Friedrich Wilhelm, Herzog von Braunschweig, geb. zu Braunschweig 9.Okt. 1771, der vierte und jüngste Sohn des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand, wurde für die militärische Laufbahn und trotz der zärtlichen Liebe seines Vaters streng erzogen. Schon 1786 bestimmte ihn der König von Preußen zum Nachfolger seines Oheims, des Herzogs Friedrich August von Ols, in dessen Erbe er 1805 trat. Als Stabskapitän 1787 im braunschw. Regiment des Generals von Riedesel angestellt und 1788 in das zu Magdeburg garnisonierende preuß. Infanterieregiment von Lengefeld auf Wunsch seines Vaters versetzt, machte er seit 1792 den Krieg gegen Frankreich mit und wurde nach dem Baseler Frieden Oberst, 1800 Generalmajor; 27. Nov. 1792 wurde er bei Etsch in Nassau schwer verwundet. Er vermählte sich 1804 mit der badischen Prinzessin Marie Elisabeth Wilhelmine, welche ihm die beiden Prinzen Karl und Wilhelm gebar. Im Kriege von 1806 führte er das Regiment von Kleist, nahm jedoch an den Schlachten von Jena und Auerstädt keinen Anteil und geriet dann mit dem Blücherschen Korps bei Lübeck in Gefangenschaft. Nach seines Vaters Tode, 10. Nov. 1806, nahm er den Abschied aus preuß. Diensten, um die Regierung anzutreten. Napoleons Machtspruch erklärte ihn aber seines Erbes verlustig. Nach dem Tilsiter Frieden lebte er zu Bruchsal, wo im April 1808 seine Gemahlin starb. Beim Ausbruch des Kriegs von 1809 schloß er mit Österreich ein Bündnis und verpflichtete sich, ein Korps von 2000 Mann zu stellen und warb in Böhmen ein Freikorps, das von seiner Uniform bald allgemein «die Schwarzeno genannt wurde. Nach Schills Tode in Stralsund fiel der Herzog in Sachsen ein. Durch eine österr. Abteilung unter Am Ende verstärkt, nahm er Dresden und Leipzig trotz Thielmanns Widerstand, mußte sich aber bald nach Dresden zurückziehen. Der österr. General Kienmayer, dem das Kommando in Sachsen und Franken übertragen war, vereinigte sich nun mit dem Herzoge. Die Sachsen wurden bei Nossen geschlagen, Junot bei Berneck, und auch der König von Westfalen, der mittlerweile in Sachsen eingerückt war, mußte bis Erfurt zurückweichen. Nach dem Waffenstillstande von Znaim (12. Juli 1809) war F. völlig isoliert und faßte den Entschluß, sich bis zur Nordsee durchzuschlagen und seine Truppen nach England zu führen. Dieser kühne Zug, in Deutschland hoch gefeierl und besungen, hat den Namen des Herzogs und seiner Schwarzen berühmt gemacht. Er brach 20. Juli mit 1500 Mann aus Franken auf, bestand ein Gefecht bei Leipzig, erreichte Halle am 25., erstürmte am 29. Halberstadt, das von einem westfäl. Regiment besetzt war, und langte am 30. in Braunschweig an. Aus der Hauptstadt seines an estammten Landes, das zu dem Königreich Westfalen geschlagen war, erließ er zwei Proklamationen Erhebung des Volks, die aber bei der Wachsamkeit der westfäl. Polizei erfolglos blieben. Gegen ihn rückten Beud feindliche Korps heran, 6000 Westfalen unter Reubel und ein anderes aus Sachsen und Holländern unter Gratien. Den erstern schlug der Herzog 1. Aug. bei dem Dorfe Olper vor Braunschweig und brach dann am 2. gegen Hannover auf. Von hier zog er über Nienburg, wo er die Weser überschritt, nach Hoya und täuschte den 0 verfolgenden Reubel durch eine Entsendung nach Bremen über die Richtung seines Marsches, während er mit dem Gros am 5. Delmenhorst erreichte. Der Feind glaubte nun, er werde in Ostfriesland sich einzuschiffen suchen; aber er ging 6. Aug. über die Hunte nach Elsfleth und Brake, wo er sich aller leer liegenden Handelsschiffe und Weserfahrzeuge bemächtigte. Am 7. Aug. morgens begann die Einschiffung des Korps, das am 8. auf Helgoland versammelt und von einer engl. Aug nach England gebracht wurde. Hier 14. Aug. gelandet, eilte der Herzog nach London, wo ihn der Hof und das Volk mit der lebhaftesten Teilnahme empfing. Er erhielt vom Parlament eine jährliche Pension von 60⁰0⁰ Pfd. St., die er bis zur Rückkehr in seine Erbstagten, welche 22. Dez. 1813 erfolgte, bezog. Sein Korps wurde auf der Insel Wight ans Land gesetzt, hier reduziert und größtenteils der Englisch-Deutschen Legion einverleibt. Der Herzog blieb in England bis nach der Schlacht bei Leipzig, dann kehrte er in sein befreites Land zurück. unächst suchte er Truppen für die Fortsetzung des Kampfes gegen Napoleon zu organisieren und brachte bis Ende März 1814 auch 10112 Mann zusammen, deren Ausbildung er seine gesamte Thätigkeit fast ausschließlich zuwendete. Nach seinem Regierungsantritte wollte er aufrichtig das Gute; aber er mißachtete die gewohnten Formen und erfüllte keineswegs die Erwartungen, mit denen man ihn aufgenommen hatte, und richtete die schon ohnedies zerrütteten Finanzen vollends zu Grunde. (S. Braunschweig.]) Als die Ereignisse von 18¹⁵ ihn von neuem ins Feld riefen (im Heere Lord Wellingtons), kämpfte er bei Quatrebras 16. Juni 1815 und starb daselbst den Heldentod. Ihm folgte unter engl. Vormundschaft sein Sohn Karl. Das Leben F.s hat Spehr beschrieben (herausg. von Jörges, 3. Aufl., Braunschw. 185)).