Ferdinand, Herzog von Braunschweig, preuß. Generalfeldmarschall, einer der ausgezeichnetsten preuß. Feldherren im Siebenjährigen Kriege, geb. 12. Jan. 1721 zu Braunschweig, der vierte Sohn des 8 Ferdinand Albrecht, wurde von früher Jugend für den Militärstand erzogen. Auf Reisen gebildet, trat er 1740 als Oberst in preuß. Dienste und machte den ersten schles. Krieg im Gefolge des Königs mit. Im zweiten schles. Kriege führte er eine Brigade und zeichnete sich bei Hohenfriedberg und Czaslau aus, wo er gegen einen seiner Brüder, der in österr. Diensten stand, kämpfte und verwundet wurde. Während des folgenden Friedens entwickelten sich seine kriegerischen Talente durch Studien, Umgang mit ausgezeichneten Männern und die Lehren des Königs, der recht eigentlich sein Lehrer in der Kriegskunst wurde. F. wurde 1750 Generallieutenant, 1755 Gouverneur von Magdeburg und Chef eines Infanterieregiments. Im Siebenjährigen Kriege trug er 1757 bei Prag nächst Feldmarschall Schwerin zumeist — Entscheidung der rechten Flügel, der aber nicht zum Schuß kam. Schon vor dieser Schlacht hatte ihn Georg II. von England zum Oberbefehlshaber der alliierten Armee erbeten. Der König gab seine Einwilligung und damit begann die glorreiche Feldherrnlaufbahn des Herzogs. Mehr als fünf Jahre behauptete er das ihm anvertraute westl. Kriegstheater in Niedersachsen, Hessen und Westfalen mit einem kleinen, aus verschiedenen Kontingenten zusammengesetzten Heere gegen die Reichsarmee und die zahlreichen, einheitlich organisierten und großenteils gut geführten franz. Streitkräfte. Unter trüben Verhältnissen übernahm er 23. Nov. in Stade den Befehl über das nach der Konvention von Kloster Zeven moralisch niedergedrückte Heer, welches auf ein kleines Stück Land beschränkt war, drängte jedoch die franz. Armee bis zum April 1758 über den Rhein zurück und schlug dieselbe 25. Juni bei Krefeld. Zwar wurde er 15. April 1759 von Broglie bei Bergen unweit Frankfurt a. M. geschlagen, doch brachte er 1. Aug. dem Marschall Contades dafür bei Minden eine schwere Niederlage bei und hielt sich auch im folgenden Jahre gegen mehr als doppelte Übermacht, besiegte 15. und 16. Juli 1761 bei Vellinghausen Broglie und Soubise, sowie 24 Juni 1762 bei Wilhelmsthal und 23.Juli 1762 be Waftendi F. hatte nichts verloren, als 15. Nov Waffenstillstand abgeschlossen wurde. Nach dem Frieden kehrte er in seine Stellung als Gouverneur von Magdeburgzurück, konnte sich aber, nachdem er fast unabhängig eine Armee komman: diert und ganz Westfalen als erobertes Land unumschränkt beherrscht hatte, nicht mehr in ein untergeordnetes Verhältnis sinden. Zwischen ihm und dem Könige entstand 1766 eine Spannung, in deren Folge er den Abschied nahm und sich nach Braunschweig Gulde tepi Hier oder auf seinem Lustschlosse Vechelde lebte er seitdem, ein eifriger Freimaurer, Beschützer wissenschaftlichen und künstlerischen Strebens, besonders in der Malerei, ein Wohlthäter der Armen. Die Nei ung zum Ausländischen, namentlich zur franz. Hofsitte, teilte er mit vielen Fürsten seiner Zeit. Er starb3. Juli 1792. Vgl. Knesebeck, F., Herzog von Braunschweig und Lüneburg, während des Siebenjährigen Kriegso (2 Bde., Hannov. 1857—-58); von Westphalen, „Geschichte der Feldzüge des Herzogs F. von Braunschweig-Lüneburge (5 Bde., Berl. 1859—72).