Finsteraarhorn, der höchste Gipfel der Berner Alpen (s. Alpen, 17), erhebt sich 70 Km südöstlich von Bern an der Grenze der schweiz. Kantone Bern und Wallis und auf der Wasserscheide zwischen Aare und Rhöne zu 4275 m Höhe über dem Meere. Von Nordwesten gesehen erscheint der Berg als schlanke, scharfkantige, eisgepanzerte Pyramide, in Wirklichkeit bildet er einen langen, zackigen, aus Hornblendfels bestehenden Kamm, der von SO. nach NW. verläuft und mit dunkeln, hier und da von Schneekehlen und Eisbändern durchfurchten Felswänden und abschüssigen Firnhängen links zum Walliser Viescherfirn, rechts zum Studer- und Finsteraarfirn abfällt. Der höchste Gipfel bildet einen felsigen, meist schneefreien Kamm von etwa 15 m Länge. Nordwestlich lehnt sich an das F., durch das Agassizioch (3850 m) von demselben geschieden, das 3950 m hohe Agassizhorn; an den nach SO. ausstrahlenden Felsgrat schließt sich die vierseitige Pyramide des Rothorns (3549 m), an dessen Sudfuß die kleine Höhle des Rotlochs den Tiden Wer des F. eine Nachtherberge bietet. Die ersten Versuche zur Besteigung machten im Juli 1812 die Gebrüder Meier aus Aarau, die jedoch kaum über den 3300 mehohen Rothornsattel (zwischen dem Rothorn und dem südöstl. Grat des F.) hinausgelangten, während bei einem zweiten Versuch am 16. Aug. desselben Jahres ihre Führer die Spitze erreichten. Die zweite Besteigung unternahm 1828 Professor Hugi von Solothurn, der vom Viescherfirn aus den nach ihm benannten Hugisattel, 250 m unter der Spitze im nordwestl. Grat erstieg, aber durch Unwetter zur Umkehr gezwungen wurde; dagegen gelang es 10. Aug. 1829 bei einem zweiten Versuche Hugis den Führern desselben, auf diesem Wege die Spitze zu ersteigen, während Hugi selbst etwa 70 m unter derselben zurückbleiben mußte. Seither ist der Berg, dessen Besteigung zwar sehr mühsam und anstrengend, aber nicht besonders gefährlich ist, mehrmals, sogar von Damen, auf dem von Hugi eingeschlagenen Wege erstiegen worden. Schwieriger sind die Wege vom Finsteraarjoch über das Agassizjoch und den Hugisattel zur Spitze und der Weg der ersten Besteiger über den Südostgrat, der 1876 vom franz. Bergsteiger H. Cordier wieder aufgefunden wurde. Vgl. Studer, «liber Eis und Schneer (Bd. 1, Bern 1869, und Bd. 4, Bern 1883).