FeedBülow (Friedr. Wilh., Freiherr von)
GeschichteBrockhaus 1882

Bülow (Friedr. Wilh., Freiherr von), Graf von Dennewitz, preuß. General der Infanterie, einer der Helden des Befreiungskriegs, geb. 16. Febr. 1755 auf dem Familiengute Falkenberg in der Altmark, trat in seinem 14. Jahre als Junker in Berlin in das Regiment von Braun, in welchem er den Bayrischen Erbfolgekrieg mitmachte. Im J. 1793 wurde er mit dem Charakter eines Majors zum militärischen Begleiter des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen ernannt, in welcher Stellung er dem Kriege bis zum Frieden von Basel beiwohnte. Er ward dann 1795 zur ostpreuß. Füsilierbrigade versetzt und erhielt 1797 ein Bataillon. Am Kriege von 1806—7 nahm er unter L'Estocg teil, kämpfte bei Thorn und Danzig, wurde 5. Febr. 1807 bei Waltersdorf verwundet und zuletzt als Brigadier den Blücherschen Truppen in Schwedisch-Pommern aadier t Er wurde 1808 Generalmajor, 1809 Brigadier der pommerschen Infanterie unter Is dessen dann der westpreußischen unter Nork, und als dessen Vertreter (1812) Gouverneur von Ost⸗ und Westreußen. Bei Beginn des Kriegs 1813 zum Generalieutenant ernannt, deckte er zunächst die Mark. An dem Treffen bei Möckern 5. pril nahm nur seine Kavallerie teil, dagegen stürmte er 2. Mai Halle und schützte durch den Sieg bei Luckau über Mar1 Oudinot Kachder das von den Franzosen berohte Berlin. Nach dem Waffenstillstande (im Aug. 1813) ward sein Korps der Nordarmee unter dem Kronprinzen von Schweden zugeteilt und idog anfangs zur Unthätigkeit gezwungen. Bald jedo wußte er sich diesem lähmenden Einflusse zu entiehen und schlug, gegen den Willen des Oberbefehlshabers, 23. Aug. die Schlacht bei Großbeeren (s. d.), wo er Oudinot zum zweiten mal besiegte, sowie gemeinsam mit Tauenzien 6. Sept. die bei Dennewitz (s. d.), wo er den Marschall Ney überwand. B. rettete hierdurch Berlin und vernichtete zugleich einen duchdem . Teil der feindlichen Streitkräfte. Nachdem B. hierauf eine Zeit lang mit der Belagerung Wittenbergs beschäftigt ge⸗ ——5 nahm er auch an der Schlacht bei Leipzig rühmlichen Anteil. Von Paunsdorf und Reudnitz her vordringend, war er mit seinen Truppen 19. Okt. der erste an den Thoren Leipzigs. Er en, hierauf Westfalen und befreite bis Am Ende Jan. 1814 anz Holland und Belgien, mit Ausnahme weniger unkte, von den Franzosen, wurde dann zu der in der Champagne kämpfenden schles. Armee unter Blücher herangezogen und nahm unterwegs die Festungen La Fere und Soissons. In der Schlacht bei Laon 9. und 10. März kommandierte er die Mitte, nahm Compiegne ein und beschloß den Feldzug mit Erstürmung des Montmartre bei Paris. ort ernannte ihn der König von Preußen zum General der Infanterie, erhob ihn 3. Juni 1814 Hunter dem Namen B. von Dennewitz in den Grafenstand und verlieh ihm in Ostpreußen Grundbesitz im Werte von 200000 Thlrn. Nach dem Frieden ward er kommandierender General von Ost- und Westpreußen. Bei erbefehl u des Feldzugs von 1815 erhielt er den Oberbefehl über das 4. Armeekorps, welches er in Eilmärschen Blücher zuführte. der Schlacht bei Belle-Alliance 18. Juni nahm hervorragenden Anteil an der Entscheidung. Er wurde zum Chef des 15. Linienregiments ernannt, kehrte 11. Jan. 1816 auf seinen Posten nach Königsberg i. Pr. zurück und starb dort 25. Febr. desselben Da Er war ein ausgezeichneter und glücklicher eldherr, der nie geschlagen worden ist oder in einer verlorenen Schlacht mitgekämpft hat. B. hat auch mehrere Motetten, eine Missa und den 51. und 100. Psalm komponiert. Seinem Andenken errichtete Friedrich Wilhelm III. eine von Rauch gearbeitete Marmorstatue neben der Neuen Wache in Berlin. Vgl. (von Klinkowström), General Graf B. von Dennewitz in den Feldzügen 1813 und 1814 (Lpz. 1843); Varnhagen von Ense, »Leben des Generals Grafen B. von Dennewitzo (Berl. 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 718Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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