Flaubert (Gustave), franz. Romandichter, geb. 12. Dez. 1821 zu Rouen, studierte Medizin, wurde aber durch Neigung und Talent zur Litteratur hingeführt und widmete sich eifrig der Poesie, worin zunächst Victor Hugo und Byron seine Muster waren. Dann aber die romantische Richtung aufgebend und sich ganz dem Realismus zuwendend, verlegte er sich auf sorgfältigste und genaue Schilderung des wirklichen Lebens. Eine Frucht hiervon war sein Roman: Madame Bovaryy (2 Bde., Par. 1857), der als sittenwidrig vor Gericht gezogen, aber nicht verurteilt wurde. Ganz gewöhnlich in der Wahl des Gegenstandes, ist dieser Roman hervorragend durch die seltene Treue und Lebendigkeit der Schilderungen und interessant durch die stilistische Meisterschaft, mit der ein banales Thema behandelt ist, und die wärmsten, glühendsten Gefühle in die trivialste Geschichte verlegt sind. Im J. 1858 machte F. eine Reise nach Tunis, von wo er die Anregung zu einem histor.⸗archäol. Roman mitbrachte, der 1862 unter dem Titel Salammbo v erschien und zwar auch die Kritik viel beschäftigte, aber die große Lesewelt wenig befriedigte. Dieser Geschichtsroman soll den Aufstand der Mietstruppen gegen Karthago und dabei das innere und äußere Wesen der alten punischen Stadt zur den ihres Glanzes schildern, welche Aufgabe bei den dürftigen Nachrichten hierüber nicht wohl zu lösen ist. F.s Roman: «L'éducation sentimentale, histoire d'un jeune homme (2 Bde., 1869) fand wenig Beifall. Sein späterer Roman: Teutation de Saint-Antoiner (Par. 1874; deutsch von Endrulat, Straßb. 1874), erregte durch den Realismus der Zeichnung Interesse, enthält aber allzu viele unzusammenhängende archäol. Beschreibungen und philos. Ergüsse. Ein Lustspiel in vier Akten, welches 1874 erschien: Le Candidato, hatte keinen Erfolg. Bessere Aufnahme fanden drei Novellen, welche F. unter dem Titel KTrois conteso (1877) herausgab. F. starb in seiner Besitzung Croisset bei Rouen 7. Mai 1880. Sein nachgelassener Roman «Bouvard et Pécucheto beurkundet nur stellenweise das kraftvolle Talent und die eindringende Beobachtung seiner frühern Werke.