Main (lat. Moenus), der bedeutendste unter den rechten Nebenflüssen des Rheins und derjenige, welcher dessen Gebiet am meisten ostwärts, bis in das Herz von Deutschland erweitert, hat zwei Quellarme, den Weißen und den Roten Main, von denen der erstere auf dem Fichtelgebirge, am östl. Abhange des Ochsenkopfs, 575 müber dem Meere, entsteht und an Kulmbach vorüberfließt, der letztere, welcher der kleinere ist, in 500 m Seehöhe auf dem Frankenjura bei Lindenhart oberhalb Kreußen entspringt und Bayreuth berührt. Beide vereinigen sich bei Schloß Steinhausen, 5 Km unterhalb Kulmbach, zum eigentlichen M., der, westwärts fließend, bei Güßbach unweit Baunach die Itz, unterhalb Bamberg die Regnitz, in Unterfranken die Fränkische Saale, bei Wertheim in Baden die Tauber, bei Hanau die Kinzig, bei Höchst die Nidda aufnimmt und, nachdem er Schweinfurt, Würzburg, Aschaffenburg, Offenbach und Frankfurt berührt hat, bei Castel, Mainz gegenüber, in einer Seehöhe von 81 m und einer Breite von etwa 300 m sich in den Rhein ergießt. In großen Windungen sich langsam hinziehend, durchläuft er, während der Abstand der Quelle von der Mündung 260 km beträgt, eine Strecke von 590 kKm; sein Flußgebiet umfaßt 27445 Akm. Nach Vereinigung mit der Regnitz wird der M. schiffbar; durch den Ludwigskanal (s. d.) ist er mittels der Altmühl mit der Donau in Verbindung gesetzt. Die zu geringe Tiefe des M. machen die Schiffahrt sehr unsicher, in trockenen Sommern nicht selten unmöglich, sodaß alsdann große Aetnnen erst von Offenbach und Frankfurt aus fahren können. Der Dampfschiffahrt ist der M. seit 1842 durch die 1841 gegründete Main-Dampfschiffahrtsgesellschaft, die ihren Sitz zu Würzburg hatte, geöffnet. Doch beschränkte man seit 1847 die Dampffahrten auf die Strecke von Würzburg nach Frankfurt und Mainz. In neuerer Zeit hat die Eisenbahn diese Dampfschiffahrt ganzaußer Thätigkeit gesetzt. Das Thal des M., das mit Ausnahme des obersten Laufs durch Keuper, Muschelkalk und Buntsandstein bricht, zeigt zwar häufig steile Gesteinwände, verleugnet aber in seiner Fruchtbarkeit und Kultur nicht den Gesamtcharakter seines Gebietes, des Frankenlandes. Die Mainlinie wurde in polit. Beziehung früher schon (besonders aber während der Zeiten des Norddeutschen Bundes) zuweilen als Scheidungslinie zwischen Nord- und Süddeutschland bezeichnet. Ihre militärische Wichtigkeit liegt darin, daß sie einem über den Rhein vordringenden Gegner zur Operationslinie bis in das Herzvon Deutschland dienen kann. Die Gangbarkeit und Fruchtbarkeit des Landes zu beiden Seiten des Flusses, die Leichtigkeit, denselben zu überschreiten, die vielfachen Verbindungen beider Ufer begünstigen die Heeresbewegungen. Deshalb ist der Endpunkt der Mainlinie auch durch die starke Festung Mainz gegedeckt. Als strategische Verteidigungslinie kann der M. im ganzen nicht gelten; dem widerspricht schon sein Lauf und die Konfiguration des Terrains. Nur taktisch, d. h. für bestimmte Gefechtszwecke, ist der Fluß auf einzelne Strecken zu benutzen.