FeedForoe (frz.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Foroe (frz.), Stärke, Macht, jemandes starke Seite; F. maj eure, höhere, überlegene Macht oder Gewalt, der man weichen, sich fügen muß, wogegen man nichts vermag. (S. Höhere Gewalt.) Forcellini (Egidio), ital. Philolog, geb. 26. Aug. 1688 zu Fener bei Padua, kam 1704 in das Seminar zu Padua, wo er bald solche Fortschritte in den alten Sprachen machte, daß ihn sein Lehrer Facciolati (s. d.) an lexikographischen Arbeiten teilnehmen ließ. Nachdem er mit demselben 1715—18 eine Revision des Wörterbuchs des Calepinus beendet, faßte er den Entschluß, ein vollständiges Lexikon der lat. Sprache auszuarbeiten. Er begann das Werk gegen Ende 1718 und beendete es unter Leitung und Beistand Facciolatis im Febr. 1753. Die Revision und die Reinschrift erforderten nochmals über acht Jahre, sodaß die Riesenarbeit erst nach 43 Jahren zum Druck gelangte. F. starb jedoch noch vor Beendigung des Drucks 4. April 1768 zu Padua. Er war 1724—31 Rektor des Seminars von Ceneda und 1731—53 Beichtvater im Seminar Padua gewesen. Sein Werk erschien nach seinem ode vollständig unter dem Titel Totius latinitatis lexicono (4 Bde., Padua 1771). Wegen der Reichhaltigkeit seines Inhalts ist dasselbe die Grundlage aller spätern lat. Wörterbücher geblieben. In der zweiten Auflage (1805) wurden aus Cognolatos Nachlaß Supplemente beigefügt. Als Vervollständigung dazu erschien ein Kppendix (Padua 1816) von Furlanetto, der auch eine neuere vollständigere Ausgabe des ganzen Werks besorgte (4 Bde., Padua 1828—31). Letzterer war ein engl. Abdruck (2 Bde., Lond. 1826) vorausgegangen, der die Supplemente bereits ins Werk selbst aufgenommen hatte. Mancherlei Ergänzungen und Zusätze erhielt ein deutscher bdruck, der von Voigtländer und Hertel (4 Bde., Zwickau u. Schneeb. 1829—33) veranstaltet wurde. Ein zweiter Appendixo von Furlanetto (1841) ist ohne großen Wert. In Italien wurden zwei neue Ausgaben des Lexicono begonnen, die eine von Corradini mit Beiträgen von Klotz, Döderlein, Freund, zu Padua (1859 fg.), die andere mit Onomasticis und andern Zugaben von De-Vit zu Prato (1860 fg.). Vgl. Ferrari, «Vita Aegidii F.d (Padua 1792). [burtshelfers. Eorceps (lat.), Zange, namentlich des Ge-Forchhammer (Peter Wilh.), ausgezeichneter Altertumsforscher, geb. 23. Okt. 1803 zu Husum, besuchte das Gymnasium zu Lübeck, widmete sich dann zu Kiel philol. und Altertumsstudien und habilitierte sich an jener Universität, an der er 1837 eine ord. Professur erhielt und seitdem ununterbrochen als Lehrer gewirkt hat. Von F.s frühern ft Arbeiten erfuhr die Schrift »Die Athener und 1 Sokrates, oder die Gesetzlichen und der Revolutionär» (Berl. 1837) vielfachen Widerspruch, später aber auch Zustimmung von gründlichen Historikern (Grote.) Er unternahm 1830 seine erste mehrjährige f wissenschaftliche Reise durch Italien und Griechen-e land und Herbst 1838 eine zweite nach Griechenland und Kleinasien, von wo er über Agypten und Rom zurückkehrte. Als Früchte seiner Forschungen veröffentlichte F. seitdem zunächst eine Reihe schätz⸗ ö barer Beiträge zur Topographie des alten Hellas und der griech. Küstenländer Kleinasiens, wie: „Hellenikar (Bd. 1, Berl. 1837), Topographie von Atheno (Kiel 1841), (Beschreibung der Ebene von Trojap (mit Karte von Spratt, Frankf. 1850), «Topographia Thebarum heptapylarumo (Kiel 1854), „Halkyoniad (Berl. 1857). In der Schrift ber die Reinheit der Baukunsto (Hamb. 1856) suchte er den Ursprung der vier Hauptbaustile (der ägypt., griech., der Rundbogen- und der Spitzbogenstil) aus dem klimatischen Bedürfnis und dem lokalen Material zu erklären und die Entwickelung der drei griech. Bauordnungen, der einen aus der andern, nachzuweisen. Schon vorher hatte er in der Untersuchung über „Die cyklopischen Mauern» (Kiel 1847) das Prinzip der ++ Fugen in der Architektur empfohlen. Seine übrigen wissenschaftlichen Arbeiten waren besonders der Archäologie, der griech. M antlich w und dem Aristoteles zugewandt. Gemeinscha tlich mit Jahn wirkte er mit Erfolg für die Gründung eines archäol. Museums zu Kiel. Unter F.s Programmen und Vorträgen bei diesen Gelegenheiten sind hervorzuheben: Panathenäische Festreder (Kiel w1841), Apollos Ankunft in Delphiv (Kiel 1840), Die Geburt der Athener (Kiel 1841) und Das Schöne ist schwero (Kiel 1863). „Bezüglich der Mythologie der Griechen nimmt F. den Mate selbständigen Standpunkt ein. Er faßt den Mythus als Keine auf dem Doppelsinne des Wortes beruhende Darstellung der Bewegungen in der Natur als historischer, d. i. vom Geist gewollter Handlungenv. Infolge dieser aus der Anschauung des griech. Landes und Himmels gewonnenen Ansichten, die er in der Abhandlung alüber den Ursprung der Mytheno im Philologus»(Jahrg. 1860) zusammenfaßte, erklärte er in der Schrift Achills (Kiel 1853) den wesentlichen 2. der Iliade aus dem winterlichen Kampfe der Elemente in der diesem Kampfe in merkwürdigster Weise ausgesetzten Ebene von Troja. Im Daduchoso (Kiel 1875) suchte er besonders einen Vorläufer des von ihm beabsichtigten Wörterbuchs der Mythensprache zu geben. In den «Argonauteno (Nord und Südo, 1878), in der «Gigantomachies am Pergamenischen Zeusaltar (Allgemeine Zeitungo, Mai 1881), in den „Wanderungen der Inachostochter Jop (Kiel 1881), in dem «Erechtheion (Kiel 1879) suchte er die oben 60 ebene Definition des Mythos durch alle wesentichen Mythencomplexe hindurchzuführen und zu bewahrheiten. Zum Beweis der auch für Italien gültigen Begriffsbestimmung des Mythos erklärte er in der „Gründung Romso (Kiel 1868) den Mythos von Romulus und Remus (Romos). In den J. 1868 —70 war F. für den 9. schlesw.⸗holstein. Wahlbezirk (Pinneberg) Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses, 1871 — 73 für den 4. schlesw.⸗ holstein. Wahlbezirk (Tondern u. s. w.) Mitglied des Deutschen Reichstags; in ersterm gehörte er dem liberalen Centrum, in letzterm der Fortschrittspartei an. ö Sein älterer Bruder, Johann Georg F., geb. 26. Juli 1794 zu Husum, seit 1835 Professor der Mineralogie an der Universität zu Kopenhagen, hat sich als Geognost, Mineralog und Chemiker einen geachteten Namen erworben. Unter seinen Schriften sind die «Krystallographier (Kopenh. 1833), „Denmarks geognostiske Forholde (Kopenh. 1835) und «Bidrag til Sklidringen of Denmarks geographiste Forholdo (Kopenh. 1837) hervorzuheben. F. starb 14. Dez. 1865 zu Kopenhagen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 952Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6