FeedFiesöle
ErdkundeBrockhaus 1882

Fiesöle, uralte Stadt und Bischofssitz in der ital. Provinz Florenz, 7 km nordostwärts von Florenz und mit demselben durch eine fast ununterbrochene Reihe von Villen verbunden, liegt in 335 m Höhe auf einem konisch geformten Hügel, dessen höchster Punkt, von den Gartenterrassen eines Kapuzinerklosters eingenommen, eine ebenso umfassende als wundervolle Aussicht auf Florenz, die Arno-Ebene und die benachbarten Höhen gewährt. Der Ort zählt (1881) 13888 E., die großenteils Steinhauer sind oder sich mit Strohflechten beschäftigen, und unterhält sehr besuchte Jahrmärkte. Die Kathedrale St. Peter ist eine dreischiffige Basilika mit Querhaus und einer geräumigen Krypta unter dem hohen Chor, und wurde 1028 vom Bischof Jacopo Bavaro begonnen, doch erst viel später vollendet; sie besitzt das schöne Grabmal des Bischofs Salutati (gest. 1465) und ein bemerkenswertes Basrelief, beide Skulpturen von Mino da Fiesole. Die alte Basilika Sant'-Alessandro hat 15 antike Cipollinsäulen; der Platz vor derselben gewährt eine umfassende Fernsicht über das Thal von Florenz. Auf der Höhe der alten Burg steht das von Cypressen umkränzte, 1350 erbaute Franziskanerkloster. In dem aus dem 13. Jahrh. stammenden Palazzo Pretorio, an der Ostseite des Hauptplatzes, befindet sich das Museo Fiesolano mit den Funden der hiesigen Ausgrabungen. Die daneben belegene Kirche Santa-Maria Primeranareicht ins 10. Jahrh. hinauf. Die Badia di Fiesole, etwa 1 km im SSW. von der Stadt, malerisch am Fuße des Berges von F. hingelagert, ein 1028 gegründetes Kloster (heute Pachthof), war zuerst von Benediktinern, dann von Augustinern bewohnt, wurde 1462 von Cosimo!l. Medici durch Brunelleschi neu aufgeführt und war dann zeitweiser Aufenthalt der Platonischen Akademie; nach Aufhebung des Klosters 1778 befand sich hier nach 1811 die litterarisch-artistische Anstalt des gelehrten Francesco Inghirami. Aus dem Altertum sind nur die Überreste eines (seit 1873 a Giovanni Beato Angelico da) 79⁷ vollständig ausgegrabenen) Theaters, sowie kolossale Mauern und Reste der Thore vorhanden. Faesulae war eine der bedeutendern, wahrscheinlich eine der 12 Bundesstädte Etruriens. Die Römer erlitten hier 225 v. Chr. durch die Gallier eine Niederlage. Sulla kolonisierte F. mit seinen Veteranen. Später wurde es besonders bekannt als Hauptwaffenplatz Catilinas. Stilicho schlug hier 406 n. Chr. die Vandalen, Alanen, Sueven und Burgundionen unter Radagais. Die Stadt (mittellat. Fesulae) wurde 539 von Belisar belagert und 1010 von den Florentinern eingenommen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 797Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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