FeedAnkerstein
BaukunstBau-Lexikon 1881

Ankerstein, Ankerweede re.; sie sind aber wegen der kurzen Dauer des Materials nicht zu empfehlen. Bei monumentalen Bauwerken u. solchen Bauten, bei denen die äußere-Schönheit eine Hauptrolle spielt, oder wo es auf lange, keiner Zufälligkeit ausgesetzte Dauer besonders abgesehen ist, muß man die A., wo sie sich nicht durch Wahl einer auch ohne A. genügend soliden Konstruktionsweise vermeiden lassen, nie dem Auge entziehen, sondern auf geschickte Weise zur Dekoration verwenden. Die A liefert in der Regel der Schmied, oft auch der Schlosser, und sie werden meist nach dem Gewicht bezahlt. II. Anker, m. (Deichb.), nennt man die Grundfläche, die ein Damm an seinem Fuß einnimmt. III. Anker, m. (Uferb., Straßenb. u. Kriegsb.), nennt man einen gedrehten Baumast oder mehrfach zusammengedrehten Eisendraht (Drahtseil), womit die Verkleidung der Böschung eines Auftrages, Einschnittes etc. an dem „Erdkörper festgehalten wird. Derselbe wird mit dem einen Ende im Boden angepflöckt oder um eine Faschine, Schwelle re. befestigt, die ihrerseits angepflöckt wird, während er mit dem andern eine Faschine oder sonst einen Theil des Verkleidungsmaterials umschlingt. Pie. IV. Anker, Flüssigkeitsmäß, frz. ancre, m., engl. anker, ungefähr ein halber Eimer oder ein Viertel-Ohm, war bes. im Norden Deutschlands üblich. V. Bei den Magneten ein glatter eiserner, mit Ring versehener Stab, der quer an die Füße od. die künstlichen Pole des Magnets gelegt wird, um dieselben mit einander in Verbindung zu setzen und dadurch den Magnet fähig zu thek Heidelberg DFC machen, die an den Ring des Ankers gehängte Last zu tragen, also seine Kraft zu äußern. VI. Anker, m., als Schiffahrtsgeräth, frz. ancre, f., fer, m. engl. anchor, ital. ancora, span. ancla. Er besteht aus dem Ankerschaft, dem Ankerstock und den Ankerarmen mit den Ankerhänden, die grabscheitartig geformt sind. Ein Linienschiff von 120 Kanonen wird mit4 Ankern von 9000 Pfund, einem von 8000 Pfund, zwei von 2700 Pfund, je einem von 2500 Pfund und 1200 Pfund ausgerüstet, die alle am Vorderschiff, zum Theil an der Außenseite, angebracht sind; man unterscheidet: A. Schwere Anker. 1. Pflichtanker, Plichtanker, Hauptanker, m., frz. grande ancre, ancre de miséricorde, a. Nespérance, maitresseancre, engl.sheet-anchor, der schwerste Anker des Schiffes, wird nur im Sturm gebraucht, wiegt für ein Schiff von 10 Tonnen 75 Pfund, Außerdem wird ein Kauffahrteischiff noch mit drei kleineren Ankern von bez. ½, ½, ½ des Pflichtankergewichtes ausgerüstet. Schiffe von über 500 Tonnen haben noch einen fünften A., dessen Gewicht ½8 vom Pflichtankergewicht beträgt. 2. Raumanker, Nothanker, m., frz. ancre de la cale, engl. spare-anchor, der zweitschwerste, liegt auf dem untersten Deck zur Aushülfe in der Noth. 3. Buganker, frz.seconde ancre, engl.best bower, hängt am Bug an der Backbordseite zum Gebrauch bei Stürmen. 4. Caganker, Cäglichsanker, frz. ancre de veille, engl. daily anchor, daily bower, liegt zum täglichen Gebrauch auf der Fockrüst am Backbord. 5. Teianker, Teuanker, franz. ancre d'affourche, engl. small bower, liegt an der Steuerbordseite, wird, wie der Taganker, gegen die Bewegung in Strömen, oder gegen Ebbe und Flut, zum Verteien gebraucht. B. Wurfanker, frz. ancre f. àJet. 1. Schwerer Wurfanker, frz. grande ancre àjet, engl. stream-anchor, hängt neben dem Buganker. 2. Leichter Wurfanker, Springanker, franz. ancre à jet, ancre de touée, engl.small stream-ancre, liegt auf dem Zwischendeck vorn im Bug; dient, um das Schiff in Häfen od. Flüssen von einer Stelle zur andern zu bringen, indem er mittels des Bootes in gehöriger Entfernung vom Schiff ausgeworfen u. dann das Ankertau im Schiff eingewunden wird, so daß der A. als fester Punkt dient, um das Schiff fortzuziehen (zu warpen). 3. Dreganker, Dregge, f., Bootsanker, m., frz. grappin, hérisson, engl. grapnel, creeper, vierarmiger Anker ohne Ankerstock. Auf kleineren Fahrzeugen, Schiffsbooten und Flußschiffen benutzt man A. mit vier od. sechs Armen, welche keines Ankerstockes bedürfen, da sie auch ohne denselben stets in eine günstige Lage kommen. Eine kleine Art des Dregankers ist 4. Enterdreg, m., frz. Corbeau, harpeau, engl. grapple, ein kleiner beim Entern eines Schiffes gebräuchlicher Anker, mit hakenförmig gebogenen Klauen. CO. Benennung der Anker nach ihrem Gebrauch. 1. Katanker, frz. empennelle, f., ancre de renforcement, engl. backing a., kedge, kleiner A., bei ungünstigem Ankergrund zu Verstärkung der Ankerung hinter dem ersten A. angebracht (der erste heißt dann verkattet). Der K.wird mittels kurzen Ankertaues am Hauptanker befestigt und kommt auf dem Grund hinter denselben zu liegen. 2. Wallanker, frz. anere de terre, engl. shore-anchor, ist von den zwei Ankern, mit denen man ein Schiff verteit, der gegen die Küste zu ausgeworfene. 3. Seeanker, franz. ancre du large, engl. sea-anchor, aber der gegen die See hin ausgeworfene. 4. Ebbeanker, franz. ancre f. de jusant, engl. ebbanchor, verhält sich zum 5. Flutanker, frz. ancre de flot, engl. flood-anchor, ähnlich wie Wallanker und Seeanker. 6. Stromanker, frz. ancre f. d'amont, engl. anchor up the current, stream-anchor, ist bei Schiffbrücken der stromaufwärts ausgeworfene A. 7. Windanker, frz. ancre f. d'aval, engl. Iower anchor, anchor down the-current, ist bei den Schiffbrücken der stromabwärts ausgeworfene A. 8. Hafenanker, Kettenanker, franz. ancre f. à demeure, corps m. mort, engl. moorings, pl., ein schwerer oder Vereinigung mehrerer durch Ketten verbundener A. zu Befestigung abgetakelter Schiffe. 9. Treibanker, m., frz. ancre f. flottante, engl. driving anchor, zu Verminderung der Abtrift. 10. Landanker, diejenigen Anker, welche das Landponton einer Pontonbrücke oder den ersten Bock einer Birago'⸗ schen Bockbrücke über Gewässer festhalten. Pte. VII. Anker als Emblem, Symbol und Attribut: 1. Emblem der Schiffahrt, des durch dieselbe beförderten Handels und der damit verbundenen Gewerbe und Industriezweige, daher Attribut des Neptun etc. 2. Symbol der Gelassenheit, Standhaftigkeit, Geduld und Hoffnung oder der diese Eigenschaften befördernden Glaubensstärke, bes. in letzterer Bedeutung christliches Symbol und Attribut mancher Heiligen, s. M. M. a. W. 3. Bei den Alten war die einen Anker krönende Viktoria Symbol des Friedens, der Sicherheit und Zuversicht, die den Sieg herbeiführt. 4. Friedens⸗ und Heroldszeichen bei den Indiern.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 110Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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