Fichtelgebirge, eins der bedeutendern Gebirge Deutschlands im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, dringt keilförmig von N. her in das süddeutsche Plateau zwischen dem Fränkischen Jura im W. und Böhmerwalde im O. ein, bedeckt einen Flächenraum von etwa 770, mit den anliegenden Hochflächen der 386 alm großen innern und der 946 akm großen äußern Bergebene aber 2100 qkm und bildet, da auf ihm der Main, die sächs. Saale, die Eger und die Naab entstehen, also die Flußgebiete des Rheins, der Elbe und der Donau, die Meergebiete der Nordsee und des Schwarzen Meers zusammenstoßen, eine Hauptwasserscheide. Doch gibt dieses Gebirge keineswegs einen eigentlichen Gebirgsknoten oder ausgebildeten Gebirgsstock ab, indem es nur im NW. durch den Frankenwald mit dem Thüringerwalde in ununterbrochenem Zusammenhang steht, nicht aber im SW. mit dem Fränkischen Jura, im SO. mit dem Böhmerwalde und im NO. mit dem sächs. Erzgebirge zu einem Hochlande verwachsen, vielmehr durch Bodensenkungen und flache Hochebenen entschieden von diesen Gebirgszweigen getrennt ist. Es stellt sich im ganzen dar als plateauartiges Massengebirge, welches von weitem mehr das Ansehen eines Bergs als eines Gebirges hat und daher bei den Anwohnern noch jetzt, wie früher allgemein, den Namen Fichtelberg trägt. Indessen lassen sich drei Teile unterscheiden, eine Centralgruppe und zwei äußere Bergketten. Die erstere, der innere Kern, aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer bestehend und von Üübergangs⸗ und Flözmassen umlagert, erreicht ihre größte Höhe im granitischen Schneeberge, 1055 m hoch, und in dem südlichern Ochsenkopf, 1016 m hoch. Zu dieser Centralgruppe gehören ferner: der Nußhardt, Farnleiten, Platte, Totenkopf, Hohe Mütze und die Kösseinen. Sie fällt in steilen Absätzen gegen W. und S. zur Bayreuther Bergfläche, weniger steil gegen Weißenstadt und Wunsiedel ab. An diese Hauptmasse schließt sich auf der Nordseite die Waldsteiner Bergkette nordostwärts bis zur böhm. Grenze mit dem 876 m hohen Großen Waldstein, mit dem Epprechtstein, Kornberg, Selberforste, Ne Weißen-Liebensteiner Wald; auf der Südseite die Weißensteiner Reihe breiter Höhen mit dem 981 m hohen Steinwald, dem Reichs-⸗, dem die ebenso sich an der Eger der erstern gegenüber anlegt und im S. rasch zum Plateau der Oberpfalz abfällt, das an seinem Fuße eine absolute Höhe von 500 m hat. Zwischen beiden Ketten breitet sich eine wellenförmige Fläche, die innere Bergebene des F. aus, und im N. der Waldsteiner Kette lehnt sich die äußere Bergebene an die Terrasse des Vogtlandes und des Frankenwaldes an. Jene hat eine Mittelhöhe von 580, diese von 550 müber dem Meere. Aus den flachen Hochebenen im S. und SW. erheben sich viele frei und einzeln stehende Basaltkegel. Die Gipfel des F. selbst bilden dagegen runde Kuppen, sind teils mit mächtigen Felstrümmern überschüttet, teils stark mit Fichten und anderm Nadelholz bewaldet, oft aber auch bis auf ihre Spitzen angebaut. Das ganze Gebirgsland ist stark bewohnt von etwa 140000 Seelen. In dem höhern Teile gedeiht in kalter, doch gesunder Luft nur spärlich Hafer, dagegen gibt es Holz im überfluß, sowie Eisen, Vitriol, Schwefel, Kupfer, Blei und viele Arten von Marmor, in einigen Gewässern Perlmuscheln, namentlich im Weißen Main und einigen Seitenbächen der Saale. Lebhaft ist der Betrieb von Eisengruben, Hütten⸗ und Hammerwerken, Kohlen⸗ und Kienrußbereitung. Von Völker⸗, Heeres⸗ und Handelszügen ist das F. auf allen Seiten leicht zu umgehen; ur. führen große Straßen, welche von Hof über Wunsiedel 00 Amberg u. . w., sowie von Eger über Weißenstadt nach Gefrees und Bayreuth iehen, ohne Schwierigkeiten über dasselbe. Auf der kordwestseite wird es von der Bayrischen Staatsbahn von Hof über Neuenmarkt, Kulmbach u. s. w. überschritten, sowie im W., S. und SO. von andern Linien umzogen, die von ersterer von Neuenmarkt ab über Bayreuth, Kemnath, Weiden und Mitterteich bis nach Eger führen. Das F. gehört nicht zu den vielbesuchten Gebirgen. Interessante Punkte sind Alexandersbad und das Sandsteinlabyrinth der Luisenburg. Vgl. Goldfuß und Bischoff, „Beschreibung des F.»(2 Bde., Nürnb. 1817); Ruckdeschel, «Der histor.⸗topogr. Führer im F.v (2. Aufl., Wunsiedel 1858); Körber, «OIllustrierter Fremdenführer durch Bayreuth und das F.y (Bamb. 1858); Münnich, Das F.» (Dresd. 1859); Horn, „Das F., die fränk. und nürnberger Schweiz) (7. Aufl., Berl. 1882).