Fiesöle (Fra Giovanni Beato Angelico 08 mit seinem Familiennamen Santi Tosini, oft nur Fra Angelico genannt, als Maler eine der hervorragendsten Gestalten der Kunstgeschichte. Kind armer Eltern, war er 1387 im Gebiete von Mugello in Vecchio geboren und trat mit seinem, als Miniaturmaler wirkenden Bruder zu Fiesole bei Florenz in den Dominikanerorden. Die obwaltenden kirchlichen Streitigkeiten, namentlich der Zwiespalt bei der Papstwahl, störten auch den Frieden seines Konvents, infolge dessen sich F. u längern Wanderungen kamen; sah, die aber em Künstler zu statten kamen. n Cortona, Siena und andern Orten weilend, lernte er besonders den reichen Zauber der Sieneser Schule kennen, welche seinem verwandten, tiefpoetischen Gemüt eine bestimmte Richtung gab. Auch in Cortona war er thätig, wo in der Kirche des heil. Dominicus seine Madonna in trono noch erhalten ist. Endlich fand die Brüderschaft in dem von den Mediceern errichteten Kloster San-Marco in Florenz eine bleibende Stätte und hier schuf der fromme Meister die herrlichsten seiner von echtester Andacht und Herzensinnigkeitbeseelten Werke. Noch ist im Kaitelsaale sein Gekreuzigter von den Frommen aller Zeitenund aller Völker umgeben alfresco, am Hospiz Christus als Pilger, im ersten Stockwerk die Verkündigung und fast in allen Zellen einzelne Darstellungen aus dem Evangelium und der Heiligengeschichte zu sehen. In Orvieto malte er die Propheten in der neuen Rapelle des Doms, welches Deckengemälde sein Schüler Benozzo Gozzoli vollendete. Papst Martin V. berief ihn nach Rom, wo er in der Vatikanischen Kapelle Scenen aus dem Leben der Heiligen Lorenzo und Stefano mit unübertrefflicher Großartigkeit und Milde entwarf. Er starb 1455 in dieser Stadt, wo sich in Sta.⸗Maria sopra Minerva sein Grabstein befindet. F.s einzige Stellung im Rahmen der Kunstgeschichte erklärt sich vorzugsweise aus seiner Individualität. Er ist der Maler des reinen Katholizismus im edelsten und zwar im schwärmerischen Sinne mittelalterlicher Begeisterung. F. war ein vollkommen kindlich reines Gemüt, tiefster Überzeugung und heiligster Inbrunst voll; jedes seiner Werke spiegelt diesen seinen Zustand der Seele. Eine Menge überlieferter Züge zeigen den Künstler, welchem sein Schaffen als forkgesetzter Gottesdienst galt, der den sterbenden Erlöser nur unter Thränen zu malen vermochte, und seine köstlichen Werke verschenkte, damit der Empfänger für das Heil seiner Seele beten möchte. F. gehört nicht eigentlich zur florentin. Schule, deren wohl und männliche Energie ihm fern blieb, obwohl Got-Formenbildung in mancher Hinsicht auf die Giottesken zurückgreift. Mit den großen Reformen, welche sich gerade bei den Florentinern vollzogen, den Errungenschaften des aus der flandr. Schule eingedrungenen Realismus, den Fortschritten in der Anatomie und dem beginnenden Studium der Antike hat er aber nichts gemein. Seine Gestalten sind elfenhafte Wesen, herrlich im Ausdrucke überirdischer Seligkeit, zur Schilderung jedes andern Zustandes unzureichend. In der Darstellung des Jüngsten Gerichts, Dämonenfiguren u. dgl. wird er daher naiv-komisch. Tafelbilder F.s besitzt der Louvre in Paris (Krönung Marias), die Akademie und die Uffizien in Florenz, die Kirchen von Cortona und Perugia. Einige der Fresken aus San-Marco sind in den Farbendruckpublikationen der Arundel-Society in London vortrefflich wiedergegeben. Die kath. Kirche hat F. zum Range eines Seligen (Beato) erhoben.