Tollheit, f. s. Kardinaltugenden in M. M. a. W. Dolo sanisches Kreuz, n., s. d. Art. Kreuz D. 13. toltekische Bauwerke. Um das Jahr 596 nach Christo fielen die Tolteken in das jetzige Mexiko ein, nachdem sie 80 Jahre lang, von Nordwesten kommend, herumgezogen maren, und nahmen 648 das heilige Land Anahuac ein, die Voreinwohner, die Olmeken (s. d.), unterjochend; doch scheint diese Unterjochung mehr friedlich als gewaltsam gewesen zu sein. Die Tolteken erbauten die Stadt Tula, waren sanft u. gesittet, gebildet u. industriell u. herrschten bis in das 11. Jahrh., wo sie um 1052 vor einer einbrechenden Pest nach Süden flohen, so daß die aus Nordwesten nachziehenden Tribu, unter ihnen die Chichimekos u. als zuletzt Ankommende die Azteken (s. d.), die wenigen Zurückgebliebenen leicht unterjochen konnten. Die toltekischen Bauten lassen drei Perioden erkennen. I. Periode. Die Bauten sind in Stein ausgeführt. Die Pyramiden haben ringsum lauter kleine Stufen, od. mindestens auf allen Seiten an die großen Stufen angelegte kleine Treppen, während dann an die übrigen Flächen der großen Stufen Gebäude angelehnt sind, die sie verbergen, wie an den Gebäuden zu Zayi. Die Dächer sind von Holz und nach Fig. 3359 konstruirt. Die Tempel, Teocallis, standen stets auf einer in dieser Weise konstruirten Pyramide, die im Grundriß ein Quadrat bildete und genau oxientirt war, so daß der Tempeleingang sich im Westen befand. Innerhalb der die Pyramide umziehenden Umfassungsmauer befanden sich Gärten, Brunnen, Priesterwohnungen u. Arsenale. Hierher gehört das eine der Teo⸗ Fig. 3359. callis zu Palenque, genannt Las Llajas, welches in vielen Werken unter dem Namen Pyramide von Papantla abgebildet wird; s. Fig. 3360. Die von Humboldt beschriebene Pyramide zu Papantla ist allerdings sehr ähnlich, aber viel kleiner. II. Periode. In dieser Periode wurde die Holzkonstruktion in Stein nachgeahmt, äußerlich ungefähr in der Weise, wie Fig. 3361 (e b in Fig. 3362) es zeigt. Aus der ersten Zeit dieser Periode stammt der Palast zu Tuloom, s. Fig. 3363. Die Formen erinnern zum Theil ziemlich lebhaft an die Formen der siamesischen Bauten, s. d. betr. Art. nebst Abbildungen. Innerlich finden sich die Decken aus dieser Periode theils unter Anwendung hölzerner Tragbalken von Stein aufgeführt, wie in Fig. 3364, theils ganz in Stein ausgeführt, wie in Fig. 3370. Auch in dieser Periode ist eins der Teoeallis in Palenque (Fig. 3365 bis 3367) errichtet. Die Pyramiden dieser Periode waren übrigens zum großen Theil nicht mit Terrassen, sondern mit ziemlich unter 45 Grad geneigten Schrägflächen bekleidet oder mit kleinen, ununterbrochen bis zum Gipfel gehenden Stufen versehen. III. Periode. Diese ist charakterisirt durch vollständige Durchführung der Steinkonstruktion. Auch für diese Periode liefert uns Palenque eines der großartigsten u. ziemlich gut erhaltenen Beispiele; es ist dies der Palast mit dem nahe hinter ihm liegenden Teocalli, in Figur 3368 von Osten gesehen im gegenwärtigen, in Fig. 3369 aber von Westen gesehen im restaurirten Zustand dargestellt. — Außerdem gehören dieser Periode die ungemein reichen U. großartigen Ruinen zu Labyah an, sowie das Teocalli zu Tucapan, Fig. 3371. Dieses Teocalli ist ziemlich klein, während das von Palenque 23 m. lang und 8 m. tief ist u. aufeiner Pyramide steht, die unten an jeder Seite 85 m. mißt. Das Teocalli zu Tezeuco hatte 117 Stufen, die Pyramide des Sonnentempels zu Teotihuacan mißt unten 148 u. 155 m., die des Mondtempels eben daselbst 155 u. 113 m.; erstere diente als Vorbild für das aztekische Teocalli zu Mexiko, welches Ferdinaind Cortez zerstörte, s. Fig. 306 u. 307. Ueberhaupt traten die Azteken in Bezug auf Kultur vollständig in die Fußtapfen der Tolteken. Die toltekischen Bauwerke spiegeln sich daher in den aztekischen wieder, jedoch sind sie kräftiger in den Verhältnissen und nicht so durchgebildet, aber konsequenter und weniger phantastisch in den Details, so daß sie im ganzen solid, ernst, ja majestätisch wirken. Die Mauern sind geputzt; dieser Putz enthält viel Eisenoxyd und ist sorgfältig geglättet. Die Fenster scheinen keine Flügel od. — Läden gehabt zu haben; die Thüren hingegen wohl. Ziegel und Holz sind gänzlich vermieden. Gewölbe kommen nicht vor, sondern die Oeffnungen u. Räume sind durch Ueberkragung der Steinschichten geschlossen. Von Befestigungen hat man keine Spur gesunden. Die Pyramidenhügel sind aus Steinen in Kalkmörtel vermauert und mit geglätteten Steinplatten belegt. Die Außenseiten der hoch aufsteigenden Decken sind in förmlichem Dachziegelverband mit Steinplatten abgedeckt. Der Sims hat meist die Form eines breiten Frieses zwischen zwei Karniesen unter Zinnen, ähnlich dem arabischen Sims. Thürme bis zu 24 m. Höhe sind erhalten und zeigen steinerne Treppen mit Wendelstufen. Die Opferplätze etc. sind im Unterbau der Tempel angebracht. Die an ägyptische und indisch Arbeiten erinnernden, sehr ernsten und decenten, in de ELBERG O Universitätsbit 5 menschlichen Verhältnissen ziemlich torreklen, aber hier nund da etwas unbehülflichen Skulpturen sind theilweis in t Stein, theilweis in Gipsstuck ausgeführt. Die Grabmäler, he auf ähnlichem hohen Unterbau wie die Tempel, sind gleich en diesen durch Freitreppen zugänglich. Die Seiten der Theil auf simsgekrönten e in deren Oberfläche Stein drückt sind. Die Säulen eckigem Plinthus. Fig. 3368. (WRuinen des Palastes rizontale Streifen getheilt, zum Steinsocken in Pisee ausgeführt, ie in Reliefmosaikmuster eingeischäfte sind glattrund auf vier-Gurtsimse bestehen in der Regel (ähnlich den arabischen) aus breiten Friesen zwischen zwei schmäleren glatten Streifen, Hauptsimse aus Perlen, Zacken, Rosetten, und Platten. Die Fenster sind in der Regel breiter als hoch, stehen ziemlich nahe an einander u. sind durch kurze, gedrungene Pilaster eingefaßt; die Thüren sind scheitrecht, oder, wenn sie für Ueberdeckung mit einem Stein zu breit sind, mitübergekragten u. schräg abgearbeiteten Schichten überlegt. Ebenso sind die Decken konstruirt; bei sehr großen Räumen ruhen diese Steindecken sogar auf hölzernen Unterzügen, die von Steinpfeilern getragen werden. Die Steinstatuen waren mit Gold überzogen; die Reliefs, ee in Stein, geführt und bemalt, Fig. 3869. Palast und Te theils in Stuck aushaben Modulation, sondern linienartige, aber erhöhte Konturen. Die Häuser der Reichen und Adeligen waren meist zweistockig, von Steinen in Kalk vermauert aus-Bad, einen Kornboden und ein Betstübchen. Die Städte waren mit Mauern, öffentlichen, durch Wasserleitungen gespeisten Brunnen, Thorgebäuden etc. versehen.