San-Salvadör, offiziell Kepüblica del Salvador en la América central, der kleinste, aber volksdichteste und kultivierteste der fünf Staaten von Centralamerika, zwischen 13. wund 14 30, nördl. Br. und 87e 30 und 90 20“ westl. L. (von Greenwich), grenzt im S. an die Südsee, im SO. an die Conchaguabai oder den Golf von Fonseca, im O. und N. an Honduras, im W. an Guatemala und hat ein Areal von 18 720 qkm mit (1883) 613 273 E., von welchen nur 10000 Weiße sind. Die schmale, flache Küste umsäumt die große, stark ausgezackte Conchaguabai, westlicher die fjordenartigen Einschnitte Estero de Jiquilisco und Puerto de la Concordia und mehrere gute Reeden, in denen aber in der trockenen Jahreszeit heftige Windstöße (Papagallos) die Landung gefährlich machen. Die Oberflächengestaltung S.s bietet nicht die großen Gegensätze dar wie die der übrigen centralamerik. Staaten, da das Land ganz außerhalb der Hauptcordillere von Centralamerika liegt und völlig der Abdachung der Südsee angehört. Mit Ausnahme des großen und sichern Hafens La Union sind die übrigen Häfen, wie Acajutla, La Libertad und iquilisco, lediglich offene Reeden. Ein schmaler treifen niedrigen, fruchtbaren Landes erstreckt sich, 32 km breit, längs der Küste bis nach La Libertad hin. Weiter nach Norden zu erhebt sich die Küste und wird hügelig. Mehrere kurze Gebirgszüge durchschneiden das Innere. Ungefähr 20—25 kEm von der Küste liegen die Vulkane San-Vicente (2290 m hoch), San-Salvador (2400 m), San-Miguel (2036 m), Santa-Ana (2320 m), Apaneca (1745 m), Cojutepeque (1730 m), Tecapa (1580 m), Conchagua (1460 m), Chinameca (1448 m), Usulutan (1290 m) und Isalco (1240 m), welcher fortwährend in Thätigkeit ist. Der bedeutendste Fluß ist der tiefe, aber wegen seiner vielen Stromschnellen auf größere Strecken nicht schiffbare Rio Lempa. Minder bedeutend sind der Rio San-Miguel, der Rio Goascaran an der Ost⸗ und der Rio Paz an der Westgrenze. Der Boden ist im allgemeinen gut, ja teilweise ausgezeichnet; infolge der polit. Unruhen wird er jedoch nicht gehörig ausgenutzt. Es gedeihen in S. alle Tropengewächse, Der ganze westl. Küstenstrich vom Rio Acajutla bei Sonsonate bis zum Guameca bei La Libertad heißt die Balsamküste (Costa de Balsamo), weil ihre Wälder eine Menge des köstlichsten Balsams liefern. Ein anderes Hauptprodukt ist der Indigo, der unter dem Namen des Indigo von Guatemala als der beste gilt. Die Viehzucht ist unbedeutend; die europ. Haustiere sind sehr ausgeartet. Man unterält viele Indigoterien, Zuckerraffinerien, welche anelas liefern, und einige Eisenwerke. Die Hauptindustriezweige erstrecken sich auf Baumwoll⸗, Eisen⸗ und Stahlwaren. Im J. 1884 belief sich die Einfuhr auf 2646 628, die Ausfuhr auf 6065 799 Doll. Hauptartikel der Ausfuhr waren Indigo, Kaffee, Zucker, Häute, Tabak, Balsam und Silber in Barren. Die Staatsschuld betrug 1883 4621 489 Doll. Die durch Einfuhrsteuern, Stempelgebühren, Tabaks⸗ und Rummonopole sich ergebenden Einnahmen bezifferten sich im J. 1884 auf 4067 000, die Ausgaben auf 4057000 Doll. Die Republik zerfällt in die Departements San-Miguel, San-Vicente, La Paz (Hauptstadt Sacatecoluca), Chalatenango, Cuscatlan (Hauptstadt Suchitoto), San-Salvador, Sonsonate und Santa-Ana mit den gleichnamigen Hauptstädten, wo es nicht anders H4 ist. San-Salvador ist die Hauptstadt der Republik. Außer ihr gibt es 148 kleinere Städte und 62 Dörfer. Ein an der Spitze des Staats stehender Präsident wird auf vier deneh gewählt. Die Gesetzgebende Versammlung esteht aus einem Senat von 13 und einem Repräsentantenhause von 25 Mitgliedern, welche auf zwei Jahre gewählt sind und jährlich zur Hälfte durch neue ersetzt werden. Jeder 21 J. alte Bürger ist zur Wahl berechtigt. Geistliche und aktive Soldaten werden zu Civilstellen nicht zugelassen. Die Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaft und der Präsident sind nur wählbar, wenn sie ein gewisses Vermögen nachweisen. Jeder Gouverneur eines Kreises wird auf zwei Jahre gewählt. Das stehende Heer zählt 1200, die Miliz 10000 Mann. Am 15. Juli 1882 wurde die erste Eisenbahnlinie vom Hafen Acajutla bis Sonsonate dem Verkehr übergeben; ferner waren 1884 von der im Bau begriffenen Linie von Sonsonate nach Santa⸗-Ana 35 km fertig gestellt. Telegraphen standen (1881) 700 Meilen Draht mit 48 Bureaus in Betrieb. Die röm.⸗kath. Religion ist Staatsreligion, doch werden auch andere Bekenntnisse geduldet. Das Schulwesen steht auf ziemlich niedriger Stufe. Geschichtliches. Als der Spanier Pedro de Alvarado 1524 in diese Gegend eindrang, hatte sie eine dichte Bevölkerung. Da, wo das alte Cuscatlan gelegen war, erhob sich 1528 die Stadt S. Unter span. Herrschaft bildete S. eine reiche Provinz des Königreichs Guatemala; 1821 befreite es sich mit den übrigen vier Republiken und bildete mit ihnen zusammen die konföderierte Republik von Centralamerika. Als der Kaiser Iturbide (s. d.) von Mexiko diese erobern wollte, suchte S. diesem Schicksal dadurch zu entgehen, daß es die Annexion von Centralamerika an die Vereinigten Staaten verfügte. Es kam jedoch nicht zur Ausführung dieses Beschlusses, da das neue Kaiserreich bald wieder in sich zerfiel, sodaß Centralamerika, dessen Hauptstadt jetzt die Stadt S. wurde, unabhängig blieb. S. wurde 1839 ein selbständiges Gemeinwesen und nahm 1856 den Titel Republik an. Vermöge seiner geogr. Lage wurde es gezwungen, an allen Revolutionen in Centralamerika teilzunehmen. Ein Krieg mit Guatemala, welches in Centralamerika die Oberherrschaft anstrebte, endete 1862 mit der Niederlage Guatemalas. In einem zweiten Eroberungszuge Guatemalas wurde jedoch im Okt. 1863 S. durch Carrera, den Präsidenten Guatemalas, erobert. Im Mai 1865 wurde Barrios, der Präsident von S., von Panama durch Aufständische zurückberufen. Er wurde jedoch geschlagen, gefangen genommen, vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen. Duenas, weler 1863 provisorisch gewählt worden war, wurde 1865 auf vier Jahre wieder ernannt und blieb bis 1869 im Amt. Unter ihm suchte die Regierung das Land zu erschließen, indem sie Chausseen und Brücken baute. Duenas folgte Gonzales als provisorischer Präsident und wurde 1872 definitiv auf vier Jahre gewählt. d demselben Jahre wurde mit Guatemala ein Bündnis geschlossen. Auf Gonzales folgte im J. 1878 Dr. R. Zaldivar y Lazo, der nach Ablauf seiner verfassungsmäßigen Regierungszeit wiedergewählt wurde und die Präsidentschaft bis zum J. 1885 inne hatte. Ihm folgte im Sommer 1885 General Francisco Menendez. Ein 1885 wiederholter Versuch Guatemalas, sich die Hegemonie über die übrigen centralamerik. Staaten zu verschaffen, scheiterte abermals an dem Widerstande derselben, an welchem sich auch S. beteiligte. Auf einem vor einigen Monaten Aem Hopdurns, 5 Kongreß in Honduras, auf welchem Honduras, Nicaragua, Guatemala, Costa-Rica und S. vertreten waren, und welcher den Zweck hatte, die durch die Pläne des Präsidenten von Guatemala, General Barrios, entzweiten centralamerik. Republiken wieder zu vereinigen, wurde die Eintracht unter denselben wieder völlig hergestellt. Vgl. Scherzer,Wanderungen durch S.» (Braunschw. 1857). Sau-Salvadör, Hauptstadt des gleichnamigen Departements und der Republik S., mit einer Bevölkerung von (1883) 13274 Seelen, liegt über 600 m über dem Meere in einem schönen Thale, etwa 5 km von dem Vulkane San-Salvador, ist Bischofssitz, hat eine große Kathedrale, acht andere Kirchen, eine Universität, ein Mädchenseminar, zwei Wasserleitungen und mehrere Hospitäler. Die Einwohner leben meist von Landwirtschaft; in der Umgebung wird viel Indigo gebaut; zahlreiche Fruchtgärten finden sich inmitten der Stadt. S. wurde zweimal durch Erdbeben fast gänzlich zerstört, 16. April 1854 und 19. März 1872. Trotz des Widerwillens der Bevölkerung, welche teilweise wegzog, wurde S. an der alten Stelle (zum achten mal!) auf Beschluß der Behörden wieder aufgebaut. Sau-Salvadör, der portug. Name von Congo oder Ambassi, Hauptstadt des Landes Congo (s. d.).