Zauberkünste und die Abscheulichkeit eines in Sinnenlust versunkenen Lebens. Die Sage von F. wurde auf mannigfache Art ausgebeutet. Zuerst erschien zu Frankfurt a. Main 1587 von einem unbekannten Verfasser die „Historia von D. Johann Fausten »(neu herausg. unter dem Titel Das älteste Faustbuchs in wortgetreuem Abdruck mit Einleitung und Anmerkungen von A. Kühne, Zerbst 1868). Sie wurde schon in demselben und in den nächsten Jahren wiederholt neu aufgelegt und nachgedruckt und in mehrere Sprachen übersetzt. Ihr folgten dann Georg Rud. Widmanns mit moralisierenden Anmerkungen begleiteten «Wahrhaftigen Historien von den greulichen u. s. w. Sünden u. s. w., so D. Johannes Faustus hat getriebenv (3 Tle., Hamb. 1599) und eine Neubearbeitung derselben durch J. N. Pfiter (Nürnb. 1674 u. öfter), aus welcher endlich das neuere, bis in die neueste Zeit immer wieder aufgelegte Volksbuch herrührt. Betrüger nahmen Veranlassung, unter dem Titel Fausts Höllenzwangs und „Faustens Miraculkunsto oder Der schwarze Rabe⸗, auch der Dreifache Höllenzwang vorgeblich von F. selbst Shendem Zauberbücher herauszugeben, die durchgehends mit sinnlosen Charakteren und iguren und mißbräuchlich angewendeten Bibelprüchen angefüllt sind. Sehr bald faßte auch die Dichtkunst diesen Gegenstand, welcher der Phantasie einen so reichen Stoff darbot, auf. Schon um 1590 dichtete der Engländer Marlowe (gest. 1593), der geniale Zeitgenosse Shakspeares, nach dem ältesten deutschen Faustbuch seine „Tragödie von Dr. Faustuso. Von dieser, welche durch die engl. Komödianten nach Deutschland gebracht wurde, ist das deutsche Puppenspiel von Dr. F.» abhängig, das um die Mitte des 17. Jahrh. entstanden sein mag und bis auf die neueste Zeit in verschiedenen mehr oder weniger voneinander abweichenden Bearbeitungen, von denen mehrere von Scheible, Simrock, Hamm, Schade und Engel herausgegeben worden sind, eins der beliebtesten Stücke der Marionettentheater geblieben ist. Alle frühern, gleichzeitigen und spätern dramatischen und sonstigen dichterischen Bearbeitungen der Faustsage überragt weit Goethes «Fausto, der zuerst unter dem Titel &F., ein Fragmentr (Lpz. 1790) und später als«F., eine Tragödier Tüb. 1808) erschien und dem nach des Dichters ode der zweite Teil (Stuttg. 1833) nachfolgte. Nächst diesem dürften besonders hervorzuheben sein die wenigen erhaltenen Bruchstücke von Lessings begonnener dramatischer Faust-Bearbeitung, Maler Müllers rohe, aber kräftige und geniale dramatische Arbeit F.s Lebeno (Mannh. 1778), Klingers 4F.s Leben, Thaten und Höllenfahrt, in fünf Büchern v (Petersb. und Lpz. 1791), des Grafen von Soden Dr. F., ein Volksschauspielo (Augsb. 1797), Schinks Johann F., dramatische Phantasie nach einer Sage des 16. Jahrh. » (Berl. 1804), Klingemanns 4F., ein Trauerspielo (Lpz. 1815) und aus neuerer Zeit die Dichtungen von Grabbe, Lenau, Braun von Braunthal, Bechstein, F. Marlow (d. i. F. Wolfram), H. Heine, Stolte u. a. Auch die bildende Kunst nahm * schon früh zum Gegenstande. Zwei Gemälde im Keller unter Auerbachs Hofe zu Leipzig von 1525 geben Darstellungen von einem Spuk, den F. mit . Homrandt in diesem Keller ausgeübt haben soll. Rembrandt lieferte ein schön radiertes Blatt, darstellend F. in seinem Zimmer während einer Geistererscheinung. Christoph von Ruhns stellte F. und Mephistopheles und den Famulus Wagner nebst seinem Geiste in zwei Kupferstichen dar. Darstellungen zu Goethes Fausto gaben Cornelius, Retzsch, Delacroix, Kaulbach, Kreling u. a. Musikalische Kompositionen zu oder über Goethes Fausty gibt es von Fürst Radziwill, Schumann, Berlioz, Liszt, Lassen u. a. Besondere Opern „Fausto komponierten Spohr und Gounod, eine „(Faustouverturev Richard Wagner. Vgl. Sommers Artikel F. in Ersch und Grubers Encyklopädier (Sektion I, Bd. 42); Düntzer, „Die Sage von Dr. Johannes F.» (Stuttg. 1846); derselbe, «Goethes F. Zum ersten mal vollständig erläuterty (2. vermehrte Aufl., Lpz. 1857); Scheible, „Das Kloster v (Bd. 2, 3, 5 u. 11, Stuttg. 1846— 49); Reichlin-Meldegg, Die deutschen Volksbücher von F. und Wagner» (3 Bde., Stuttg. 1848); Peter, «Die Litteratur der Faustsage » (3. Aufl., Lpz. 1857); Hauffe, «Die Faustsage und der histor. Fausto (Luxemb. 1862), worin sich die Berichte der Zeitgenossen über F. im Originaltext mitgeteilt finden; C. Engel, Das Volksschauspiel Dr. Johann F.v, mit einem Anhang: „Bibliothéca Faustianay (Oldenb. 1873): Creizenach, Versuch einer Geschichte des Volksschauspiels von Doktor Fausto (Halle 1878). Fausta (Flavia Maximiana), Tochter des röm. Kaisers Maximianus und der Syrierin Eutropia, war seit 307 mit Konstantin d. Gr. vermählt, dem sie die spätern Kaiser Konstantin II., Constantius II. und Constans und mehrere Töchter gebar. Geschichtlich bekannt ist F. namentlich dadurch, daß sie eine Spannung zwischen Konstantin d. Gr. und seinem ältesten Sohne Crispus (aus einer frühern Verbindung mit Minervina) zu solcher Höhe zu treiben wußte, daß der Kaiser den Crispus zu Pola in h. nach (im Sommer 326 n. Chr.) töten ließ. Bald nachher von Reue ergriffen, rächte Konstantin den Crispus, indem er F. in einem heißen Bade ersticken ließ.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 609Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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