Bastion, n. u. f., frz. bastion, m., engl. bastion, lat. bastionus, m. 1. (Festungsb.) Mit Erfindung des Schießpulvers mußte die bis dahin übliche Befestigung mit Ringmauern u. Thürmen, da sie keinen Raum für Aufstellung der Geschütze bot, wesentlich geändert werden. Man schüttete an die innere Seite der Mauern einen Wall auf, erniedrigte die Thürme und Mauern und gab ersteren größere Durchmesser. So entstanden runde Bollwerke, Rundele. Albrecht Dürer, welcher neben einigen italienischen Meistern den Uebergang der alten Befestigung in die neuere repräsentirt, verbesserte die Rundele wesentlich dadurch, daß er ihnen zur bessern Bestreichung des Grabens vor den Walllinien Lünettenform gab, und nannte sie dann Bastei. Das B., ein Festungswerk in Form einer Lünette, s. Fig. 468, ist charakteristischer Bestandtheil des Bastionärtrace od. der Bastionärbefestigung; f. d. Art. Die Konstruktion des B. hat im Lauf der Zeit manchfachste Veränderungen erlitten. Als Hauptgrundsätze gelten jetzt: Man erstrebe lange Facen oder Gesichtslinien ½ und 4, um möglichst viel Raum zu Aufstellung von Geschützen zu erhalten; der Bastionswinkel, bestrichene od. flankirte W., Bollwerkswinkel 5 α, frz. angle flanqué, a. saillant, engl. flanked, salient a. 0f the b., sei möglichst stumpf, um die Facen dem Enfiladefeuer besser zu entziehen; der innere Raum der B., der Bastionskessel, frz. vide du b., engl. hollow space, sei möglichst groß, um Platz zu Anlage großer (Kapital-etc.) Traversen, Abschnitte etc. zu gewinnen; rechtwinklige Stellung der Flanken zu den Defenslinien, 3. B. C d zu d², / zu ꝗF etc., ist nöthig, um den Hauptgraben von den anliegenden Courtinen u. Facen des Nachbarbastiones bestreichen zu können, ebenso gu te Deckung der Flankengeschütze durch Kasematten. Rücksichtlich der Stellung an der Polygonseite unterscheidet man Ecku. Mittel⸗(Rimpler's Manier), platte Bollwerke (altspan. od. ital. Manier), frz. b. plat, engl.flat b. Ist das Bollwerk durch einen Graben von der Hauptumwallung getrennt, so wird es ein abgerücktes oder abgesondertes, frz. bastion détaché, engl. detached b. genannt (Vaubans 3. Manier). Es heißt voll, wenn der innere Raum des Bollwerkes in der Höhe des Wallgangs liegt; leer, hohl, frz. b. vide, creux, engl. empty, hollowb., wenn derselbe mit dem natürlichen Horizont zusammenfällt. Ersteres eignet sich besonders zur Anlage von Abschnitten etc. u. heißt dann abgeschnittenes B., frz. b. retranché, engl. retranched b.,letzteres zu Anlage von bombensicheren Unterkunftsräumen; halbes B., frz.demi-bastion, engl. demy bastion, ital. mezzo bastione, span. medio bastion, nennt man solche, die nur eine Face und Flanke besitzen u. sich mit ihrer Spitze an eine meist in der Richtung der Kapitale gehende Befestigungslinie anlehnen. Das B. ist abgestumpft, wenn die Bollwerksspitze verbrochen ist; tenaillirt, wenn diese Abstumpfung noch einen eingehenden Winkel hat. Ein B. ist regelmäßig, wenn die sich entsprechenden Linien von gleicher Länge sind, im entgegengesetzten Falle heißt es unregelmäßig. Es ist ein zusammengesetztes oder gemischtes, wenn die bei der Konstruktion maßgebenden Verhältnisse nur die theilweise Beibehaltung der ursprünglichen Gestalt eines Bollwerkes gestatten. Unter einem doppelten B., frz. b. dou⸗- ble, engl. double b., versteht man eine solche Anordnung, bei welcher das eine durch ein zweites, rückwärts gelegenes verstärkt wird. Bastionirter Thurm, Bollwerksthurm ist die Bezeichnung für Letagige Kasemattenkorps in Bastionsform, wenn sie nach Vaubans 3. Manier zur Anwendung kommen. An einem B. sind noch einzelne Bestandtheile, wie folgt, benannt. Die Linien d e u. dG, die Flanken oder Streichen, ½ die Kapitallinie und %4 die Kehle. Punkt die Bastionsspitze, Bollwerksspitze, Pünte, frz. Pointe, point, p. saillant, engl. salient point; die Punkte 5 u. 6 die Schulterpunkte, die Punkte , e u. „die Courtinen- oder Mittel-Winkelédfder Courtinenwinkel. Die Bastionsfacen haben die verschiedenartigsten Konstruktionen erfahren; sie sind entweder gerade oder gekrümmt (Bousmard u. A.) od. doppelt (Coehorn, Choumora), u. man unterscheidet dann hohe und niedere Facen. Ebenso wurden die Flanken verschieden angelegt, zuerst rechtwinklig, sogar spitzwinkFlig zur Courtine, später rechtwinklig zur Defenslinie, theils gerade, theils gekrümmt (von Vauban, Coehorn und Bousmard vorgeschlagen, um den Contrebatterien, (s. d. Art Batterie) möglichst viel Geschütze und ein möglichst konzentrirtes Feuer entgegenstellen zu können u. die betr. Linie besser gegen Enfiladefeuer zu decken), theils nach innen gebrochen, „zurückgezogene“, „retirirte Flanken“ (ital. Manier, Speckle, Payan, Vauban); die vorspringende Schulter des B.s wird dann Bastions- oder Bollwerksohr, fr. orillon, oreillon, engl. orillon, genannt. Mit den zurückgezogenen sind auch doppelte und dreifache Flanken verbunden (italiensche Manier, Niederländer, Speckle, Payan u. A.), und man spricht dann ebenfalls von hohen, mittleren und niederen Flanken. 2. Bedeckter Pavillon auf einer Terrasse an der Hauptecke eines Gebäudekomplexes. Ns.