FeedAkademiegebäude
BaukunstBau-Lexikon 1881

Akademiegebäude, u. Die Anlage derselben wird sich nach dem Umfang der Lehrgegenstände, nach dem Vorrath an Originalien, nach der Anzahl der Schüler und danach richten, ob die betr. Akademie für Maler oder Architekten, Bildhauer, Kupferstecher, Holzschneider, Lithographen, Forstwirthe, Landwirthe oder andere Techniker, für Mediziner oder Musiker u. a. m. bestimmt ist. Die A. für Musik behandelt der Art. Konservatorium, für Medizin d. Art. Klinikum und Medizinschule, für Forstw. d. Art. Forstschule, für Landwirthsch. d. Art. Oekonomieschule, für technische Künste d. Art. Kunst-Hier folgt nur Einiges über die Einrichtung eines Gebäudes für eine Akademie der bildenden Künste. Bei kleineren Aufgaben kann man dann das für den speziellen Zweck Überflüssige weglassen, aber dabei immer die allgemeinen Regeln im Auge behalten. Die Zugänge, Hausfluren, Treppen etc. müssen geräumig und sonnig, daher nach Süden gerichtet sein, luftige, kühle Gänge die Zimmer verbinden; die Etagenhöhe muß man ziemlich reichlich bemessen. Die zum Zeichnen, Malen etc.bestimmten Zimmer müssen möglichst gleichmäßiges, langandauerndes, nicht grelles Licht haben; dies wird man am besten erreichen, wenn man ihnen möglichst viele große Fenster giebt, diese aber sämtlich nach Norden richtet. Dadurch bestimmt sich die Stellung des Gebäudes mit einer Langseite nach Norden hin; dabei sehe man noch darauf, daß vor dem Gebäude sich nichts befindet, was ein Blendlicht erzeugen könnte, also kein großer freier Platz oder Feld, wo sich im Winter eine große Schneefläche bilden könnte; aber auch keine glatte, hellgetünchte Fagade; sehr glücklich liegt in dieser Beziehung die Dresdener A. an der Elbe, aber hoch über derselben. Im Souterrain kann man die Wohnung des Kastellans od. Hausmeisters und vielleicht eines oder mehrerer Aufwärter anbringen; außerdem einige luftige Niederlagen für Bilderkisten, Gestelle, Gerüste u. dgl. Im erhöhten Parterre sei das Lokal für die periodisch wiederkehrenden Ausstellungen von Schülerarbeiten, für Bibliothek und Kupferstichsammlung, eine Galerie zu Aufhängung der Originale, so weit sie in Bildern und Kupferstichen, architektonischen Modellen etc. bestehen, also Seitenbeleuchtung verlangen od. vertragen. Die Originale in größeren Gipsmodellen, z. B. Statuen, Gruppen etc., welche Oberlicht verlangen, sind in dem obersten Geschoß, als wo man das Oberlicht durch das Dach am besten erlangen kann, aufzustellen. Hierher sind auch diejenigen Unterrichtssäle zu bringen, die Oberlicht verlangen; in die anderen Geschosse sind die zu vertheilen, die hohes oder tiefes Seitenlicht nöthig machen; in das Erdgeschoß außer oben erwähnten Räumen blos die Unterrichtsfäle, in welche oder aus welchen manchmal große Lasten zu transportiren sind, z. B.das Atelier für Bildhauer etc., welches aber ebenfalls mit Oberlicht zu versehen ist u. daher nicht überbaut werden darf; s. auch d. Art. Atelier. Dabei ist aber darauf zu sehen, daß die für ein Kunstfach bestimmten Unterrichtssäle allemal in eine Gruppe vereinigt werden und in ihrer unmittelbaren Nähe der Sal für die betr. Originale, sowie ein Kabinet zum Aufenthalt für die die betr. Abtheilung überwachenden Lehrer sich befindet; für Abtritte u. sonstige Bequemlichkeiten muß natürlich hinlänglich gesorgt sein. Bei Anlage der Heizung ist darauf zu sehen, daß gar kein Rauch und Ruß in die Zimmer und Säle dringen kann, und daß die Heizung eine möglichst gleichmäßige, in Handhabung und Bedarf leicht zu kontrollirende sei. Am besten wird sich dazu die Warmwasserheizung eignen. Sollen noch Wohnungen für Lehrer oder für Schüler oder beide zugleich in dem Gebäude untergebracht werden, so würde man dieselben am besten an der Südseite, od. bei beschränktem Terrain in einem Zwischengeschoß anbringen. Immerwährende gleichmäßige Beleuchtung von oben verlangt der Säl, wo die größeren Gipsabgüsse stehen, die als Originale für die Ubungen im Modelliren dienen, der Modellirsal der jüngeren Bildhauer re. Wechselnde Beleuchtung, nach Bedürfnis von oben oder von der Seite und auch da tief oder hoch verlangen: der Aktsäl, der Sal zum Zeichnen nach Statuen etc. und einige der Malsäle. Hohes Seitenlicht, d. h. mit mindestens 1½ m. hoher Brüstung: die Bildhauerateliers, die Lokale zum Komponiren von Thonmodellen u. einige der Säle, wo Übungen im Malen getrieben werden. Doch ist es gut, wenn auch diese zeitweilig mit Oberlicht versehen werden können. Niedriges Seitenlicht, d. h. mit 1m. hohen Brüstungen: der größte Theil der Zeichensäle, bes. da, wo nach Zeichnungen od. Kupferstichen kopirt wird, also die Unterrichtssäle für die untersten Anfänge in der Malerei, für die Kupferstecher, Lithographen etc., sowie deren Ateliers, die Unterrichtssäle und Zeichensäle für die Architekten etc. Die Vorlesungssäle können beliebige Beleuchtung erhalten, nur nicht so, daß das Licht den Zuhörern gerade ins Gesicht scheint. Uber die Erfordernisse der einzelnen Räume sübr. die Art. Aktsal, Atelier, Modellirsäl, Malsal, Zeichensäl.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 66Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Baukunst 6