FeedFlorida
ErdkundeBrockhaus 1882

Florida, der sudostlichste der Vereinigten Staaten von Amerika, zwischen 24* 30“ und 31 nördl. Br. und 79“ 48“ und 87 38/ westl. L. (von Greenwich), besteht zum größten Teil aus der Halbinsel Cabteor Namens, welche, südwärts bis zum Kap Sable oder bis zur Floridastraße sich erstreckend, im O. vom Atlantischen Ocean, im W. aber vom Golf von Mexiko bespült wird und zusammen mit Cuba und den Bahamainseln den letztgenannten Meerbusen im O. umschließt. ö Seiner äußern Gestalt nach ähnelt F. einem stumpfen Winkel, dessen Schenkel nach SW. geöffnet sind. Es zerfällt danach naturgemäß in zwei Teile, in einen östlichen, weitaus größern, welcher mit der obengenannten Halbinsel identisch ist und bei einer Breite von 150—200 km eine Länge von etwa 670 km hat, und einem westlichen kleinern Teil, welcher sich als 70—150 km breiter Küstenstrich an der Nordseite des Golfs von Mexiko hinzieht. Außer dem Meere sind die Grenzen im N. die Staaten Georgia und Alabama, im W. nur Alabama. Das Areal F.s beträgt 151975 qkm, von denen 86607 angesiedelt sind; 5827 fallen auf Seen und Teiche, 4660 auf die Küstengewässer, 1010gkm endlich auf Flüsse und Bäche. Die Dichtigkeit der Bevölkerung ist sehr ering und betrug 1880 nur 1,8 auf den Quadratilometer. Die Gesamteinwohnerzahl 18495 183⁰ erst 34730 Seelen; 1850 schon 87 445; 1870 bereits 187 748; 1880 endlich 269493 Seelen. Davon gehörten 136444 E. dem männlichen und 133049 dem weiblichen Geschlecht an; 142605 waren Weiße, 126690 Neger und 180 (civilisierte) Indianer; 259 584 waren im Inlande, der Rest von 9909 im Auslande geboren, darunter 978 in Deutschland, 1765 in England und 2170 in Cuba. F. hat sehr viele Moräste. Der südl. Teil der Halbinsel besteht von 28 nördl. Br. ab — größten Teil aus Sumpf- und Marschland (The Ever⸗- glades, Cypress Swamp, Mangrove Swamps), welches in der Regenzeit, von Juni bis Oktober, unpassierbar ist. Nördlich vom 28. Breitengrad ist das Land bis zur Grenze von Georgia 100 nur selten etwas wellig. Im westl. Teil des Staats dagegen ist der Boden unebener, aber auch hier in seinen höchsten Punkten kaum 80meüber dem Meere. Am fruchtbarsten ist der Staat in der nördl. Hälfte der Halbinsel. Die Wärme und Feuchtigkeit der Luft bedecken den Boden überall mit der üppigsten und reichhaltigsten Vegetation, welche im Süden der Halbinsel einen geradezu tropischen Charakter annimmt. F. hat die längste Küstenlinie von sämtlichen Staaten der Union. Dieselbe ist jedoch wegen der vielen davor lagernden Sandbänke und Untiefen vom Meere aus schwer zugänglich und hat wenig ute Häfen. Am wichtigsten unter diesen sind Pen-Eeule Apalachicola, St.⸗Marks, Cedar-Key, ampa, Charlotte und Key-West auf der Golfseite, sowie St.-Augustine und Fernandina auf der atlantischen Seite. Jederzeit zugänglich auch für größere Seeschiffe sind nur Pensacola und Key-West. Sowohl die Ost- als auch die Westküste haben Strandlagunen. Tiefer ins Land schneidet das Meer nur im Westen ein. Hier sind die Gullivans⸗, Charlotten⸗, Tampa⸗ und Waccasassabai und an der Nordseite des Mexikanischen Golfs die Apalacheebai. Der Stagt ist reich an Seen, von denen einige Der große Dampfschiffe fahrbar sind. Der größte erselben, der etwa 64 Em lange und 50 km breite Lake Okee-cho-bee im S. der Halbinsel ist jedoch seicht. Die Flüsse sind ansehnlicher, als die niedrige Lage des Landes vermuthen läßt. Die hauptsächlichsten sind: Der St.⸗Marys, an der Grenze gegen Georgia, und der St.⸗Johns-River, welcher 480 km weit von S. nach N. in einem oft seeartig erweiterten Bette fast parallel mit der Meeresküste Deran den Georgssee bildet und in den Atlantischen Ocean mündet. Der sog. Indian River ist eigentlich nur eine langgestreckte Lagune auf der östl. Küste der Halbinsel, welche unter 27 30“ nördl. Br. eine Muündung in den Ocean hat. In den Golf ergießen sich der Suwannee, der Ocklockony, Apalachicola, Choctawhatchee, Escambia und Perdido. Der letztere ist der Grenzfluß gegen Alabama, und der Apalachicola scheidet Ost- und Westflorida. Eine eigentümliche und ziemlich häufige Erscheinung bei den Flüssen F.s sind die sog. Sinksy, Höhlungen den Kalksteinsubstraten, aus denen oft Bäche und Flüsse mit großer Gewalt hervorquellen, oder in welchen dieselben plötzlich verschwinden, um unterhalb der Erde ihren Ir fortzusetzen. Von der Südostspitze der Halbinsel, dem Kap F., erstreckt sich südwest-⸗ und dann westwärts, in den sog. Tor½% endigend, durch die Floridastraße die 330 km lange Reihe der Floridaklippen oder Keys, welche den großen Handelsweg zwischen der Küste von F., den Bahamainseln und Cuba um so gefahrvoller machen, als sie häufigen Stürmen unterworfen sind und gefährliche Gegenströmungen des Florida- oder Golfstroms bilden. In merkantiler wie militärischer Hinsicht der wichtigste Punkt unter diesen Holmen ist das früher durch seine Schmuggler und Seeräuber berüchtigte Key-West, dessen gleichnamige, 9890 E. zählende und befestigte Hauptstadt die Hauptstation der kühnen Floridawreckers und Lotsen bildet. Klima, Produkte. Das Klima FTis ist eins der schönsten der Erde. Der Temperaturwechsel der einzelnen Jahreszeiten, besonders aber im Süden des Staats, ist ein höchst geringer. Südlich vom 28. Breitengrade macht sich der Sommer nur durch die häufigen Regenschauer bemerkbar. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Jacksonville 20,5, in Key-West 25,0 C. Die Luft ist meistenteils klar und trocken. F. wird daher im Winter von zahlreichen Kranken besucht. St.-Augustine heißt das amerik. Nizza. In den sumpfigen Niederungen jedoch herrschen häufig Malaria und Wechselfieber; das Gelbe Fieber sucht zuweilen die Häfen heim. Die herrlichen Wälder liefern Schiffbauholz in Menge, namentlich Eichen und Fichten; von der Palma Christi gewinnt man das Castoröl. Baumwolle und Zucker sind verhältnismäßig bedeutende Stapelartikel. Reis wird immer mehr gebaut, am meisten aber Mais. Orangen, Kakad und Ananas gedeihen im Süden der Halbinsel vortrefflich, ebenso alle Arten von Südfrüchten, Datteln, Indigo, auch Guaven, Bananen, Tamarinden und Pfeilwurz, wovon indessen wenig ausgeführt wird. Sichelhanf wächst im Süden wild und in derselben Güte wie in Nucatan. Der Tabaksbau wurde früher eifrig betrieben, wird aber jetzt vernachlässigt. Mit dem Reichtum der Flora wetteifert die Fauna. Wild und Fische gibt es in Menge. Eine Abart des kleinen schwarzen Bären und Cuguare sind die gefährlichsten Raubtiere des Landes. Der Alligator findet sich in allen Flüssen und erreicht hier oft eine Länge von 4—5 m. Giftschlangen, darunter die Klapperschlange, sind häufig. Im Süden der Halbinsel wirft die Schwammfischerei einen großen Ertrag ab. Landwirtschaft, Handel, Gewerbe und Verkehrsmittel. Der von Natur so begünstigte Staat befindet sich nicht auf der entsprechenden Stufe der Civilisation. Es hat sich jedoch im letzten Jahrzehnt ein wesentlicher Fortschritt bemerkbar gemacht. Nach dem letzten Census von 1880 gab es 23 438 Farms mit einem Areal von 3297324 Ackern, welche einen Wert von 20291835 Doll. repräsentierten. Dieselben lieferten für 7439392 Doll. Produkte. Der Wert des Farminventars betrug 689 666, der des Viehbestandes 5358980 Doll.. Der Viehbestand betrug 22636 Pferde, 9606 Esel und Maulesel, 16141 Zugochsen, 42174 Milchkühe, 409055 Stück anderes Rindvieh, 56681 Schafe und 287051 Schweine. Es wurden 162810 Pfd. Wolle, 40967 Gallonen Milch, 353 156 Pfd. Butter und 2406 Pfd. Käse gewonnen. Der Handel ist wenig entwickelt. Ausgeführt werden Baumwolle, Reis, Apfelsinen und Schwämme, deren Fischerei im J. 1880 einen Ertrag von 200 750 Doll. hatte. Im J. 1880 gab es im ganzen 426 industrielle Etablissements, in denen ein Kapital von 3210680 Doll. angelegt war. Dieselben beschäftigten 4564 Arbeiter, 558 Arbeiterinnen und 382 Kinder und produzierten für 5546448 Doll. Fabrikate. Es eristierten 94 Mühlen, 135 Brettschneidereien, 10 Teer-und Terpentinfabriken, 51 Tabaks⸗, Cigarren- und Cigarettenfabriken. Der Sitz der Cigarrenfabrikation aus cubanischem Tabak ist Key-West. Das Fischereigewerbe beschäftigte 2480 Personen. Es wurden dazu 124 größere Schiffe im Werte von 272 645 Doll. und mit einem Gehalt von 2152 t, sowie 1058 Boote verwandt. Der Gesamtwert der Produkte betrug 643227 Doll., das angelegte Kapital 406 117 Doll. An Eisenbahnen waren 1881 nur 1240 km im Betrieb. Die beiden wichtigsten Linien sind die Atlantic-Gulf-West-India-Transiteisenbahn, welche Fernandina auf der atlantischen mit Cedar-Key auf der Golfseite verbindet, und die Jacksonville-Pensacola-Mobile-Eisenbahn, welche den Verkehr zwischen dem westl. und östl. Teil des Staats vermittelt. Im J. 1880 besaß der Staat 70 Dampfschiffe und 323 Segelschiffe. Dieselben hatten einen Gehalt von 6826, beziehungsweise 25332 Nt und einen Wert von 448500, beziehungsweise 633300 Doll. Erziehungswesen und Presse. Der allgemeine Bildungsstand befindet sich auf einer sehr niedrigen Stufe. Höhere wissenschaftliche Lehranstalten gibt es gar nicht. Von den 1880 im Staate vorhandenen 184650 Personen im Alter von 10 J. und darüber waren 70219 (38 Proz.) nicht im Stande zu lesen und 80183 (43,4 Proz.) schreibunkundig, sodaß also nur 34248 (oder 18,6 Proz.) keine Analphabeten waren. Von den 99 137 Weißen in dem genannten Alter waren 19 763 (19, Proz.), von den 85513 Negern aht der 60 420 (70,7 Proz.) schreibunkundig. Die Zahl der öffentlichen Schulen stieg von 444 im J. 1873 mit 16258 Schülern auf 1135 im J. 1880 mit 43304 Schülern, davon 27672 Weiße und 15632 Neger. Es existieren 880 Schulgebäude. Zeitungen gibt es (1882) 46, darunter 2 tägliche, 1 dreimal in der Woche und 43 wöchentlich erscheinende. Geschichte, Verfassung, Finanzen. F., von des Columbus Gefährten Ponce de Leon 1512 am Palmsonntage (Pasqua Florida, daher der Name des Landes) entdeckt, von Hernandez de Soto 1539 erobert, erhielt als erste Ansiedler Spanier, die 1564 St.⸗Augustine, 1696 Pensacola gründeten. Die Kolonisationsversuche der Franzosen von Louisiana aus scheiterten. Im Frieden zu Fontainebleau 1762 trat Spanien F., das ihm nie viel eingetragen, bis an den Mississippi an England ab, welches die Strecke im Westen des 199— Westflorida nannte, bekam aber 1783 beide F. im Frieden zu Versailles zurück. Am 22. Febr. 1819 verkaufte sie Ferdinand VII. für 5 Mill. Doll. an die Union, von welcher das Land 25. Juli 1821 besetzt, 30. März 1822 als Unionsgebiet organisiert und am 3. März 1845 als 14. Staat anerkannt wurde. In den J. 1835—42 wütete ein Vernichtungskampf zwischen den Ansiedlern und den Seminolen, einem kriegerischen Indianerstamme, welcher im Besitz der besten Ländereien sich gegen das Vordringen der Weißen auflehnte. Dieser Kampf endigte mit der Unterwerfung der Indianer und f der Versetzung des Stammes nach dem Westen der Vereinigten Staaten. Die erste Verfassung F.S8t rührt aus dem J. 1845; 1865 wurde dieselbe revidiert; die jetzt in Kraft befindliche stammt aus dem J. 1868. Der Staat zerfällt in 3) Counties. Die Staatshauptstadt ist Tallahassee. Der Gouverneur, welcher 3500 Doll. Gehalt bezieht, und die 24 Senatoren werden auf vier, die 53 Repräsentanten auf zwei Jahre gewählt. In den Kongreß l schickt F. nur zwei Repräsentanten und zwei Senatoren. F. schloß sich 1861 der Secession an und 1 bekämpfte mit den übrigen südl. Staaten die Bundesregierung, übte aber keinen Einfluß auf die Ereignisse aus und kehrte nach dem Kriege 1865 in die Union zurück, welcher es gesetzlich seit dem 4. Juli 1868 wieder als Staat angehört. Nach dem Census von 1880 betrug die Obligationenschuld des Staats 2566880 Doll., die schwebende 209 719, mithin die Bruttoschuld 2776 609 Doll. Darunter war eine Amortisationsschuld von 150 100 Doll. begriffen, sodaß sich die Nettoschuld auf 2626 509 Doll. belief. Das zur Besteuerung herangezogene Grundeigentum wurde auf 18885 151, das bewegliche Eigentum auf 12053 158 Doll. veranlagt; 236 930 Doll. wurden an Staats⸗, 266306 an Grafschafts⸗ und 101944 Doll. an Gemeindesteuern, also zusammen an Steuern 605 180 Doll. aufgebracht. Vgl. Barbour, «F. for tourists, invalids and settlerso (Neuyork 1881); Lanier, «F., its scenery, climate and historys (Philad. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 917Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6